Regionalliga Nordost

Regionalliga Nordost: Zusammenfassung 6. Spieltag

Halle makellos, Lok minimalistisch, Chemie im freien Fall

Der 6. Spieltag der Regionalliga Nordost hat die Kräfteverhältnisse weiter geschärft: Halle bleibt das Maß aller Dinge, Lok setzt seine Minimalisten-Serie fort, Erfurt und Jena folgen eng, während Chemie Leipzig weiter im Tabellenkeller festhängt.

Der Hallesche FC verteidigt souverän die Spitzenposition. Beim 2:0 in Greifswald reichten ein Blitztor von Damelang nach 20 Sekunden und Fakhros Treffer in der Nachspielzeit, um den sechsten Sieg im sechsten Spiel einzufahren. Halle überzeugt durch defensive Stabilität und abgeklärtes Spielmanagement – die Mannschaft von Robert Schröder wirkt bereit für den langen Aufstiegskampf.

Lok Leipzig bleibt hartnäckigster Verfolger. Im „kleinen Derby“ in Eilenburg genügte wieder ein einziges Tor: Cevis nutzte kurz vor der Pause einen kapitalen Aufbaufehler und besiegelte den vierten 1:0-Erfolg der Saison. Eilenburg haderte mit Pfostenpech und fehlender Effizienz, Lok dagegen mit beeindruckender Kompaktheit.

Rot-Weiß Erfurt setzte seine Erfolgsserie beim 3:1 gegen Aufsteiger Magdeburg II fort. Wolf, Ugondu und Aboagye stellten schon vor der Pause auf 3:0, ehe Millgramm verkürzte. Der fünfte Saisonsieg bringt Erfurt auf Schlagdistanz zur Spitze. Carl Zeiss Jena gewann parallel 2:0 bei Chemie Leipzig, Lankford und Weihrauch nutzten nach dem Seitenwechsel die Fehler der Leutzscher eiskalt aus. Chemie steht nach sechs Spielen weiter ohne Punkt da – der Druck wächst.

Babelsberg 03 rückte nach einem furiosen 4:0 bei Dynamo in die Spitzengruppe vor. Drei Treffer binnen vier Minuten durch Schmidt (Doppelpack) und Müller entschieden früh, Didoss legte noch vor der Pause nach. Dynamo taumelt nach der dritten Niederlage in Serie Richtung Abstiegszone.

Zwickau feierte gegen Meuselwitz den ersten Heimsieg. Linksfuß Somnitz traf doppelt – zunächst vom Punkt, dann nach Freistoßvariante – und sicherte das 2:0. Chemnitz rettete sich gegen Preussen spät zu einem 1:1, Bozic traf in der Nachspielzeit per Elfmeter, nachdem Breitkreuz die Berliner in Führung gebracht hatte.

Das Berliner Stadtduell zwischen Hertha 03 und der U23 von Hertha BSC endete 2:2. Rölke und Ünal trafen für die Gäste, Reimann und Keller glichen aus – für Zehlendorf war es der erste Saisonpunkt. Luckenwalde verschlief gegen Altglienicke die erste halbe Stunde komplett, lag 0:3 hinten und kam nur noch zum 1:3-Anschluss. Die VSG klettert mit dem Auswärtssieg auf Rang fünf.

Halle (18 Punkte) thront makellos an der Spitze, dicht gefolgt von Lok (16), Erfurt (15) und Jena (13). Altglienicke und Babelsberg halten Anschluss an die obere Gruppe. Am Tabellenende bleiben Zehlendorf (1 Punkt) und Chemie Leipzig (0 Punkte) tief im Abstiegssumpf – mit Chemie als einzigem punktlosen Team aller fünf Regionalligen.

Hier können Sie die ausführlichen Berichte lesen:

Jena siegt abgeklärt im Leutzscher Flutlicht

BSG Chemie Leipzig – FC Carl Zeiss Jena 0:2 (0:0)

Jena bleibt dran am oberen Trio: Mit einem nüchtern herausgespielten 2:0 beim weiterhin punktlosen Schlusslicht Chemie Leipzig behauptete der FC Carl Zeiss unter Flutlicht im Alfred-Kunze-Sportpark seine Ambitionen. Kevin Lankford brach nach der Pause den Bann, Patrick Weihrauch vollendete einen Angriff aus dem Lehrbuch – Chemies Kraftakt reichte gegen die reife Statik der Gäste nicht.

Die Ausgangslage zwang die Hausherren zur Balance zwischen Mut und Absicherung. Trainer Adrian Alipour stellte um, setzte auf Kompaktheit im 5-2-3 und hoffte auf Momente über Ratifo. Doch die Anfangssequenz gehörte den Thüringern: Jena presste geordnet, band die Wingbacks früh und kam nach Standards sofort zu Hochkarätern. Nach Lankfords Ecke wuchtete Moritz Fritz den Ball per Kopf an die Lattenunterkante – von dort sprang er vor die Linie (9.). Kurz darauf setzte Maxim Hessel Prokopenko steil, dessen Heber am Pfosten landete (21.). Dazwischen parierte Horenburg einen Butzen-Abschluss aus fünf Metern herausragend (38.). Chemie kam erst nach gut 20 Minuten in die Gegenwart der Partie: Ratifo fasste sich aus der zweiten Reihe ein Herz, später strich ein scharfer Freistoß quer durch den Fünfmeterraum, ohne Abnehmer – Szenen, die eher andeuteten als überzeugten.

Jena blieb die strukturiertere Mannschaft. Talabidi, Hessel und Reddemann ließen im Aufbau den Ball zirkulieren, Schau und Fritz hielten die Passdichte im Zentrum hoch, vorn banden Lankford und Eshele konsequent die Halbspur. Chemie verteidigte aufopferungsvoll, lebte von Monstergrätschen und kollektivem Verschieben, hielt das 0:0 zur Pause aber auch mit Fortune.

Nach Wiederbeginn fiel die Entscheidung früh – und typisch für diesen Abend: Ein weiter, präziser Ball von Reddemann hebelte die letzte Linie, Lankford antizipierte Enkes Stellungsfehler und spitzelte die Kugel vor dem zögernden Horenburg ins Netz (52.). Der Wirkungstreffer nahm Jena den Rest von Nervosität. Die Uluc-Elf kontrollierte Rhythmus und Raum, erstickte Chemies Ansätze mit sauberem Gegenpressing und setzte den nächsten Stich mustergültig. Lankford trug den Konter, Eshele verlängerte mit der Hacke, Weihrauch schob aus spitzem Winkel flach ins kurze Eck – 0:2 (68.). Ein Angriff, der Tempo, Timing und technische Sauberkeit bündelte.

Chemie stemmte sich, nun befreiter, gegen das drohende sechste Minus – Alipour brachte Bunge, später Lisinski und Hoffmann, zog die Außen höher, schob Ratifo früher in die Tiefe. Eine bessere Phase resultierte in Abschlüssen aus der zweiten Reihe und einem geblockten Versuch zentral vor Liesegang (74.). Doch Jena blieb abgeklärt: Der FCC verteidigte den Strafraum konsequent, gewann die zweiten Bälle und lauerte weiter auf Umschaltwege. Ein dritter Treffer war möglich (Prokopenko), zwingend wurde es beiderseits nicht mehr.

So verdichtete sich das Bild eines Abends, an dem Kleinigkeiten die großen Linien stützten: Horenburgs Zögern beim 0:1, Enkes verlorener Moment in der Tiefe, dazu Jenas Kaltblütigkeit in den zwei klarsten Szenen. Vor 4.999 Zuschauern – darunter ein stimmgewaltiger Gäste-Block – transportierte Jena seine Dominanz aus Hälfte eins mit zwei präzisen Stichen in Punkte. Chemie bleibt ohne Zähler, zeigte Haltung und Herz, doch im letzten Drittel fehlten erneut Geschwindigkeit, Genauigkeit und Entlastung.

 

Wolf, Ugondu, Aboagye stellen die Weichen

FC Rot-Weiß Erfurt – 1. FC Magdeburg II 3:1 (3:0)

Ein hochkonzentrierter und in der Chancenverwertung kaltschnäuziger FC Rot-Weiß Erfurt hat Aufsteiger 1. FC Magdeburg II im Steigerwaldstadion mit 3:1 bezwungen – und den fünften Saisonsieg vor 6.208 Zuschauern früh auf den Weg gebracht. Wolfs Blitztreffer, Ugondus eiskaltes 2:0 und Aboagyes Abstauber nach Ecke ließen die Thüringer zur Pause komfortabel führen; nach dem Anschluss von Millgramm kurz nach Wiederbeginn geriet der Erfolg noch einmal ins Wanken, ohne dass Erfurt die Kontrolle gänzlich verlor.

Erfurt begann wach, griffig in den Zweikämpfen und mit klarer Raumaufteilung zwischen den Linien. Nach einer ersten Magdeburger Ecke (4.) setzte RWE das erste Ausrufezeichen: Caciel blieb auf rechts hartnäckig, seine geblockte Hereingabe nahm er im zweiten Anlauf mit und fand zentral Wolf, der überlegt flach links einschob (7.). Die Youngster des FCM suchten daraufhin mehr Ballbesitz, wurden im Aufbau jedoch regelmäßig von Aboagye und Fehler angeleitetem Andruck auf die Außenbahnen gelenkt; die Umschaltmomente gehörten den Gastgebern. In der 24. Minute trug genau so ein Umschaltstoß Früchte: Caciel trieb durchs Zentrum, steckte im idealen Moment auf Fortune Ugondu durch – der Stürmer blieb allein vor Kampa cool und erhöhte auf 2:0, sein fünfter Saisontreffer.

Kurz darauf musste RWE die Luft anhalten: Innenverteidiger Moritz prallte mit Millgramm zusammen, blutete stark aus der Nase, kehrte aber nach kurzer Behandlung zurück (22.) – wichtig für die Stabilität gegen die technisch sauberen, aber bis dahin zu wenig vertikalen Gäste. Die effizientere Mannschaft blieb Erfurt: Nach einer Ecke kurz vor der Pause bekam Birk die Kugel nicht aus der Gefahrenzone, Agyeman Aboagye stand goldrichtig und drückte zum 3:0 über die Linie (43.). Mit dem deutlichen Polster und dem Publikum im Rücken ging es in die Kabinen; Caciels Distanzversuch flog in der Nachspielzeit über den Kasten (45.+2).

Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete: mit einer Großchance für RWE. Ugondu scheiterte diesmal an Kampa (46.). Dann meldeten sich die Bubis energisch zurück. Trainerteam reagierte in der Pause mit einem Dreifachwechsel (Kamm, Kuhinja, Widmann), der das Pressing anzog und die Flügel breiter besetzte. In der 50. Minute fiel der Anschluss: Nach mehreren Klärungsversuchen sprang der Ball von Leipertz’ Lattentreffer zu Millgramm, der aus kurzer Distanz zum 3:1 abstaubte. Jetzt war es eine andere Partie: Magdeburg schob die letzte Linie höher, suchte über El-Zein Standards und aufrückende Außenverteidiger Trkulja/Vogler den zweiten Treffer.

Erfurt brauchte Entlastung – und fand sie über sauberes Positionsspiel und gezielte Nadelstiche. Adesida musste verletzt runter (63., für ihn kam Schulze), Ugondu sah Gelb (63.). Defensiv hielt die Viererkette um Awoudja, Ikene, Moritz und Santana Soares die Box dicht; dahinter blieb Keeper Otto bei Fernschüssen und hohen Bällen sicher. Die größte Prüfung bestand er in der 74. Minute, als El-Zein einen Freistoß scharf an der Mauer vorbei setzte – Otto parierte glänzend. In der Schlussphase fehlte Erfurt die letzte Präzision im Konter, Caciel traf nur das Außennetz (79.). Magdeburg blieb dran, kassierte Verwarnungen (Giesen 57., Vogler 73., Widmann 74., Kuhinja 83.) und hatte in der 90.+1 die Riesenchance zum 3:2, als Trkulja per Kopf das Lattenkreuz traf.

Am Ende stand ein verdienter Heimsieg, weil Erfurt die Schlüsselphasen dominierte: frühe Führung, gnadenlose Effizienz vor der Pause, reife Defensivarbeit danach. Magdeburgs U21 zeigte Moral, kam mit frischen Kräften besser in die Zweikämpfe und bespielte Erfurt phasenweise tief – belohnte sich aber trotz Lattenglück nur einmal. Für RWE bleibt unterm Strich: Fünfter Dreier, weiter oben dran; für die Bubis: Lehrreiche 90 Minuten, in denen die erste halbe Stunde den Unterschied machte.

Wolf erzielte nach Vorarbeit von Caciel den Führungstreffer für Rot-Weiß. Foto: Holger Elias.

Loks Minimalisten siegen wieder 1:0

FC Eilenburg – 1. FC Lok Leipzig 0:1 (0:1)

Ein einziges Tor genügte erneut: Der 1. FC Lok Leipzig setzte seine Serie als 1:0-Spezialist fort und entführte im „kleinen Derby“ dank eines eiskalten Abschlusses von Berkay Cevis drei Punkte aus dem Ilburg-Stadion. Der Außenseiter aus Eilenburg bot dem Favoriten über weite Strecken Paroli, traf nach der Pause den Pfosten und scheiterte letztlich an einem kapitalen Aufbaufehler vor dem Gegentor – und an Loks abgeklärter Restverteidigung in der Schlussphase.

Vor 1.959 Zuschauern startete Lok forsch, ohne die kompakte FCE-Ordnung zu knacken. Die Gastgeber blieben ihrem mutigen Ansatz treu, kombinierten flach durch die erste Linie und setzten über Poser/Kosak erste Nadelstiche (9.). Auf der Gegenseite brach Adetula mehrfach über rechts durch, doch die letzte Präzision fehlte (6., 23.). Eilenburgs Schlussmann Pieles unterstrich früh seinen Ruf als mitspielender Keeper, als er gegen den startenden Cevis außerhalb des Strafraums per Kopf klärte (8.) und kurz darauf Adetulas wuchtigen Nachschuss aus der Ecke fischte (24.). Mit zunehmender Spieldauer gewann das Rodewald-Team an Zutrauen; Mattmüller zwang Naumann aus 16 Metern zu einer Flugeinlage (18.), Posers Hereingabe strich knapp am langen Pfosten vorbei (9.).

Als sich ein 0:0 zur Pause abzeichnete, kippte die Partie durch einen Fauxpas: Kretzer spielte im Aufbau einen krassen Fehlpass genau in den Lauf von Cevis. Der Lok-Angreifer nahm den Ball mit, blieb frei vor Pieles ruhig und schob flach links ein (41.). Der Treffer fiel ohne große Vorwarnung, passte aber zur Leipziger Effizienz – und zu einer ersten Hälfte, in der Lok in den Zwischenräumen präsenter war und Ballverluste des Gegners konsequent suchte. Gelbe Karten für Stein (18.) und Wilton (45.) sowie Niemitz (54.) blieben die einzigen Vermerke in einer fair geführten Begegnung.

Nach dem Wechsel erhöhte Eilenburg die Schlagzahl. Der FCE kam mit klarerem Plan aus der Kabine, attackierte früher und spielte vertikal durch das Zentrum. Der Ausgleich lag in der Luft: Mattmüller startete halblinks durch und setzte den Ball mit feinem Schlenzer an den rechten Pfosten (49.) – Naumann wäre geschlagen gewesen. Kurz darauf rettete Jarosch artistisch vor der Linie gegen Cevis, der nach tiefem Zuspiel bereits an Pieles vorbei war (54.). Das Spiel stand auf der Kippe, ehe die Hitze auf dem Rasen (Trinkpause 72.) spürbar Körner kostete.

Rodewald brachte Kallenbach und Borck (61.), später Henkel, Weiß und Schlicht (74.), um frische Beine und Tempo in die letzte Linie zu bekommen. Lok konterte den Druck mit Dreifachwechsel (68.) und der Einbindung der Tiefe über Verkamp und Kang, während Siebeck/Kabashi (später Maier) das Zentrum verdichteten. Eilenburg blieb am Drücker, doch im letzten Drittel fehlten Timing und letzter Pass: Kosak blieb am herausstürzenden Naumann hängen (59.), Borck wurde im Abschlussmoment entscheidend gestört (72.). In der offenen Schlussphase verpasste Verkamp die Vorentscheidung (81.), köpfe Ziane nach Ecke über das Gebälk (81.), ehe zwei strittige Strafraumduelle die Emotionen hochtrieben: Pieles gegen Verkamp (84.) und Pieles gegen Cevis (86.) – beide Male blieb der Pfiff aus.

Mit Fischer als zusätzlichem Zielspieler und Innenverteidiger Fischer (!) zeitweise im Sturm (90.) warf der FCE in der Nachspielzeit alles nach vorn, kam über Schädlichs Flanken noch zu Standards, fand aber keinen Weg durch Loks kompromisslose Strafraumverteidigung. So blieb es beim vierten 1:0 der Leipziger in dieser Saison – ein Sieg, der auf Stabilität, Wachsamkeit und der Gnadenlosigkeit im Moment des Fehlers beruhte, während Eilenburg sich trotz Nullpunktausbeute für den Auftritt nicht schämen muss: Pfostenpech, ein Aussetzer und zu wenig Punch im letzten Drittel machten den Unterschied.

 

Eiskalt vom Punkt, abgeklärt aus dem Spiel

FSV Zwickau – ZFC Meuselwitz 2:0 (1:0)

Ein abgeklärter FSV Zwickau hat gegen den ZFC Meuselwitz den ersten Heimsieg der Saison eingefahren. Matchwinner war Linksfuß Nils Somnitz, der per Strafstoß (36.) die Führung besorgte und nach einem einstudierten Freistoß (57.) zum 2:0 nachlegte. Vor 4.268 Zuschauern in der GGZ-Arena kontrollierten die Gastgeber die Partie über weite Strecken, während Meuselwitz nach ordentlicher Anfangsphase im letzten Drittel zu harmlos blieb.

Zwickau setzte früh ein Zeichen, presste hoch und zwang den ZFC zu unpräzisen Eröffnungen. Nach einer Eckball-Wühlerei am kurzen Pfosten (7.) lag das 1:0 bereits in der Luft, ehe Meuselwitz über Hansch die erste Duftmarke setzte – sein Flugkopfball strich hauchdünn vorbei (12.). In dieser Phase agierten die Gäste mutig, suchten das Zentrum über Kaymaz und Schmökel und kamen zu weiteren Halbfreiheiten (19., 23.). Zwickau antwortete mit klarerer Struktur: Startsev diktierte die Rhythmik, Martens und Möbius schoben in die Halbräume, Breitenbücher lauerte auf Tiefenläufe. Sedlak im ZFC-Tor parierte gegen Möbius (29.), ehe die Partie kippte.

Die Schlüsselszene: Nach einem eingerückten Zuspiel auf Eixler kam Innenverteidiger Wurr im Strafraum einen Tick zu spät – Schiedsrichter Tim Gerstenberg zeigte folgerichtig auf den Punkt (35.). Somnitz blieb eiskalt und schob gegen die Laufrichtung des Keepers ein (36.). Der Treffer gab Sicherheit: Ziemer schob aus der Kette nach, die Flügelverteidiger setzten höhere Trigger, Meuselwitz verlor an Feldposition. Kurz vor der Pause verpasste der FSV das 2:0 doppelt, als erst Möbius an Sedlak scheiterte und Haubner auf der Linie geblockt wurde (45.).

Coach Rico Schmitt zog zur Halbzeit die richtigen Register und brachte mit Sengersdorf, Jacobi und Zimmermann frische Beine. Zwickau kam wuchtig aus der Kabine, erarbeitete über die linke Seite Standards – und nutzte einen davon mustergültig: Flacher Freistoß auf den kurzen Raum, Somnitz löste sich im Rückwärtslaufen, behauptete sich am Fünfer und schloss trocken ins linke Eck ab (57.). Keine Abseitsposition, der Laufweg perfekt getimt (58.).

Meuselwitz reagierte mit einem Dreifachwechsel (62.) und stellte auf mehr Vertikalität um, doch die Offensivbemühungen verpufften zu oft an Zwickaus konsequenter Strafraumverteidigung. Senkbeil und Ziemer räumten kopfballstark ab, Hiemann blieb bei Distanzversuchen aufmerksam. Die einzige echte Drangminute der Gäste resultierte aus einem Umschaltmoment: Baldé zog aus 20 Metern ab, Hiemann war schnell unten und lenkte zur Seite (77.). Ansonsten blieb Zwickau Herr der Lage, ohne überzudrehen, zog Tempo aus den Ballbesitzphasen und suchte Nadelstiche über Zimmermanns Tiefenläufe (80.).

Disziplinierte Restverteidigung, klare Zonenbesetzung bei Flanken und eine sauber abgestimmte Standardmechanik – Zwickau brachte die Führung seriös über die Zeit. Gelbe Karten gegen Startsev (26.), Eixler (41.) und Senkbeil (60.) sowie auf ZFC-Seite gegen Kaymaz (43.) blieben Randnotizen einer fairen Begegnung. In Summe bestätigte der FSV seine Heimserie (nun 17 Liga-Heimspiele ohne Niederlage) mit einer reifen Vorstellung gegen einen ZFC, der engagiert begann, nach dem Rückstand aber zu wenig Bindung in die Box fand.

Für Meuselwitz bleibt die Erkenntnis: Die Staffelung im Aufbau passt, doch im letzten Drittel fehlen Timing und Wucht, um stabile Defensivreihen aufzubrechen. Zwickau wiederum hat mit Somnitz einen verlässlichen Standard-Schützen und einen klaren Plan für die Balance aus Kontrolle und Vertikalität – ein Bauplan, der an diesem Nachmittag den Unterschied machte.

 

Blitz und Brechstange: HFC siegt mit zwei Stichen

Greifswalder FC – Hallescher FC 0:2 (0:1)

Ein Treffer nach 20 Sekunden und einer in der Nachspielzeit: Der Hallesche FC hat beim Greifswalder FC mit maximaler Effizienz den sechsten Sieg im sechsten Spiel eingefahren. Früh stellte Damelang die Weichen, spät sorgte Fakhro für die Entscheidung – dazwischen kontrollierten abgeklärte Hallenser eine über weite Strecken ereignisarme, taktisch disziplinierte Partie, in der Greifswald lange ohne Durchschlagskraft blieb.

Der Tabellenführer war vom Anstoß weg hellwach: Polat brach über links durch und legte flach in den Rückraum, wo Damelang den Ball direkt an Jakubov vorbei ins Netz legte (1.). Der frühe Wirkungstreffer veränderte die Statik: Halle stand in der Folge tiefer, verdichtete das Zentrum um Stierlin und Elezi und zwang den GFC in ein positionsgebundenes Aufbauspiel, das kaum Vertikalität entwickelte. Greifswald suchte Atilgan früh, aber Halili und Schmedemann lösten die meisten Eins-gegen-eins-Situationen mit gutem Timing und sauberem Stellungsspiel. Warnsignal für den Spitzenreiter erst nach einer Ecke: Hüther setzte sich in der Luft durch, köpfte aber knapp über den Querbalken (35.).

Für die größte Debatte des ersten Durchgangs sorgte Minute 36: Nach Flanke in den Strafraum zeigte Schiedsrichter Jacob zunächst auf den Punkt, sein Assistent revidierte jedoch – statt Handspiel bei Wagner habe der Kopf den Ball berührt. Insgesamt blieb es bei wenigen Strafraumszenen, weil Halle die Greifswalder Halbräume konsequent schloss und die Gastgeber in die Breite drängte. Offensiv meldeten sich die Saalestädter über Distanzversuche (Elezi, 32.) und scharfe Hereingaben (Polat, 19.) – ohne Ertrag, aber stets kontrolliert.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild nur graduell. Ein kurzer Wackler von Jakubov (50.), ein abgefälschter Polat-Schuss (66.) und die Großchance von Stierlin, der nach Kulkes Zuspiel frei auftauchte, aber klar verzog (73.), markierten die besten HFC-Gelegenheiten. Robert Schröder reagierte und brachte mit Fakhro und Weber frische Spitze und Tiefe (58.), später Akono für den müde werdenden Polat (74.). Greifswald tauschte früh auf den Flügeln (Montcheu für Harz, 48.) und versuchte über Farrs Vorstöße und späte Einwechslungen (Günay, Kaizer, 69.; Ndualu, 85.) mehr Tempo in die letzte Linie zu tragen.

Erst in der Schlussviertelstunde kam die Heimelf überhaupt zu Abschlüssen aus gefährlichen Zonen: Günay zog aus der zweiten Reihe nur knapp vorbei (81.), wenig später zwang Hüther Müller mit einer verlängerten Halbfeldflanke zu einer Parade (83.). Halle verteidigte den Strafraum jedoch kompromisslos, mit klaren Zuordnungen bei Flanken und klarem Zonenmanagement – exemplarisch Halilis Rettungskopfball vor dem einschussbereiten Atilgan (90.). Auch die Gelben Karten – Elezi und Daedlow nach hitzigem Gerangel (26.), Polat (71.), Richardson (87.) und Vierling (90.+2) – änderten nichts an der reifen Auswärtshandschrift.

Als Greifswald alles nach vorn warf, nutzte der Spitzenreiter den letzten Moment: Ein langer Ball segelte hinter die Kette, Eder köpfte zu kurz auf Jakubov, Fakhro schaltete am schnellsten, umkurvte den Keeper und schob zum 0:2 ein (90.+3). Es war der finale Schlag in einer Begegnung, in der Halle die Balance aus Risikominimierung und punktuellen Nadelstichen mustergültig traf – und der GFC zwar Moral, aber zu spät Zielstrebigkeit zeigte.

Vor 1.549 Zuschauern im Volksstadion unterstrich der HFC seine Aufstiegsreife: defensiv stabil, im Umschaltmoment präzise, in den Details abgeklärt. Greifswald dagegen wartet weiter auf Konstanz im letzten Drittel – zu oft fehlten Tempo im Kombinationsspiel, Tiefenläufe hinter die Kette und Präzision in der Hereingabe. Der Spitzenreiter nimmt drei nüchterne, hochprofessionell eingetütete Punkte mit an die Saale – und bleibt makellos.

 

Nach 20 Sekunden: Damelang legte den Ball direkt an Jakubov vorbei ins Netz. Foto: Holger Elias

Babelsberg demontiert den BFC Dynamo

BFC Dynamo – SV Babelsberg 03 0:4 (0:4)

Ein Spiel, das bereits nach einer knappen halben Stunde entschieden war: Mit drei Treffern zwischen der 25. und 28. Minute stellte der SV Babelsberg 03 im Sportforum Hohenschönhausen früh die Weichen und fügte dem BFC Dynamo eine der bittersten Niederlagen der vergangenen Jahre zu. Kapitän Tino Schmidt eröffnete per Strafstoß und schnürte postwendend den Doppelpack, ehe Luis Müller nachlegte. Noch vor der Pause erhöhte George Didoss auf 0:4 – das Endergebnis stand damit bereits nach 41 Minuten fest.

Dabei hatte der Nachmittag für die 2.138 Zuschauer durchaus mit vorsichtigem Optimismus begonnen. BFC-Trainer Dennis Kutrieb sprach von der großen Chance, gegen die Englische-Woche-geprüften Potsdamer endlich den ersten Heimsieg einzufahren. Doch schon früh war zu erkennen, dass Babelsberg nicht nur frischer, sondern auch gedankenschneller agierte. Die Gäste attackierten hoch, setzten die Innenverteidiger Polte und Gunte unter Druck und provozierten Fehler im Spielaufbau. In der 24. Minute folgte der erste entscheidende: Moritz Polte kam im Strafraum gegen Didoss zu spät, Schiedsrichter Benjamin Strebinger zeigte sofort auf den Punkt. Schmidt verwandelte sicher (25.).

Was folgte, war eine Demonstration gnadenloser Effizienz. Nur 60 Sekunden nach der Führung war es erneut Schmidt, der nach einem Querpass aus dem Halbfeld frei abschließen durfte und zum 0:2 erhöhte. Noch bevor der BFC seine Ordnung wiederfand, erzwang Babelsberg den nächsten Ballverlust – Müller nutzte die kollektive Konfusion in der Berliner Abwehr und traf zum 0:3 (28.). Der BFC wirkte konsterniert, die Abstände zwischen den Ketten waren riesig, die Abstimmung fehlte. Babelsberg kombinierte sich mit spielerischer Leichtigkeit in die gefährlichen Zonen. Didoss krönte die einseitige erste Hälfte mit dem vierten Treffer, als er nach einem schnellen Umschaltmoment die völlig überforderte Defensive düpierte (41.).

Pfiffe begleiteten die BFC-Spieler in die Kabine. „Desolat“ kommentierte der eigene Vereinsticker die Vorstellung – eine Einschätzung, der kaum widersprochen werden konnte. Dynamo wirkte mental blockiert und körperlich schwerfällig, kaum ein Akteur erreichte Normalform.

Nach der Pause verwaltete Babelsberg souverän. Trainer Ronny Ermel wechselte dosiert, brachte mit Georgiada, Zeiger und später Dahlke frische Kräfte. Die Nulldreier ließen den Ball laufen, ohne das ganz große Risiko zu suchen. Der BFC mühte sich zwar redlich, fand über Standards und halbgare Distanzversuche von Gunte oder Shcherbakovski aber keine Mittel, um die stabile Gästeabwehr ernsthaft zu gefährden. Torhüter Babke verlebte einen nahezu beschäftigungslosen Nachmittag.

Zwei Paraden von Keeper Ortegel verhinderten in der Schlussphase gar einen noch höheren Rückstand, als Didoss und Müller frei vor ihm auftauchten. Doch auch so war der Schaden immens: Mit der dritten Niederlage in Serie rutscht der BFC tiefer in den Tabellenkeller. „Die Verunsicherung war plötzlich sichtbar, jeder Fehler wurde bestraft“, hieß es im Vereinsumfeld selbstkritisch.

Ganz anders die Gefühlslage bei Babelsberg. Drei Spiele binnen einer Woche, drei Siege, dazu zehn erzielte Tore – der SVB hat sich endgültig in die Spitzengruppe der Regionalliga Nordost gespielt. Die Last des Torjäger-Abgangs von Daniel Frahn scheint verteilt: Schmidt, Müller und Didoss verkörpern gemeinsam eine neue Offensive, die weniger von Einzelkönnern lebt, dafür von Tempo, Kombinationssicherheit und Kaltschnäuzigkeit.

Für den BFC bleibt nach diesem 0:4 eine drängende Frage: Wie kann es gelingen, die Balance zwischen Defensive und Offensive wiederzufinden und die eigene Anhängerschaft nicht noch stärker zu entfremden? Denn das Sportforum erlebte an diesem Sonnabend eine Demütigung, die Spuren hinterlassen dürfte. Babelsberg dagegen sendete ein deutliches Signal an die Konkurrenz: Diese Mannschaft ist nach Jahren des Übergangs reif, dauerhaft oben mitzuspielen.

 

Bubis lassen Sieg in Zehlendorf liegen

Gehalten: Konstantin Heide pariert den von Iba May geschossenen Strafstoß. Szene aus dem Stadtderby zwischen Hertha 03 und Hertha BSC II. Foto: Kerstin Kellner

Hertha 03 Zehlendorf – Hertha BSC II 2:2 (0:1)

Ein packendes Stadtduell mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten endete im Ernst-Reuter-Stadion von Zehlendorf mit einem leistungsgerechten 2:2. Während die U23 von Hertha BSC vor der Pause das Geschehen dominierte und durch Oliver Rölke verdient in Führung ging, zeigte der zuvor punktlose Tabellenletzte nach der Pause Moral und sicherte sich durch den späten Treffer von Stanley Keller den ersten Zähler der Saison.

Die Partie begann vor 444 Zuschauern mit einer klaren Marschroute beider Teams: Die Gäste aus Charlottenburg versuchten mit ihrem gepflegten Kombinationsspiel und hohen Ballbesitzanteilen, das Spielgeschehen zu kontrollieren, während Zehlendorf auf Umschaltmomente und Nadelstiche über Hebisch und Doll setzte. Schon früh deuteten sich Defizite in der Defensive der Hausherren an. Immer wieder fanden die Bubis mit vertikalen Zuspielen in die Tiefe Räume, die Zehlendorf nicht konsequent schloss. Vor allem Rölke prüfte mehrfach Keeper Dedidis, der mit starken Reflexen zunächst Schlimmeres verhinderte (15.).

Doch auch Zehlendorf setzte Akzente: Hebisch scheiterte freistehend an der Latte (21.), Doll zielte knapp daneben. Als vieles auf ein torloses Remis zur Pause hindeutete, schlugen die Gäste zu: Nach Ballverlust im Aufbau kombinierte sich die U23 schnörkellos durch die Mitte, flankte nach rechts, und Rölke vollendete trocken zur überfälligen Führung (45.+1).

Nach Wiederanpfiff jedoch wandelte sich das Bild komplett. Trainer Steffen Israel reagierte mit den Einwechslungen von Wachs und Keller, die sofort Belebung brachten. Zehlendorf attackierte mutiger, zwang den Gegner zu langen Bällen und kam über Standards gefährlich auf. In der 60. Minute dann die Belohnung: Reimann stieg nach einer Ecke am höchsten und köpfte zum 1:1 ein.

Die Himmelblauen wankten, hätten jedoch nur drei Minuten später die Partie komplett drehen können. Nach durch Mathias Bruns entschied Schiedsrichter Marvin Tennes auf Strafstoß. Iba May trat an – und scheiterte kläglich. Gäste-Keeper Heide ahnte die Ecke, Zehlendorfs große Chance auf die Führung war vertan (63.).

Das rächte sich scheinbar: Eine Hereingabe von der rechten Seite nutzte Yunus Ünal eiskalt und stellte auf 1:2 (76.). Doch Zehlendorf bewies Moral, drängte weiter und glich erneut aus. Der eingewechselte Stanley Keller traf nach langem Einwurf mit Gefühl und markierte das 2:2 (82.).

In der Schlussphase stand das Spiel auf Messers Schneide. Die Hausherren warfen alles nach vorn, Jones vergab in der Nachspielzeit frei vor Heide die Riesenchance zum 3:2 (90.+5). Auf der Gegenseite blieb die U23 mit schnellen Umschaltmomenten gefährlich, verpasste es aber, die erneut schwankende Zehlendorfer Defensive auszunutzen.

So blieb es beim 2:2, das beiden Seiten gemischte Gefühle hinterlässt. Die Gäste aus Charlottenburg verpassten trotz klarer Überlegenheit im ersten Durchgang den Sieg und offenbarten Defizite in der Stabilität, sobald der Gegner mutiger wurde. Für Zehlendorf dagegen fühlt sich der erste Punktgewinn der Saison wie ein kleiner Befreiungsschlag an. Die Mannschaft bewies Moral, steigerte sich nach der Pause deutlich und verdiente sich den Applaus des Publikums.

Verdienter Jubel: Freude nach dem 2:2-Ausgleich der Zehlendorfer Hertha. Foto: Kerstin Kellner

Bozic bewahrt CFC spät vor nächster Pleite

Chemnitzer FC – BFC Preussen 1:1 (0:1)

Es war ein dramatischer Nachmittag: Erst in der vierten Minute der Nachspielzeit erlöste Filip Bozic den Chemnitzer FC mit einem verwandelten Foulelfmeter und verhinderte damit die dritte Niederlage in Serie. Der BFC Preussen, der durch einen Treffer von Breitkreuz kurz vor der Pause in Führung gegangen war und nach einer Roten Karte für Mensah lange in Unterzahl kämpfte, musste sich am Ende mit einem Punkt begnügen.

Von Beginn an entwickelte sich eine Partie, in der beide Teams um Kontrolle rangen, ohne zunächst klare Akzente zu setzen. Chemnitz suchte den Weg über Grimaldi und Marx, während die Gäste mit ihrem beweglichen Offensivtrio Mensah, Ramadan und Hoch immer wieder Nadelstiche setzten. Die Himmelblauen verzeichneten zwar früh kleinere Gelegenheiten – Grimaldis Kopfball nach Flanke (20.) und Müllers Distanzschuss (11.) –, doch zwingend war das nicht. Auf der Gegenseite prüfte Mensah Adamczyk (15.), der stark parierte.

Die entscheidende Szene des ersten Durchgangs ereignete sich in der 44. Minute: Nach einer Unachtsamkeit im Chemnitzer Defensivverbund verlor Marx seinen Gegenspieler aus den Augen, Breitkreuz schlich sich frei und musste die Hereingabe nur noch aus kurzer Distanz einschieben – 0:1. Ein Wirkungstreffer kurz vor der Pause, der das ohnehin fragile Selbstvertrauen der Gastgeber ins Wanken brachte.

Nach Wiederbeginn übernahm der CFC das Kommando. Pistol und Bozic verpassten knapp (49./51.), Grimaldi schob die Kugel am langen Pfosten vorbei (61.). Die Gäste aus Berlin verteidigten leidenschaftlich, setzten aber immer wieder auf schnelle Umschaltmomente – bis zur 63. Minute. Mensah rauschte bei einer Pressingaktion ungestüm in Keeper Adamczyk hinein und erwischte ihn am Fuß. Schiedsrichterin Miriam Schwermer zögerte nicht und zeigte glatt Rot. Preussen musste fortan in Unterzahl agieren.

Trotz numerischer Überlegenheit tat sich Chemnitz schwer, zwingende Chancen zu kreieren. Der BFC verschanzte sich tief in der eigenen Hälfte, verteidigte diszipliniert und lauerte auf Konter, die über Engelhardt und Brandt beinahe die Vorentscheidung gebracht hätten (75./77.). Auf der Gegenseite rannten die Himmelblauen an, ohne Präzision im Abschluss. Erst in den hektischen Schlussminuten erhöhte sich der Druck spürbar.

Die acht Minuten Nachspielzeit wurden zur Bühne für die Gastgeber. Zunächst scheiterte Biven per Distanzschuss (90.+2), dann lag der Ball im Berliner Strafraum – und Bozic wurde am Fuß getroffen. Schwermer entschied diesmal ohne Zögern auf Strafstoß (90.+4). Der Gefoulte trat selbst an und verwandelte sicher zum 1:1-Ausgleich. Jubel auf den Rängen, kollektives Aufatmen bei Spielern und Verantwortlichen.

Am Ende stand ein Remis, das für beide Seiten eine doppelte Botschaft enthält: Der Chemnitzer FC bewies Moral und verhinderte in letzter Sekunde die dritte Niederlage, doch das Offensivspiel blieb lange zu harmlos. BFC Preussen wiederum zeigte, warum man als Aufsteiger bereits mehrmals überraschte, verlor den Sieg aber durch Undiszipliniertheiten und die fehlende Entlastung in Unterzahl.

Vor 3.726 Zuschauern endete eine intensive Begegnung mit einem leistungsgerechten 1:1, das aber beiden Trainern Stoff für Nacharbeit bietet: Benjamin Duda muss vor allem die offensive Durchschlagskraft seiner Elf wiederbeleben, während Berlins Coach die Balance zwischen Aggressivität und Disziplin schärfen muss.

 

Luckenwalde zahlt für desolate Anfangsphase

Nietfeld, immer wieder Nietfeld: Auch in Luckenwalde glänzte er mit zwei Treffern. Foto: Holger Elias

FSV 63 Luckenwalde – VSG Altglienicke 1:3 (0:3)

Es war ein Duell auf Augenhöhe, das nie zu einem echten Schlagabtausch wurde – weil die VSG Altglienicke den FSV Luckenwalde schon in der ersten halben Stunde förmlich überrollte. Der 3:1-Erfolg der Berliner beim Auftakt des sechsten Spieltags in der Regionalliga Nordost war nach 25 Minuten entschieden. Jonas Nietfeld mit einem Doppelpack und der junge Julien Friedrich stellten früh die Weichen, während die Gastgeber um Trainer Michael Braune mental nicht in der Partie waren.

»Wir sind super ins Spiel gestartet, haben eine fantastische erste Halbzeit gespielt und das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten«, lobte VSG-Trainer Ersan Parlatan seine Mannschaft. Und er hatte allen Grund dazu. Schon nach sieben Minuten zeigte Schiedsrichter Florian Gaunitz auf den Punkt – Nietfeld verwandelte den Strafstoß sicher. Nur fünf Minuten später erhöhte Friedrich nach energischem Nachsetzen auf 0:2. Luckenwalde wirkte konsterniert, die Abwehr stand zu offen, das Mittelfeld bekam keinen Zugriff. Als erneut Nietfeld nach einem feinen Zuspiel eiskalt vollendete (25.), war die Begegnung de facto entschieden.

Parlatan sah den Schlüssel in der Konsequenz seiner Elf: »Mit dem 3:0 im Rücken haben wir die Räume verengt und im Umschaltspiel noch zwei hundertprozentige Chancen liegen lassen. Das vierte Tor hätte das Spiel endgültig beruhigt, so blieb es gefährlich. Aber wie wir das Ergebnis verteidigt haben, war eine reife Leistung.« Für Altglienicke war es die erhoffte Reaktion auf das 0:3 gegen Erfurt wenige Tage zuvor – »spiegelverkehrt«, wie Parlatan bemerkte.

Auf der anderen Seite überwog bei Braune Ernüchterung. »Wir hatten eine sehr schlechte Startphase, waren mental gar nicht auf der Höhe. Körperlich war es nicht das Problem, wir sind die 90 Minuten marschiert. Aber in den ersten 20 bis 30 Minuten waren wir schlicht nicht auf dem Platz«, analysierte der FSV-Coach. Schonungslos gestand er ein: »So ein Spiel ist dann einfach durch. Es gibt nicht viele Mannschaften, die ein 0:3 noch drehen. Wenigstens haben wir in der zweiten Halbzeit unser Gesicht gewahrt – aber das ist auch das Mindeste.«

Tatsächlich stabilisierte sich Luckenwalde nach der Pause. Mit den Einwechslungen von Bachmann, Schröder und König wirkte die Elf strukturierter, das Pressing griff besser. In der 76. Minute belohnte sich das Team mit dem 1:3: Innenverteidiger Sofiene Jannene drückte den Ball nach einer Standardsituation über die Linie. Kurzzeitig schien wieder Spannung möglich, doch die Hoffnung zerstob, als der eingewechselte Bachmann neun Minuten später die Gelb-Rote Karte sah. Damit verpuffte auch die letzte Chance auf eine Schlussoffensive.

Braune fand klare Worte: »Wir müssen daraus lernen. Es geht um Basics wie Leidenschaft, die in den ersten 30 Minuten komplett gefehlt haben. Wir haben einen ordentlichen Saisonstart hingelegt, aber die Punkte sind nur eine Momentaufnahme. Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen alle die Ohren anlegen und Gas geben.«

Die VSG brachte den Sieg in kontrollierter Manier über die Zeit und kletterte mit nun zwölf Punkten auf Rang vier. Luckenwalde verharrt mit neun Zählern im Tabellenmittelfeld. Auffällig war einmal mehr die Effizienz von Jonas Nietfeld, der mit seinen Saisontoren fünf und sechs seine Bedeutung für die Parlatan-Elf unterstrich. Daneben überzeugte der junge Friedrich mit einer bemerkenswerten Abgeklärtheit.

Für Altglienicke war es ein Sieg mit Signalwirkung – die Antwort auf eine schmerzhafte Niederlage unter der Woche und der Beweis, dass das Team auf Kurs Richtung Spitzengruppe bleibt. Für Luckenwalde dagegen war es eine schmerzhafte Lektion: In dieser Liga reicht eine halbe Stunde Unkonzentriertheit, um alle Chancen auf Punkte aus der Hand zu geben.

Texte: Holger Elias (NOFV)

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