Regionalliga Nordost
Regionalliga Nordost: Zusammenfassung 31. Spieltag
HFC – Hertha II 2:0 / CFC – ZFC 3:2 / Preussen – SVB 3:6 / FCM II – Jena 4:1 / FSV 63 – FSV 0:1 / Erfurt – FCE 3:3 / Chemie – Hertha 03 4:2 / GFC – VSG 1:0 / Dynamo – Lok 0:1
Die Begegnungen vom Sonntag (26.04.26): Der Hallesche FC gewann gegen Hertha BSC II verdient mit 2:0 und schob sich im Saisonendspurt wieder auf Rang drei. Kastull erzielte in der 21. Minute per Kopf sein erstes Saisontor, Ehrlich erhöhte nach einem Konter in der 63. Minute. Hertha II hatte einzelne Umschaltchancen, blieb aber zu ungenau, während Bendel bei seiner Regionalliga-Saisonpremiere ohne Gegentor blieb. - Der Chemnitzer FC gewann gegen den ZFC Meuselwitz nach zweimaligem Rückstand noch mit 3:2. Hansch und Eckardt brachten die Gäste jeweils in Führung, doch Marx, Bozic und der eingewechselte Felix Müller in der 90.+3 Minute drehten die Partie. Für Meuselwitz wurde die Schlussphase zum schweren Rückschlag im Abstiegskampf, während Chemnitz trotz spielerischer Probleme Moral bewies. - Der SV Babelsberg 03 gewann beim BFC Preussen nach einer wilden zweiten Halbzeit mit 6:3. Nach früher Führung, zwischenzeitlichem 1:2-Rückstand und einem Berliner Anschlusstreffer zum 3:4 entschied der SVB die Partie durch Tore von Schätzle und Didoss. Für Babelsberg war es ein wichtiger Schritt im Kampf um den sicheren Klassenerhalt, während Preussen nach der Pause die defensive Stabilität verlor. - Der FC Carl Zeiss Jena verlor beim 1. FC Magdeburg II überraschend deutlich mit 1:4 und verpasste die Chance, den Rückstand auf Spitzenreiter Lok Leipzig zu verkürzen. Nach einer torlosen ersten Halbzeit vergab Jena mehrere gute Möglichkeiten, ehe Baars den FCM mit zwei Treffern auf die Siegerstraße brachte. Leipertz und Hink sorgten für den klaren Endstand, durch den Jena drei Spiele vor Schluss fünf Punkte hinter Lok liegt. - Der FSV Zwickau gewann beim FSV 63 Luckenwalde durch ein spätes Tor von Luca Prasse mit 1:0. Luckenwalde hatte vor allem in der Anfangsphase durch Meier und Bachmann die besseren Möglichkeiten, nutzte diese aber nicht. Zwickau blieb lange offensiv harmlos, traf jedoch in der 89. Minute durch den eingewechselten Prasse zum glücklichen Auswärtssieg.
Die Partien vom Sonnabend (25.04.26): Die BSG Chemie Leipzig gewann gegen Hertha 03 Zehlendorf mit 4:2 und feierte damit den vierten Sieg in Serie. Nach einer 2:0-Pausenführung durch Ratifo und Seidemann glichen Jones und Günay direkt nach Wiederbeginn binnen zwei Minuten aus. Joker Hoffmann entschied die Partie mit einem späten Doppelpack in der 85. und 86. Minute zugunsten der Leutzscher. - Rot-Weiß Erfurt und der FC Eilenburg trennten sich nach einer wilden zweiten Halbzeit 3:3. Erfurt führte durch Moritz und Ugondu zur Pause 2:0, verlor nach dem Seitenwechsel aber die Kontrolle und kassierte durch Kosak und Fischer den Ausgleich. Assibey-Mensah brachte RWE noch einmal in Führung, doch Baumann antwortete nur zwei Minuten später zum Endstand.
Die Spiele vom Freitagabend (24.04.26): Der 1. FC Lok Leipzig gewann beim BFC Dynamo mit 1:0 und festigte damit seine Position im Titelrennen. Ayodele Adetula nutzte in der 22. Minute einen schweren Rückpassfehler von Windsheimer zum entscheidenden Treffer. In der zweiten Halbzeit wurde Torhüter Andreas Naumann mit mehreren Glanzparaden, besonders in der Nachspielzeit gegen Fritzsche, zum Matchwinner. - Der Greifswalder FC gewann gegen die VSG Altglienicke mit 1:0 und sammelte wichtige Punkte im Abstiegskampf. Atilgan erzielte in der 38. Minute im Nachschuss den entscheidenden Treffer, nachdem Benyamina zunächst an Zwick gescheitert war. Altglienicke steigerte sich nach der Pause und kam vor allem durch Qenaj zu Chancen, blieb aber ohne Torerfolg.
--- 31. SPIELTAG - REGIONALLIGA NORDOST ---
Kastull köpft Halle auf Kurs
Hallescher FC – Hertha BSC II 2:0 (1:0)
Der Hallesche FC hat seinen zuletzt ins Stocken geratenen Lauf mit einem verdienten 2:0-Heimsieg gegen Hertha BSC II stabilisiert und sich im Saisonendspurt wieder auf Rang drei geschoben. Vor 5.119 Zuschauern im Leuna-Chemie-Stadion waren die Gastgeber über weite Strecken die klarere, druckvollere und zielstrebigere Mannschaft. Kastull brachte den HFC in der 21. Minute mit seinem ersten Saisontor per Kopf in Führung, Ehrlich entschied die Partie nach einem Konter in der 63. Minute. Herthas U23 blieb zwar mit Tempoansätzen gefährlich, nutzte ihre Räume aber zu schlampig und scheiterte in der besten Phase an eigener Ungenauigkeit sowie an einem aufmerksamen Bendel.
Für Halle ging es nach zwölf ungeschlagenen Spielen zwischen Dezember und Ende März und zuletzt nur einem Sieg aus vier Partien darum, den leichten Knick der vergangenen Wochen zu korrigieren. HFC-Trainer Robert Schröder rotierte im Vergleich zum 0:0 bei Lok Leipzig kräftig: Bendel feierte nach drei Pokaleinsätzen seine Regionalliga-Saisonpremiere im Tor, die Innenverteidigung bildeten Zaruba und Kastull neu, zudem begannen weitere frische Kräfte. Hertha II, zuletzt nach drei Siegen aus vier Spielen erst durch die Niederlage gegen Chemie Leipzig gebremst, veränderte seine Startelf nur einmal und brachte Ogbaidze für Weiland.
Der Beginn war lebhaft, wenn auch zunächst von einem unsauberen Zusammenprall geprägt. Schon nach zwei Minuten rauschte Langhammer im Berliner Strafraum in Keeper Goller hinein, beide mussten behandelt werden, der Hallenser sah früh Gelb – für einen Abwehrspieler eine Hypothek. Hertha hatte zuvor mit dem Anstoß direkt Schwung gesucht, doch Bendel war aufmerksam draußen. Danach übernahm der HFC zunehmend das Kommando. Ehrlich setzte in der 8. Minute aus spitzem Winkel ans Außennetz, Hauptmann lief sich kurz darauf fest, und Halle schob die Berliner immer öfter in deren Hälfte zurück.
Hertha blieb über Umschaltsituationen latent gefährlich. In der 11. Minute hatte Mamuzah Lum viel Raum, Rölke war links völlig frei, doch der Pass kam zu ungenau. Es war eine Szene, die den Auftritt der Berliner über weite Strecken vorwegnahm: Tempo ja, Räume ja, Präzision nein. Halle dagegen arbeitete sich über Standards und zweite Bälle näher an die Führung heran. Stierlin holte nach einem weiten Einwurf die erste Ecke heraus, Hauptmann setzte einen Abschluss aus etwa 16 Metern deutlich drüber. Kurz darauf blieb der HFC nach weiteren Standards dran, während Hertha nur mühsam aus der eigenen Hälfte kam.
In der 21. Minute belohnte sich Halle folgerichtig. Ein weiter Ball von links segelte durch den Strafraum, Kastull kam von hinten mit Wucht eingelaufen und köpfte aus Nahdistanz zum 1:0 ein. Es war sein erstes Saisontor, das er mit einer Geste Richtung Himmel feierte, und zugleich der verdiente Ausdruck der Hallenser Überlegenheit in der Anfangsphase. Der HFC hatte mehr Zug zum Tor, mehr Präsenz in den gefährlichen Räumen und die deutlich klarere Struktur.
Nach der Führung öffnete sich die Partie. Hertha antwortete mit mehreren Ecken, doch die Hallenser Defensive war bei den Standards aufmerksam. Gleichzeitig boten sich dem HFC Konterräume, die er jedoch nicht konsequent genug ausspielte. In der 24. Minute fing Halle eine Berliner Ecke ab und schaltete über links sowie Hauptmann schnell um, spielte die Überzahlsituation aber zu ungenau aus. Kurz darauf zeigte sich erneut das Berliner Grundproblem: Ogbaidze und Ben-Hatira standen in aussichtsreichen Räumen, doch die Zuspiele waren zu unsauber.
Die beste Berliner Chance des ersten Durchgangs folgte in der 32. Minute. Ein schöner Ball in die Gasse fand Mamuzah Lum, der aus spitzem Winkel frei vor Bendel auftauchte. Der Hallenser Torhüter, der bei seiner Ligapremiere sofort Sicherheit ausstrahlte, blockte stark. Im Gegenzug hatte Halle durch Zaruba nach einer Einwurfvariante von Löhmannsröben die große Möglichkeit zum 2:0, doch der Abschluss aus zwölf Metern ging knapp vorbei. Hertha blieb im Umschalten gefährlich, verschenkte aber zu viel: Gouram zog nach einem Konter aus 30 Metern weit drüber, obwohl Mamuzah Lum mitgelaufen war. In der 41. Minute hätte dann der Ausgleich fallen müssen. Bruns brachte den Ball von links in den Strafraum zu Gouram, der zu lange zögerte und die Kugel förmlich ins Tor tragen wollte. Bendel und Zaruba retteten in höchster Not.
So blieb Halle mit einer verdienten, aber nicht abgesicherten Führung in der Partie. Kurz vor der Pause hatte der HFC noch eine Druckphase, doch klare Abschlüsse sprangen nicht heraus. Nach dem Seitenwechsel brachte Hertha Weiland für Mamuzah Lum, Halle blieb unverändert – und setzte sofort wieder über rechts an. Hauptmann, über weite Strecken Dreh- und Angelpunkt der HFC-Offensive, zog in der 49. Minute aus spitzem Winkel knapp über das Tor. Auf der Gegenseite forderte Ben-Hatira nach einem Fall im Strafraum vergeblich Elfmeter; Schiedsrichter Philipp Jacob ließ zu Recht weiterspielen.
Halle erhöhte nun wieder den Druck. Stierlin wurde im Strafraum geblockt, Kulke ging links durch, schloss aber zu schwach ab. Das war eine gute Gelegenheit, die der HFC zu lässig vergab. Schröder brachte nach 57 Minuten Damelang für Hartmann, und wenig später fiel die Entscheidung. In der 63. Minute konterte Halle sauber über rechts. Hauptmann trieb den Angriff an und brachte den Ball in die Mitte, wo Ehrlich mit dem Fuß zur Stelle war und aus Nahdistanz ins lange Eck traf. Das 2:0 passte zum Spiel: Halle war nicht durchgehend brillant, aber in den entscheidenden Abläufen klarer und entschlossener.
Hertha fand danach kaum noch offensive Antworten. Ein Freistoß Ben-Hatiras aus 30 Metern verpuffte, Rölkes Schulterversuch ging über das Tor. Die Berliner wechselten Ajvazi, später Traore und Aslanidis ein, doch die Struktur im letzten Drittel blieb brüchig. Halle brachte Wosz und Polat für Langhammer und Becker, später Fakhro für Ehrlich. Die Gastgeber suchten nun sogar das dritte Tor, blieben aber im Abschluss zu ungenau. Ehrlich köpfte aus spitzem Winkel aufs Tor, Goller parierte; Damelang vergab in der 83. Minute allein vor dem Berliner Schlussmann aus spitzem Winkel deutlich.
Auch Wosz hätte sich in die Torschützenliste eintragen können. Erst lief er sich nach schöner Einzelaktion fest, dann scheiterte er aus kurzer Distanz per Kopf, schließlich nahm er in der 87. Minute freistehend aus 14 Metern direkt ab, brachte den Ball aber zu schwach auf Goller. Hertha kam nur noch über zwei späte Ecken, die keine Gefahr entwickelten. Kurz vor Schluss holten sich Wosz und Damelang noch Gelbe Karten ab, dann war die Partie beendet.
Der HFC gewann verdient, weil er über weite Strecken mehr Spielkontrolle, mehr Zug zum Tor und die reiferen Offensivaktionen zeigte. Bendel durfte bei seiner Regionalliga-Saisonpremiere die Null feiern, Kastull krönte seinen Startelfeinsatz mit dem Führungstor, Hauptmann prägte viele Angriffe. Hertha II dagegen bestätigte zwar seine Geschwindigkeit und Umschaltfähigkeit, blieb aber zu ungenau und zu verschwenderisch. Für Halle war es kein glanzvoller, aber ein stabiler Sieg – genau jener Schritt, der nach den wackligen Wochen zuvor nötig war.
Zuschauer: 5190
Spielstätte: LEUNA-CHEMIE-STADION, Halle (Saale)
Schiedsrichter: Philipp Jacob – Christopher Gaunitz, Max Kluge
Tore: 1:0 (21.) Kastull; 2:0 (62.) Ehrlich
Mannschaftsaufstellungen:
Hallescher FC: Bendel, Zaruba, Löhmannsröben, Hartmann (57. Damelang), Stierlin, Kulke, Ehrlich (80. Fakhro), Hauptmann, Becker (67. Wosz), Kastull, Langhammer (67. Polat)
Hertha BSC II: Goller, Berner, Bruns, Ogbaidze, Richter (67. Ajvazi), Gouram (75. Aslanidis), Ben-Hatira, Mamuzah Lum (46. Weiland), Decker, Telib, Rölke (75. Traore)
Besondere Vorkommnisse: Gelbe Karten: Langhammer, Becker, Wosz, Damelang (Hallescher FC) – Mamuzah Lum (Hertha BSC II)
--- 31. SPIELTAG - REGIONALLIGA NORDOST ---
Müllers Spätstreich entreißt Meuselwitz den Punkt
Chemnitzer FC – ZFC Meuselwitz 3:2 (1:1)
Der Chemnitzer FC hat eine zähe, von Nervosität und Brüchen geprägte Partie gegen den ZFC Meuselwitz in der Nachspielzeit noch gedreht. Vor offiziell 4.300 Zuschauern, aber wegen des Stimmungsboykotts der aktiven Fanszene in gedämpfter Atmosphäre, lagen die Himmelblauen zweimal zurück. Erst Bozic erzwang in der 86. Minute den Ausgleich, dann traf der eingewechselte Felix Müller in der 90.+3 Minute mit einem abgefälschten Schuss zum 3:2. Für Meuselwitz, das durch Hansch und Eckardt zweimal vorlegte, wurde die Schlussphase zum bitteren Lehrstück über fehlende Entlastung.
Schon vor dem Anpfiff lag über dem Stadion eine Schwere, die sich rasch auf den Rasen übertrug. Ein Protestbanner im CFC-Block fasste den Frust über die schwache Saison scharf zusammen, sportlich suchte Chemnitz nach Wiedergutmachung für den Pokalauftritt gegen Aue. Meuselwitz kam nach sechs Niederlagen aus sieben Spielen ebenfalls ohne breite Brust, aber mit Hansch zurück in der Startelf. Entsprechend fahrig begann die Begegnung: viele lange Bälle, viele Ungenauigkeiten, wenig Struktur.
Der ZFC fand dennoch früher einen klaren Angriff. In der 7. Minute bekam Fischer links zu viel Raum, seine Flanke erreichte Hansch, der per Kopf zum 0:1 vollendete. Der Treffer gab den Gästen zunächst Recht, aber keine dauerhafte Kontrolle. Meuselwitz störte anfangs hoch, zog sich danach jedoch immer weiter zurück. Chemnitz brauchte Zeit, näherte sich dann aber an: Bochmann köpfte nach einer Ecke vorbei, ein Bozic-Schuss wurde geblockt, Baumgart setzte einen Drehschuss aus 20 Metern knapp neben das Tor.
Spielerisch blieb der CFC trotz wachsender Ballbesitzphasen mühsam. Pistol brachte rechts Tempo, Marx wurde im Strafraum gesucht, doch gegen die kompakte Meuselwitzer Ordnung fehlten Genauigkeit und letzte Schärfe. Die Gäste verpassten auf der anderen Seite, ihre Konter sauber auszuspielen; Fischer verzog nach Hanschs Eingabe deutlich. So wurde der Druck der Gastgeber vor der Pause größer. In der 43. Minute zahlte sich das aus: Bozic setzte sich links durch und spielte scharf in den Fünfmeterraum, wo Marx zum verdienten 1:1 einschob. Kurz vor der Pause jagte Stiller nach der ersten Meuselwitzer Ecke den Ball noch drüber.
Nach dem Seitenwechsel wirkte Meuselwitz zunächst griffiger. Chemnitz kam schwer in den Rhythmus, während die Gäste den Ball häufiger aus der eigenen Hälfte bekamen. In der 53. Minute folgte die erneute Führung: Eine erste Hereingabe von rechts verpuffte, dann brachte Fischer den Ball von links wieder in die Gefahrenzone. Eckardt stand richtig und bugsierte ihn aus sechs Metern irgendwie zum 1:2 über die Linie. Es war kein Treffer für das Lehrbuch, aber einer, der den Meuselwitzer Ansatz bestätigte: kompakt bleiben, zweite Bälle attackieren, die wenigen Räume nutzen.
Der CFC reagierte mit Wechseln und steigendem Druck. Alberico kam für Marx, später ersetzten Damer und Mensah Walther und Hempel. Die Partie wurde hitziger: Rehder sah nach einem Foul an Marx Gelb, Walther wegen Reklamierens. Chemnitz erhöhte nun die Schlagzahl. Sedlak musste am kurzen Eck aufpassen, Pistol verzog nach einem Vorstoß rechts knapp am langen Eck, Alberico verlängerte eine flache Eingabe einen Meter am Pfosten vorbei. Als Stockinger in der 73. Minute aus 14 Metern in den rechten Winkel traf, hatte Schiedsrichter Marcel Riemer bereits unterbrochen und auf Schiedsrichterball entschieden – Glück für den ZFC.
Doch Meuselwitz kam nicht mehr dauerhaft heraus. Zwar bot sich Hansch in der 81. Minute nach einer Kombination über Fischer und Pfeil die Chance zur Vorentscheidung, doch er traf den Ball im Strafraum nicht voll. Danach schwankte die Gästeabwehr zunehmend. In der 86. Minute setzte sich Bozic im Zentrum durch und nagelte den Ball aus fünf Metern zum 2:2 ins Netz. Nun kippte die Partie endgültig in Richtung Chemnitz, auch weil Meuselwitz die Bälle nur noch unsauber klärte.
In der 90. Minute zögerte Hansch nach einem Doppelpass rechts im Strafraum zu lange, auf der Gegenseite klärte Rehder noch einmal zur Ecke. Drei Minuten später war der Widerstand gebrochen. Meuselwitz bekam den Ball im eigenen Strafraum nicht weg, Felix Müller zog ab, der Schuss wurde abgefälscht und senkte sich über den bereits liegenden Sedlak hinweg ins Netz. Ein krummes Tor, aber ein Treffer mit gerader Wirkung: Chemnitz gewann 3:2.
Für den CFC war es kein Sieg spielerischer Souveränität, sondern einer der Beharrlichkeit. Die Himmelblauen blieben lange ideenarm, zeigten nach zwei Rückständen aber Moral und nutzten die späten Fehler der Gäste konsequent aus. Meuselwitz dagegen wird sich fragen müssen, wie aus zwei Führungen und mehreren ordentlichen Umschaltmomenten kein Punkt entstehen konnte. Im Abstiegskampf wiegt diese Niederlage schwer.
Zuschauer: 4300
Spielstätte: eins-Stadion – An der Gellertstraße, Chemnitz
Schiedsrichter: Marcel Riemer – Florian Lukawski, Daniel Läser
Tore: 0:1 (7.) Hansch; 1:1 (43.) Marx; 1:2 (53.) Eckardt; 2:2 (85.) Bozic; 3:2 (90.+3) Müller
Mannschaftsaufstellungen:
Chemnitzer FC: Adamczyk, Gebuhr, Walther (68. Damer), Bochmann (83. Müller), Stockinger, Hempel (68. Mensah), Pistol, Marx (58. Alberico), Eppendorfer, Baumgart, Bozic
ZFC Meuselwitz: Sedlak, Rehder (90. Jeck), Stiller, Kaymaz, Pfeil, Nitschke, Hansch, Fischer (90. Balde), Pilger (73. Pauling), Eckardt, Schmökel (81. Wurr)
Besondere Vorkommnisse: Gelbe Karten: Walther, Marx (Chemnitzer FC) – Sedlak, Rehder, Pilger (ZFC Meuselwitz)
--- 31. SPIELTAG - REGIONALLIGA NORDOST ---
Filmstädter drehen wildes Neun-Tore-Spiel
BFC Preussen – SV Babelsberg 03 3:6 (2:1)
Der SV Babelsberg 03 hat im Kampf um den sicheren Klassenerhalt ein wildes Auswärtsspiel beim BFC Preussen mit 6:3 gewonnen und dabei eine bemerkenswerte Reaktion auf eine missratene erste Hälfte gezeigt. Die Filmstädter führten früh durch ein Eigentor von Häusl, gerieten durch Kühn und Butkovic aber noch vor der Pause in Rückstand. Nach dem Seitenwechsel drehte der SVB die Partie mit einer wuchtigen Offensivphase komplett, während der Aufsteiger aus Berlin nach zwischenzeitlicher Hoffnung zunehmend die Ordnung verlor.
Babelsberg begann mit genau jener Entschlossenheit, die die Ausgangslage verlangte. Die Potsdamer brauchten jeden Punkt, um sich vom unteren Tabellenbereich weiter abzusetzen, und setzten den BFC sofort unter Druck. Schon in der 2. Minute zahlte sich der forsche Beginn aus: Nach einer frühen Druckphase bugsierte Häusl den Ball unglücklich ins eigene Tor – ein bitterer Start für Preussen, ein ideales Signal für den SVB.
Doch der starke Aufsteiger, der sich längst im gesicherten Mittelfeld etabliert hat, schüttelte den Rückschlag ab. Mit zunehmender Spieldauer stabilisierte sich die Berliner Mannschaft, fand besser in die Zweikämpfe und nutzte die nachlassende Konsequenz der Gäste. In der 24. Minute stellte Kühn auf 1:1. Der Ausgleich gab Preussen sichtbar Auftrieb, während Babelsberg den Zugriff verlor. In der 38. Minute war die Partie erstmals gedreht: Butkovic traf zum 2:1 und brachte den BFC mit einem psychologisch wertvollen Vorsprung in die Pause.
Dass diese Führung nicht mehr als eine Momentaufnahme bleiben sollte, zeigte sich nach dem Seitenwechsel rasch. Babelsberg kam mit deutlich mehr Schärfe aus der Kabine und nutzte die Räume, die Preussen nun anbot, eiskalt. Büch erzielte in der 56. Minute den 2:2-Ausgleich und öffnete damit eine Phase, in der die Begegnung vollständig kippte. Nur sieben Minuten später traf Lang zum 2:3. Der SVB hatte das Spiel zurückgedreht – und blieb am Drücker.
Der Doppelschlag wurde in der 65. Minute komplettiert, als Queißer auf 2:4 erhöhte. Innerhalb von neun Minuten hatte Babelsberg aus einem Rückstand eine komfortable Führung gemacht. Für Preussen war das eine jähe Zäsur: Die Berliner hatten zwar zuvor Moral bewiesen, bekamen nun aber weder die Umschaltmomente der Gäste noch deren Tempo in der letzten Linie kontrolliert.
Noch einmal meldete sich der BFC zurück. In der 71. Minute verwandelte Kapitän Stein einen Foulelfmeter zum 3:4. Dass der Abwehrchef unter der Woche seinen Vertrag bis 2028 verlängert hatte, verlieh diesem Treffer eine zusätzliche symbolische Note: Preussen gab sich nicht auf, suchte noch einmal den Anschluss und zwang Babelsberg, die Partie nicht zu früh als entschieden zu betrachten.
Doch die Filmstädter hatten an diesem Nachmittag die besseren Antworten. In der 79. Minute traf Schätzle zum 3:5 und nahm dem Berliner Aufbäumen die letzte Wucht. Preussen blieb zwar bemüht, doch die Gäste wirkten nun klarer, zielstrebiger und vor dem Tor gnadenloser. In der sechsten Minute der Nachspielzeit setzte Didoss mit dem 3:6 den Schlusspunkt unter ein Spiel, das nach der Pause endgültig zur Babelsberger Offensivshow geworden war.
Für den SVB war dieser Auswärtssieg mehr als nur ein Spektakel. Nach einer schwierigen Phase im Tabellenkeller zeigte Babelsberg Widerstandskraft, Effizienz und die Fähigkeit, eine Partie nach Rückstand nicht nur zu drehen, sondern in der zweiten Hälfte klar an sich zu reißen. Preussen dagegen muss sich vorwerfen lassen, nach guter Reaktion auf das frühe Eigentor die Kontrolle aus der Hand gegeben zu haben. Der Aufsteiger bleibt sportlich solide positioniert, bekam aber deutlich vorgeführt, wie schnell fehlende Stabilität gegen entschlossene Gäste bestraft wird.
Zuschauer: 774
Spielstätte: Preussen-Stadion NR1, Berlin
Schiedsrichter: Niclas Rose – Hannes Ventzke, Florian Strübing
Tore: 0:1 (2.) Schmidt; 1:1 (23.) Kühn; 2:1 (38.) Butkovic; 2:2 (56.) Büch; 2:3 (63.) Lang; 2:4 (65.) Queißer; 3:4 (71.) Stein; 3:5 (79.) Schätzle; 3:6 (90.+6) Didoss
Mannschaftsaufstellungen:
BFC Preussen: Albers, Götze, Brandt (70. Abou-Chaker), Fontein, Kühn, Butkovic (70. Hoch), Dikarev, Ramadan (70. Schröder), Häusl, Stein, Meyer
SV Babelsberg 03: Stein, Lang, Wegener, Schätzle, Schmidt (90. Silic), Lessel, Didoss, Hasse (70. Covic), Queißer (84. Wiehe), Ogbidi (84. Werbelow), Büch
Besondere Vorkommnisse: Gelbe Karten: Brandt, Ramadan, Meyer (BFC Preussen) – Hasse (SV Babelsberg 03)
--- 31. SPIELTAG - REGIONALLIGA NORDOST ---
Jena patzt an der Elbe und verliert den Anschluss
1. FC Magdeburg II – FC Carl Zeiss Jena 4:1 (0:0)
Der FC Carl Zeiss Jena hat im Meisterrennen der Regionalliga Nordost einen schweren Rückschlag hinnehmen müssen. Beim 1. FC Magdeburg II verlor die Mannschaft von Volkan Uluc nach fünf Siegen in Folge überraschend deutlich mit 1:4 und verpasste damit die Gelegenheit, den Rückstand auf Spitzenreiter 1. FC Lok Leipzig wieder auf zwei Punkte zu verkürzen. Nach torloser erster Halbzeit schien Jena mit viel Druck aus der Kabine zu kommen, doch die Magdeburger Youngster trafen im richtigen Moment – und verwandelten eine offene Partie binnen 24 Minuten in einen rauschhaften Heimsieg.
Schon die Begleitumstände verliehen der Begegnung eine besondere Note. Weil etliche Jenaer Fans verspätet an der Avnet-Arena eintrafen, wurde der Anstoß auf 14.15 Uhr verschoben. Rund 600 FCC-Anhänger hatten ihr Team an die Elbe begleitet, in der Hoffnung, dass Jena nach dem Lok-Sieg am Freitagabend beim BFC Dynamo die passende Antwort geben würde. Die Ausgangslage war klar: Magdeburg II, als Tabellenneunter mit 40 Punkten im gesicherten Bereich, konnte frei aufspielen; Jena musste gewinnen, um das Titelrennen eng zu halten.
Die Anfangsphase war flott, aber noch ohne klare Linie. Magdeburg suchte sofort den Weg nach vorn, Baars bediente bereits in der 2. Minute Zajusch, dessen Abschluss deutlich vorbeiging. Auf der Gegenseite erkannte FCM-Torwart Schlitter eine Situation gegen Oduah frühzeitig und klärte mit den Fäusten. Beide Mannschaften suchten die Offensive, doch zwischen Tempo und Präzision klaffte zunächst eine Lücke. Prokopenko trieb über links an, fand aber keinen Abnehmer; Zajuschs Schuss nach einer Ecke stellte Liesegang nicht vor Probleme.
Jena hatte nach 28 Minuten durch Werner die erste bessere Gelegenheit, doch dessen Abschluss rauschte knapp neben den Kasten. Magdeburg antwortete über Standards: Nach einer Ecke von Korsch kam Mergner zum Kopfball, der nur knapp über die Latte strich. Es blieb die gefährlichste Szene einer ersten Hälfte, in der sich beide Teams zwar nichts schenkten, die klaren Durchbrüche aber fehlten. Hessel bekam nach der ersten Jenaer Ecke den Ball in aussichtsreicher Position nicht unter Kontrolle, sodass es folgerichtig torlos in die Kabinen ging.
Uluc reagierte zur Pause doppelt. Eshele und Wähling kamen für Oduah und Prokopenko – und die Wechsel veränderten zunächst das Spiel. Jena kam mit deutlich mehr Wucht zurück, Eshele köpfte kurz nach Wiederbeginn drüber und vergab in der 52. Minute die Riesenchance zur Führung: Aus 15 Metern kam er frei zum Abschluss, konnte sich die Ecke aussuchen, setzte den Ball aber links vorbei. Wenig später verpasste er erneut knapp, Lankfords Schuss wurde geblockt. In dieser Phase gerieten die Magdeburger spürbar unter Druck.
Doch gerade als Jena dem Führungstor näher schien, schlug der FCM zu. In der 59. Minute verloren die Thüringer im Mittelfeld den Ball, Baars nahm über rechts Tempo auf und zog ab. Hessel fälschte den Abschluss unglücklich ab, Liesegang war geschlagen – 1:0 für Magdeburg. Es war ein Treffer gegen den Spielverlauf, aber nicht gegen die Logik eines Fußballspiels, in dem versäumte Chancen oft sofort bestraft werden.
Jena antwortete zunächst wie ein Spitzenteam. Burmeister flankte in der 66. Minute präzise auf Eshele, der diesmal mit dem Kopf zur Stelle war und zum 1:1 einnickte. Die Partie war wieder offen, und kurz darauf brannte es im Magdeburger Strafraum lichterloh: Wähling schoss aus der Drehung, Schlitter packte sicher zu. Nach einer Ecke hatte Lankford die nächste Gelegenheit, konnte den Ball aber nicht über die Linie drücken. Das Momentum schien auf Jenas Seite zu kippen – doch Magdeburg blieb erstaunlich unbeeindruckt.
In der 75. Minute zog Baars erneut nach innen und schloss ab. Liesegang konnte den Einschlag nicht verhindern, der FCM führte wieder. Dieser zweite Treffer des Magdeburger Außenbahnspielers war der emotionale Bruchpunkt der Begegnung. Denn während Jena nun hektischer wurde, spielte die U23 des Zweitligisten ihre Räume konsequent aus. Trainer Daniel Wölfel brachte Leipertz für Korsch und Kamm für Zajusch, kurz darauf bereitete Frenzel die nächste Szene vor: Leipertz nahm die Ablage auf und bugsierte den Ball in der 80. Minute zum 3:1 ins Tor.
Nun war Jena sichtbar angeschlagen. Die Thüringer, die zuvor mit fünf Siegen in Serie in Magdeburg angekommen waren, fanden keine Antwort mehr auf die Mischung aus Tempo, Direktheit und Kaltschnäuzigkeit der Gastgeber. In der 83. Minute setzte Hink den nächsten Stich. Aus spitzem Winkel traf der eingewechselte Offensivspieler zum 4:1, wobei Liesegang erneut nicht gut aussah. Die Magdeburger spielten sich in dieser Schlussphase beinahe in einen Rausch, während Jena zunehmend auseinanderfiel.
In der Nachspielzeit verhinderte Liesegang nach einem Freistoß und Giesens Verlängerung immerhin noch das 5:1. Am Gesamteindruck änderte das nichts mehr. Magdeburg II feierte einen verdienten, wenn auch in der Höhe erst spät entstandenen Sieg, weil die Mannschaft nach der Jenaer Druckphase stabil blieb und ihre Chancen mit bemerkenswerter Konsequenz nutzte. Jena dagegen wird sich vor allem die Minuten nach der Pause vorhalten müssen: Wer in einem Meisterrennen aus der eigenen Überlegenheit kein Kapital schlägt, öffnet dem Gegner die Tür – und Magdeburg trat sie mit Baars, Leipertz und Hink entschlossen auf.
Für den FC Carl Zeiss ist die Meisterschaft damit nicht verloren, aber deutlich schwerer geworden. Drei Spiele vor Schluss beträgt der Rückstand auf Lok Leipzig fünf Punkte. Jena braucht nun nicht nur eigene Siege, sondern auch einen Patzer des Spitzenreiters. Magdeburg II dagegen setzte nach dem enttäuschenden 1:5 bei Altglienicke ein starkes Zeichen und bewies, dass diese junge Mannschaft an guten Tagen auch Titelanwärter aus dem Takt bringen kann.
Zuschauer: 1594
Spielstätte: Avnet Arena, Magdeburg
Schiedsrichter: Lars Albert – John Bartsch, Lucas Leihkauf
Tore: 1:0 (60.) Baars; 1:1 (66.) Eshele; 2:1 (75.) Baars; 3:1 (80.) Leipertz; 4:1 (84.) Hink
Mannschaftsaufstellungen:
1. FC Magdeburg II: Schlitter, Pohl (63. Pfennig), Birk, Widmann (63. Hink), Frenzel, Korsch (79. Leipertz), Mergner (87. Giesen), Vogler, Trkulja, Zajusch (79. Kamm), Baars
FC Carl Zeiss Jena: Liesegang, Hehne (84. Munser), Lankford, Oduah (46. Eshele), Prokopenko (46. Wähling), Talabidi, Fritz (61. Weihrauch), Werner (61. Hoppe), Butzen, Burmeister, Hessel
Besondere Vorkommnisse: Gelbe Karten: Fritz (FC Carl Zeiss Jena)
--- 31. SPIELTAG - REGIONALLIGA NORDOST ---
Zwickau schleppt sich zum Lucky Punch
FSV 63 Luckenwalde – FSV Zwickau 0:1 (0:0)
Der FSV Zwickau hat beim FSV 63 Luckenwalde einen späten 1:0-Auswärtssieg gelandet und dabei einen jener Nachmittage auf seine Seite gezogen, an denen lange kaum etwas nach einem Gewinner aussah. In einer über weite Strecken zähen, zerfahrenen und chancenarmen Partie hatte Luckenwalde zunächst die klareren Szenen, verpasste es aber, aus der Anfangsüberlegenheit Kapital zu schlagen. Zwickau blieb lange blass, fand offensiv kaum Rhythmus und durfte sich am Ende doch über den entscheidenden Moment freuen: Der eingewechselte Luca Prasse traf in der 89. Minute zum späten Siegtreffer.
Vor 1.004 Zuschauern begann Luckenwalde wacher, zielstrebiger und mit deutlich mehr Zugriff. Zwickau, bei dem Rico Schmitt im Vergleich zum 2:0 im Landespokal gegen Stahl Riesa mit Haubner, Sengersdorf und Breitenbücher für Sezer, Prasse und Eixler dreimal veränderte, brauchte sichtbar Anlaufzeit. Die Gäste hatten zwar Anstoß, bekamen in den ersten Minuten aber kaum Struktur in ihr Spiel. Luckenwalde attackierte früh über die rechte Seite, vor allem Meier war in der Anfangsphase der auffälligste Akteur.
Schon in der 3. Minute setzte Meier zu einem starken Solo an, zog von rechts nach innen und wurde kurz vor dem Strafraum in aussichtsreicher Position von den Beinen geholt. Der folgende Freistoß aus rund 17 Metern blieb allerdings in der Zwickauer Mauer hängen. Breitenbücher sah für das Foul früh Gelb, kurz darauf wurde auch Luckenwaldes Kühn verwarnt. Die Partie hatte damit zwar früh Zweikampfschärfe, aber noch keinen spielerischen Fluss.
Zwickau tat sich weiterhin schwer. Die Gäste bemühten sich um Ballkontrolle, blieben aber im Aufbau häufig hängen oder verloren die Kugel zu schnell. Luckenwalde bestimmte in dieser Phase klar den Ton und kam in der 13. Minute zur nächsten Möglichkeit: Bachmann war allein durch, entschied sich früh für den Abschluss, brachte Hiemann im Zwickauer Tor mit seinem zu harmlosen Schuss aber nicht ernsthaft in Verlegenheit. Vier Minuten später wurde es deutlich gefährlicher. Wieder zog Meier von rechts in die Mitte, diesmal setzte er den Ball schärfer und platzierter auf das Tor. Hiemann musste sich strecken und rettete stark.
Diese Parade war zunächst die wichtigste Zwickauer Aktion des ersten Durchgangs. Offensiv blieb der FSV aus Westsachsen erstaunlich uninspiriert. Zwar wuchs der Ballbesitz der Gäste nach gut 20 Minuten an, doch daraus entstand kaum Tiefe. Viele Angriffe endeten in Einwürfen, Abstöße wechselten sich mit Fehlpässen ab, und im letzten Drittel fehlten Tempo, Präzision und Entschlossenheit. Der Eindruck einer Mannschaft, die sich zwar um Ordnung bemühte, aber ohne die nötige Griffigkeit agierte, verfestigte sich.
Luckenwalde wiederum verlor nach der munteren Anfangsphase etwas an Klarheit. Der Gastgeber blieb zwar präsenter und wacher, fand aber nicht mehr mit derselben Konsequenz hinter die Zwickauer Kette. So verflachte die Begegnung merklich. Erst kurz vor der Pause näherte sich Zwickau erstmals offensiv an: Dobruna nahm in der 45. Minute einen Ball aus der Distanz volley, traf ihn optisch ansprechend, setzte den Versuch aber weit rechts am Tor vorbei. Es war ein einzelner Lichtblick in einer ersten Hälfte, die insgesamt arm an Höhepunkten blieb.
Zur Pause reagierte Schmitt und brachte Fobassam für Ziemer. Doch auch nach dem Seitenwechsel änderte sich der Charakter der Partie zunächst kaum. Die Begegnung blieb unruhig, zerhackt und geprägt von vielen Ungenauigkeiten. Bis zur 51. Minute ließ sich der Spielverlauf fast nur über Einwürfe, Abstöße und Fehlpässe beschreiben. Für ein Regionalligaspiel mit zwei Mannschaften, die zumindest punktuell spielerische Qualität besitzen, war das über weite Strecken zu wenig.
Luckenwalde setzte in der 53. Minute das erste Ausrufezeichen des zweiten Durchgangs. Gollnack wurde gut freigespielt und kam aus aussichtsreicher Position zum Abschluss, verzog aber deutlich. Auf der Gegenseite suchte Zwickau weiter nach Bindung im Angriff, ohne sich dauerhaft in gefährliche Räume zu kombinieren. Startsev sah in der 54. Minute Gelb, wenig später nahm Schmitt erneut Einfluss: In der 62. Minute kamen Dittrich und Prasse für Breitenbücher und von Baer. Diese Wechsel sollten spät Bedeutung bekommen, auch wenn sie zunächst nicht sofort sichtbar wurden.
Luckenwalde brachte seinerseits Will für Bachmann und blieb näher am Führungstor. In der 71. Minute hatte der eingewechselte Angreifer die beste Chance nach der Pause. Will wurde im Strafraum wunderbar bedient, bekam den Ball aber nicht sauber unter Kontrolle. Die Szene verpuffte – und mit ihr eine große Möglichkeit, ein Spiel, das Zwickau bis dahin kaum an sich reißen konnte, in die richtige Richtung zu kippen. Für die Gäste war es ein Moment des Glücks, für Luckenwalde einer jener Augenblicke, die sich in engen Begegnungen rächen können.
In der Schlussphase schöpften beide Trainer ihre Wechselkontingente aus. Luckenwalde brachte Kaus für Pollasch sowie später Merke, Koplin und Meyer für Neumann, Jannene und Meier. Zwickau wechselte Albert und Jacobi für Startsev und Haubner ein. Doch auch die frischen Kräfte belebten die Partie nur begrenzt. Vieles blieb Stückwerk, die Passfolgen waren kurz, die Abschlüsse selten, die Torhüter kaum dauerhaft gefordert. Als die 89. Minute anbrach, lag der Gedanke nahe, dass dieses Spiel keinen Sieger verdient hatte.
Dann aber schlug Zwickau doch zu. Luca Prasse, erst in der 62. Minute gekommen, nutzte kurz vor Schluss den entscheidenden Moment und brachte die Gäste mit 1:0 in Führung. Der Ticker beschreibt das Tor knapp, aber seine Bedeutung war umso größer: ein klassischer Lucky Punch, ein Treffer gegen die Statik eines Spiels, in dem Zwickau lange kaum zwingend geworden war. Luckenwalde blieb nur noch die dreiminütige Nachspielzeit, doch der Gastgeber fand keine Antwort mehr.
So nahm Zwickau drei Punkte mit, die spielerisch schwer zu erklären, aber im Ergebnis wertvoll waren. Luckenwalde musste sich ärgern, die besseren Phasen und die klareren frühen Gelegenheiten nicht genutzt zu haben. Meiers gefährliche Anfangsaktion, Bachmanns zu harmloser Abschluss und Wills verpasste Ballkontrolle im Strafraum waren die Szenen, in denen der Gastgeber das Spiel hätte öffnen können. Zwickau dagegen bewies zumindest Geduld und Effizienz: lange blass, spät wach, am Ende erfolgreich. In einer Partie ohne großen Glanz genügte Prasses später Stich, um einen zähen Nachmittag doch noch in einen Auswärtssieg zu verwandeln.
Zuschauer: 1004
Spielstätte: Werner-Seelenbinder-Stadion, Luckenwalde
Schiedsrichter: Christoph Beblik – Pascal Wien, Hannes Stein
Tor: 0:1 (89.) Prasse
Mannschaftsaufstellungen:
FSV 63 Luckenwalde: Palmowski, Pollasch (77. Kaus), Schleinitz, Bachmann (67. Will), Jannene (83. Merke), Neumann (83. Meyer), Meier (83. Koplin), Schneider, Kühn, Maciejewski, Gollnack
FSV Zwickau: Hiemann, von Baer (62. Prasse), Senkbeil, Dobruna, Möbius, Breitenbücher (62. Dittrich), Startsev (81. Albert), Sengersdorf, Putze, Ziemer (46. Fobassam Nawe), Haubner (81. Jacobi)
Besondere Vorkommnisse: Gelbe Karten: Meier, Kühn, Gollnack (FSV 63 Luckenwalde) – Breitenbücher, Startsev, Dobruna (FSV Zwickau)
--- 31. SPIELTAG - REGIONALLIGA NORDOST ---
Leutzscher überstehen Zehlendorfer Schockmoment
BSG Chemie Leipzig – Hertha 03 Zehlendorf 4:2 (2:0)
Die BSG Chemie Leipzig hat ihren Aufwärtstrend im Abstiegskampf fortgesetzt und im Alfred-Kunze-Sportpark gegen Hertha 03 Zehlendorf einen ebenso wichtigen wie nervenaufreibenden 4:2-Heimsieg gefeiert. Nach einer verdienten 2:0-Pausenführung durch einen Doppelschlag von Ratifo und Seidemann schien Chemie auf Kurs, ehe die Gäste unmittelbar nach Wiederbeginn durch Jones und den eingewechselten Günay binnen zwei Minuten ausglichen. In einer zunehmend zerfahrenen, aber spannungsgeladenen Schlussphase bewies Alexander Schmidts Mannschaft jedoch Moral – und hatte in Joker Hoffmann den entscheidenden Mann: Mit zwei Treffern in der 85. und 86. Minute sicherte er der BSG den vierten Sieg in Serie.
Vor 4.999 Zuschauern begann die Partie mit offenem Visier. Zehlendorf, abgeschlagener Tabellenletzter, versteckte sich keineswegs und kam bereits in der 2. Minute durch Jones zur ersten Annäherung, dessen Volleyabnahme jedoch deutlich am Tor vorbeiging. Auf der Gegenseite hätte Chemie früh das Spiel in die gewünschte Richtung lenken können: Ratifo kam nach vier Minuten aus kurzer Distanz zum Kopfball, setzte den Ball aber an die Latte. Es war der erste Hinweis darauf, dass der Leipziger Angreifer an diesem Nachmittag zur prägenden Figur werden sollte.
Chemie, auf vier Positionen verändert und mit Seidemann, Akono, Seidel und Kießling in der Startelf, übernahm nach dieser wilden Anfangsphase zunehmend die Kontrolle. Die Leutzscher hatten mehr Ballbesitz, suchten geduldig die Lücke im Zehlendorfer Abwehrverbund und ließen sich zunächst auch von einigen robusten Zweikämpfen nicht aus dem Rhythmus bringen. Wilton sah nach einem rüden Einsteigen früh Gelb, wenig später beruhigte sich die Partie etwas. Der Spielfluss litt phasenweise unter hohen Bällen, Fouls und zweiten Bällen im Mittelfeld, doch Chemie blieb das strukturiertere Team.
In der 26. Minute lag die Führung erneut in der Luft. Nach einer Flanke von der rechten Seite rauschte der Ball durch den Strafraum, am hinteren Pfosten kam Ratifo zum Abschluss, scheiterte aber an Dedidis. Drei Minuten später war der Zehlendorfer Schlussmann geschlagen: Nach einem langen Einwurf landete der Ball am zweiten Pfosten, Ratifo reagierte am schnellsten und staubte zum 1:0 ab. Der Alfred-Kunze-Sportpark bebte – und bevor die Gäste diesen Wirkungstreffer verarbeitet hatten, schlug Chemie noch einmal zu. Ratifo eroberte im Mittelfeld den Ball, schickte Seidemann, der die Kugel sauber mitnahm und an Dedidis vorbei zum 2:0 einschob.
Dieser Doppelschlag verlieh den Gastgebern sichtbar Rückenwind. Chemie presste nun höher, wollte das Momentum nutzen und drängte auf eine mögliche Vorentscheidung. Doch Zehlendorf blieb trotz des Rückstands im Spiel. In der 39. Minute scheiterte Jones aus spitzem Winkel an Bergmann, die folgende Ecke sorgte für Unordnung im Leipziger Fünfmeterraum, ehe die BSG mit vereinten Kräften klärte. Kurz darauf setzte Schulze einen Abschluss aus rund 20 Metern ans Lattenkreuz. Auch Yoldas hatte noch vor der Pause freie Schussbahn im Strafraum, wurde aber im letzten Moment von einem Leipziger Abwehrbein geblockt. So ging Chemie mit einer verdienten, aber keineswegs ungefährdeten 2:0-Führung in die Kabine.
Nach dem Seitenwechsel schien zunächst alles weiter für die Gastgeber zu sprechen. Ratifo hatte unmittelbar nach Wiederbeginn die erste Gelegenheit, kam im Eins-gegen-Eins gegen Dedidis jedoch nicht zum Treffer. Dann aber kippte die Partie innerhalb von zwei Minuten. Zehlendorf hatte zur Pause Günay für Schulz gebracht – und dieser Wechsel sollte sofort Wirkung entfalten. Erst durfte Jones in der 48. Minute viel zu ungestört durchs Mittelfeld tragen und aus 18 Metern zum Anschluss abschließen. Nur zwei Minuten später verwertete Günay eine Flanke von Yamada zum 2:2. Aus einer scheinbar kontrollierten Chemie-Führung war plötzlich wieder ein offenes Spiel geworden.
Der Doppelschlag der Gäste wirkte wie ein Kälteschock, doch Chemie verlor nicht die Ordnung. Ratifo versuchte es aus der Distanz, Akono hielt aus 20 Metern drauf, setzte den Ball aber neben den Pfosten. Gleichzeitig wurde Zehlendorf nun wacher, giftiger und gefährlicher im Umschaltspiel. Die Begegnung bewegte sich in dieser Phase auf Augenhöhe. Für Chemie kam erschwerend hinzu, dass Innenverteidiger Sanin nicht weitermachen konnte und in der 52. Minute durch Enke ersetzt wurde. Später brachte Schmidt mit Mäder für Seidemann und Aliji für Kießling neue Impulse, während Zehlendorf durch Wicht für Yoldas reagierte.
Die Partie blieb umkämpft, teils nicklig, oft unterbrochen. Chemie suchte weiter den Weg nach vorn, hatte aber Mühe, die defensive Wachsamkeit der Gäste zu brechen. In der 70. Minute bot sich Akono die große Chance zum 3:2: stark freigespielt, mit freier Schussbahn, setzte er den Ball jedoch deutlich über das Tor. Kurz darauf sah Yamada nach einem klar verspäteten Einsteigen gegen Lihsek Gelb, der folgende Freistoß landete schwach in der Mauer. Seidel prüfte Dedidis aus der Distanz, doch der Abschluss war zu zentral.
Als das Spiel in die Schlussviertelstunde ging, war die Frage weniger, wer die bessere Struktur hatte, sondern wer den letzten Punch setzen würde. Zehlendorf verteidigte aufopferungsvoll und lauerte auf Umschaltmomente, Chemie rannte mit wachsender Ungeduld an. In der 77. Minute brachte Schmidt Hoffmann für Akono – eine Einwechslung, die das Spiel entscheiden sollte. Erst wurde es hitziger, Günay sah nach einem Foul Gelb, die Partie verlor kurzzeitig an spielerischer Klarheit. Dann aber fand Chemie doch noch die Lücke.
In der 85. Minute brachte Lihsek einen Freistoß in den Fünfmeterraum. Hoffmann stieg am höchsten und setzte den Ball ins lange Eck – 3:2. Kaum war der Jubel verklungen, schlug der Joker erneut zu. Nur eine Minute später wurde er im Strafraum freigespielt, ließ seinen Gegenspieler ins Leere laufen und schloss mit rechts ab. Der Ball wurde noch unhaltbar abgefälscht und schlug zum 4:2 ein. Aus der Nervenschlacht war binnen Sekunden die Leutzscher Erlösung geworden.
Zehlendorf wechselte spät noch Hebisch und Abe ein, doch die Gäste fanden keinen Weg mehr zurück. Chemie brachte den Vorsprung über die Zeit und durfte nach dem Abpfiff den vierten Sieg in Folge feiern. Durch den Erfolg kletterte die BSG auf Rang 13 und verschaffte sich im Abstiegskampf weiteres Selbstvertrauen. Zehlendorf dagegen blieb nach einem mutigen Auftritt und starkem Beginn in die zweite Hälfte ohne Ertrag – ein Spiegelbild der Saison: gute Phasen, aber zu wenig Stabilität über 90 Minuten.
Chemie musste an diesem Nachmittag mehr leiden, als es nach der ersten Halbzeit zu erwarten gewesen war. Doch gerade darin lag der Wert dieses Sieges. Die BSG zeigte nach dem überraschenden Ausgleich Widerstandskraft, blieb offensiv und fand spät die Qualität von der Bank. Hoffmanns Doppelpack war die Pointe eines Spiels, das Chemie erst kontrollierte, dann beinahe aus der Hand gab – und am Ende mit Willen, Geduld und Joker-Wucht doch noch gewann.
Zuschauer: 4999
Spielstätte: Alfred-Kunze-Sportpark Hauptfeld, Leipzig
Schiedsrichter: Chris Rauschenberg – Jason Poser, André Blank
Tore: 1:0 (29.) Ratifo; 2:0 (30.) Seidemann; 2:1 (48.) Jones; 2:2 (49.) Günay; 3:2 (85.) Hoffmann; 4:2 (86.) Hoffmann
Mannschaftsaufstellungen:
BSG Chemie Leipzig: Bergmann, Hoops, Seidel, Seidemann (66. Mäder), Wendt, Sanin (52. Enke), Lihsek, Ratifo, Kießling (66. Aliji), Bell, Akono (76. Hoffmann)
FC Hertha 03 Zehlendorf: Dedidis, Wilton, Jones (87. Hebisch), May (87. Abe), Hasenberg, Yamada, Schulz (46. Günay), Yoldas (63. Wicht), Wachs, Doll, Schulze
Besondere Vorkommnisse: Gelbe Karten: Sanin (BSG Chemie Leipzig) – Wilton, Jones, May, Yamada, Günay (FC Hertha 03 Zehlendorf)
--- 31. SPIELTAG - REGIONALLIGA NORDOST ---
Steigerwald-Spektakel: Erfurt gibt zweimal die Führung her
FC Rot-Weiß Erfurt – FC Eilenburg 3:3 (2:0)
Rot-Weiß Erfurt und der FC Eilenburg haben sich im Steigerwaldstadion ein spektakuläres 3:3 geliefert, das für die Gäste zwar ein eindrucksvoller Beleg ihrer Comeback-Qualitäten war, im Abstiegskampf aber kaum reichen dürfte. Nach einer über weite Strecken kontrollierten ersten Halbzeit und Treffern von Ben-Luca Moritz sowie Ugondu schien RWE auf Kurs zu sein. Doch Eilenburg kam nach der Pause mit anderer Energie zurück, glich durch Kosak und Fischer aus, kassierte durch Assibey-Mensah erneut den Rückstand – und antwortete nur zwei Minuten später durch Baumann zum Endstand. Für Erfurt war das Remis nach 2:0-Führung vor 5.014 Zuschauern vor allem eines: ein vermeidbarer Kontrollverlust.
Die Ausgangslage war deutlich: Erfurt ging nach dem 3:0 im kleinen Thüringenderby gegen Meuselwitz als Favorit in die Partie, während Eilenburg nach dem Greifswalder Sieg gegen Altglienicke bei noch vier ausstehenden Spielen praktisch zum Siegen verpflichtet war. RWE-Trainer Fabian Gerber konnte personell wieder etwas freier planen; Otto kehrte ins Tor zurück, zudem rückten Awoudja, Schwarz und Assibey-Mensah in die Startelf. Bei Eilenburg brachte Karsten Oswald Kallenbach, Schädlich und Fischer neu.
Die Anfangsphase verlief zunächst verhalten. Erfurt hatte mehr Spielanteile, ohne sofort großes Tempo aufzunehmen. Ein erster Eckball von links blieb ungefährlich, ehe Caciel nach etwas mehr als fünf Minuten rechts im Strafraum von Fehler bedient wurde, sein Abschluss aus aussichtsreicher Position aber geblockt wurde. Eilenburg zeigte sich über Umschaltmomente, vor allem über die linke Seite, versuchte Nadelstiche zu setzen. Niemitz wurde in der 9. Minute im linken Strafraum gesucht, doch Moritz stellte seinen Körper geschickt hinein und klärte die Situation.
Mit zunehmender Spieldauer wurde Erfurt klarer. Caciel setzte einen Versuch noch deutlich über das Tor, auf der Gegenseite fehlte Kosak nach einer halbhohen Hereingabe nur ein halber Meter zum Abschluss. Es blieb eine Partie, in der RWE zwar aktiver war, aber zunächst zu selten mit der letzten Präzision in den Strafraum kam. Fischer sah nach 22 Minuten Gelb, weil er Assibey-Mensah nur mit einem harten Einsteigen stoppen konnte – ein früher Hinweis darauf, dass Erfurts linke Offensivseite Eilenburg Probleme bereitete.
Standards öffneten den Gastgebern schließlich die Tür. In der 25. Minute wurde ein Eckball von links erstmals gefährlich, Ugondu erwischte den Ball am ersten Pfosten jedoch nicht sauber, kurz darauf faustete Edelmann aus der Gefahrenzone. Fünf Minuten später schlug RWE zu: Nach einer erneuten Ecke von links geriet der Eilenburger Klärungsversuch zur unfreiwilligen Vorlage, Moritz stand am zweiten Pfosten richtig und nickte zum 1:0 ein. Noch ehe die Gäste diesen Rückschlag sortiert hatten, erhöhte Erfurt. Eilenburg verteidigte in der 33. Minute viel zu passiv, Falcao hatte im Strafraum alle Zeit der Welt, legte quer auf Ugondu, und der Erfurter Torjäger überwand Edelmann mit einem halbhohen Schuss zum 2:0.
Die Führung war gemessen an Erfurts Effizienz nicht unverdient, aber sie wirkte klarer, als es der Spielverlauf bis dahin hergab. Eilenburg hatte durchaus mutige Ansätze gezeigt, blieb im letzten Drittel aber zu ungenau. Erst in der Schlussphase der ersten Halbzeit wurden die Gäste zwingender. Kallenbach setzte einen Abschluss aus gut 20 Metern nur Zentimeter am linken Pfosten vorbei, wenig später verzog Kretzer aus 16 Metern deutlich. Kurz vor der Pause zog erneut Kallenbach im rechten Strafraum flach ab, wieder fehlte nicht viel. Trotzdem nahm Erfurt eine 2:0-Führung mit in die Kabine, weil die Gastgeber ihre beiden großen Momente eiskalt genutzt hatten.
Nach Wiederbeginn änderte sich die Statik der Partie grundlegend. Eilenburg kam mit Druck aus der Kabine, auch wenn die erste Erfurter Möglichkeit Assibey-Mensah gehörte, der vom linken Strafraumeck deutlich verzog. In der 49. Minute lag der Anschluss in der Luft: Nach einer Flanke von links klärte Erfurt unzureichend, Baumann kam aus dem Rückraum zum Abschluss, doch Awoudja rettete per Kopf für den bereits geschlagenen Otto auf der Linie. Spätestens jetzt war sichtbar, dass RWE die defensive Kontrolle verloren hatte.
Erfurt hätte die Partie in der 55. Minute dennoch vorentscheiden können, als Weiß eine halbhohe Hereingabe beinahe ins eigene Tor bugsierte und Edelmann vor Ugondu klären musste. Zwei Minuten später aber war Eilenburg zurück. Schädlich chippte den Ball kurz vor der Grundlinie auf den zweiten Pfosten, Kosak musste nur noch den Kopf hinhalten – 2:1. Gerber reagierte sofort und wechselte gleich vierfach: Wolf, Chentoufi, Durakov und Jacky kamen für Falcao, Awoudja, Mashigo und Boboy. Doch der Eingriff stabilisierte RWE nicht nachhaltig.
Eilenburg schöpfte Mut, spielte nun aggressiver nach vorn und drängte auf den Ausgleich. Oswald brachte Mauer und Mattmüller für Schlicht und Kosak, während Erfurt offensiv nur noch sporadisch Lebenszeichen setzte. Assibey-Mensah verfehlte in der 66. Minute den rechten Winkel um etwa einen halben Meter, doch insgesamt lag das Momentum nun klar bei den Gästen. In der 71. Minute fiel folgerichtig das 2:2: Eine Ecke von rechts segelte an den zweiten Pfosten, Fischer kam frei zum Kopfball und traf. Für Erfurt wurde der Nachmittag noch kurioser, weil der kurz zuvor eingewechselte Jacky bereits wieder vom Feld musste und durch Adesida ersetzt wurde.
Nach dem Ausgleich war die Begegnung völlig offen. Eilenburg wirkte hungrig auf den dritten Treffer, Erfurt fand erst nach und nach wieder Zugriff. Dann aber zeigte Assibey-Mensah seine individuelle Qualität. Nach mehreren vorherigen Versuchen ohne Zielwasser bekam er den Ball in der 79. Minute im linken Strafraum, legte ihn sich zurecht und schlenzte fein ins rechte Eck – 3:2 für RWE. Doch auch diese Führung gab den Gastgebern keine Sicherheit. Nur zwei Minuten später schlug Eilenburg zurück: Nach einer Ecke köpfte Erfurt zunächst in den Rückraum, den Nachschuss von Poser verlängerte Baumann per Kopf über Otto hinweg zum 3:3 ins Tor.
Die Schlussphase wurde wild. Beide Mannschaften spielten auf Sieg, Erfurt hatte in der 88. Minute die große Chance zur erneuten Führung, als Caciel vor dem Strafraum freigespielt wurde, einen Haken schlug und abzog. Edelmann parierte zur Ecke. In der Nachspielzeit geriet RWE sogar noch einmal ins Wanken: Nach einem Freistoß aus dem linken Halbfeld kam Otto weit aus seinem Tor und faustete den Ball beinahe ins eigene Netz; die Kugel landete in hohem Bogen auf dem Außennetz. Es blieb beim 3:3.
Für Eilenburg war das Remis nach 0:2-Rückstand moralisch beachtlich, tabellarisch aber zu wenig. Der Abstand auf den potenziell rettenden Platz 16 bleibt angesichts der Ausgangslage groß. Erfurt dagegen musste sich vorwerfen lassen, nach kontrollierter erster Halbzeit und zweimaliger Führung defensiv zu nachlässig agiert zu haben. Das Urteil aus der eigenen Kabine fiel entsprechend scharf aus: RWE hatte genug Qualität für den Sieg, aber nicht genug Stabilität, um ihn festzuhalten.
Zuschauer: 5014
Spielstätte: Steigerwaldstadion, Erfurt
Schiedsrichter: Henry Müller – Max Göldner, Andy Stolz
Tore: 1:0 (30.) Moritz; 2:0 (33.) Ugondu; 2:1 (58.) Kosak; 2:2 (72.) Fischer; 3:2 (79.) Assibey-Mensah; 3:3 (81.) Baumann
Mannschaftsaufstellungen:
FC Rot-Weiß Erfurt: Otto, Moritz, Schwarz, Awoudja (60. Chentoufi), Assibey-Mensah, Caciel, Fehler, Ugondu, Mashigo (60. Durakov), Boboy (60. Jacky/71. Adesida), Falcao (60. Wolf)
FC Eilenburg: Edelmann, Kosak (65. Mattmüller), Baumann, Fischer, Kretzer, Kallenbach (76. Poser), Niemitz, Aguilar Alvarez, Weiß, Schlicht (65. Mauer), Schädlich
Besondere Vorkommnisse: Gelbe Karten: Otto, Boboy, Durakov (FC Rot-Weiß Erfurt) – Fischer, Baumann, Weiß, Mauer, Poser (FC Eilenburg)
--- 31. SPIELTAG - REGIONALLIGA NORDOST ---
Ein Patzer, ein Treffer, ein überragender Keeper
BFC Dynamo – 1. FC Lok Leipzig 0:1 (0:1)
Der 1. FC Lok Leipzig hat im Titelrennen der Regionalliga Nordost einen wichtigen Auswärtssieg gelandet und beim formstarken BFC Dynamo mit 1:0 gewonnen. In einer intensiven, lange offenen und in der Schlussphase dramatischen Partie genügte den ersatzgeschwächten Leipzigern ein wacher Moment von Ayodele Adetula, der einen verunglückten Rückpass von Windsheimer in der 22. Minute konsequent nutzte. Dass der Vorsprung Bestand hatte, lag vor allem am 33jährigen Andreas Naumann: Der Lok-Schlussmann entwickelte sich mit mehreren herausragenden Paraden zum entscheidenden Faktor und rettete den Spitzenreiter besonders in der Nachspielzeit gegen Fritzsche vor dem späten Ausgleich.
Vor 2.911 Zuschauern in Hohenschönhausen begann Lok mit sichtbarem Anspruch auf Spielkontrolle. Die Gäste, bei denen Verkamp für den verletzten Arcalean begann und Elsner anstelle des zunächst geschonten Ziane in die Spitze rückte, suchten früh die Initiative, während der BFC zunächst tiefer stand und auf kompakte Abstände setzte. Schon nach drei Minuten wurde Elsner von rechts gesucht und kam im Fünfmeterraum zumindest in Ballnähe, ehe Gunte robust klärte. Wenig später landete ein Abschluss Adetulas aus 18 Metern am Außennetz, die folgende Ecke brachte jedoch nichts ein.
Die Partie fand rasch ihre Temperatur. Der BFC schob nach einigen Minuten höher an, Lok musste phasenweise schneller zum langen Ball greifen, zugleich wurde die Begegnung in den Zweikämpfen ruppiger. Putaro sah nach einem harten Einsteigen gegen Zimmer früh Gelb, Knezevic folgte wenig später nach einem Foul an Elsner. In dieser Phase fand Dynamo besser in die Partie – und entwickelte vor allem aus der Distanz Gefahr. Nach 13 Minuten rauschte zunächst eine scharfe Breitfeld-Hereingabe durch den Leipziger Strafraum, kurz darauf zwang Windsheimer Naumann mit einem wuchtigen Schuss aus 16 Metern zu einer ersten starken Reaktion.
Gerade als der BFC offensiv mutiger wurde, schlug Lok zu. In der 22. Minute missriet Windsheimer ein Rückpass in fataler Weise. Adetula hatte die Situation antizipiert, spritzte dazwischen und vollendete aus rund 15 Metern überlegt ins linke Eck. Es war ein Treffer aus der Kategorie Wachsamkeit vor Schönheit, aber in seiner Konsequenz genau das, was ein Tabellenführer in solchen Auswärtsspielen braucht: den Fehler des Gegners nicht beklagen, sondern bestrafen.
Dynamo antwortete mit Wucht. Nach einem Zusammenprall zwischen Gunte und Elsner musste der Berliner Verteidiger an der geöffneten Augenbraue behandelt werden, sportlich aber blieb der BFC im Drückermodus. In der 26. Minute prüfte Windsheimer Naumann mit einem Knaller aus 22 Metern – der Leipziger Torhüter machte sich lang und lenkte den Ball mit einer sensationellen Parade ab. Die anschließende Ecke verpuffte, doch sie zeigte, dass Lok den Abend keineswegs unter Kontrolle gebracht hatte. Zwar blieben die Gäste über Umschaltmomente gefährlich, doch Dynamo erhöhte die Schlagzahl, suchte frühere Ballgewinne und zwang Lok immer wieder in die Defensive.
Die Leipziger hatten dennoch die besseren, klarer vorbereiteten Aktionen. In der 36. Minute nahm Abderrahmane den Ball aus acht Metern direkt, Oellers klärte für den geschlagenen Ortegel vor der Linie. Nur Augenblicke später setzte Adetula einen Abschluss aus halbrechter Position knapp über den Kasten. Auf der Gegenseite blieb Breitfeld als Antreiber auffällig, fand mit seinen Zuspielen aber nicht immer die passende Schärfe. Kurz vor der Pause wurde es dann auf beiden Seiten noch einmal hochgefährlich: Erst köpfte Kusic nach Grözinger-Flanke aus vier Metern auf das Tor, doch Ortegel reagierte stark; Cevis setzte den Nachschuss ans Außennetz. Im Gegenzug hatte Knezevic nach einer BFC-Ecke die große Ausgleichschance, doch Naumann tauchte ins linke untere Eck ab und hielt die Leipziger Pausenführung fest.
Nach dem Seitenwechsel kam Dynamo mit mehr Schwung aus der Kabine. Schon in der 49. Minute musste Kusic vor der Linie klären, kurz darauf verfehlte Kuffour nach einer Ecke mit einem Schuss aus 17 Metern deutlich das Ziel. Lok verlor in dieser Phase etwas den Zugriff, zumal Grözinger verletzt vom Feld musste und durch Rühlemann ersetzt wurde. Der eingewechselte Leipziger hatte unmittelbar danach auf links eine gute Szene, seine Hereingabe landete jedoch auf dem Tornetz. Als Pyrotechnik aus dem BFC-Block das halbe Feld einnebelte, musste die Partie kurz warten, bis der Rauch verzogen war.
Sportlich blieb es ein Ritt auf der Rasierklinge. Dynamo drückte, ohne permanent klare Abschlüsse zu erzwingen, Lok verteidigte leidenschaftlich, kam aber zunächst zu selten zur Entlastung. Seitz reagierte, später kamen Kang und McLemore für Verkamp und Elsner. Die Gäste gewannen dadurch wieder mehr Zugriff im Mittelfeld und hielten den Ball zeitweise besser vom eigenen Strafraum fern. In der 70. Minute hätte Adetula die Partie entscheiden können: Nach einem weiten Ball von rechts kam er aus 13 Metern zum Abschluss, doch Ortegel verhinderte mit starker Parade das 0:2.
Je näher die Schlussphase rückte, desto stärker wurde der Charakter des Spiels sichtbar. Lok verteidigte mit hoher Bereitschaft, Dynamo suchte mit langen Bällen, Standards und zweiten Bällen den Weg zurück. Cevis probierte es aus fast 30 Metern, Siebeck setzte einen Direktabschluss nach Adetula-Zuspiel deutlich über das Tor. Auf der Gegenseite blieb Fritzsche der gefährlichste Berliner Zielspieler. In der 83. Minute zog er nach einem Freistoß aus der Distanz ab, Naumann war erneut blitzschnell unten und parierte stark.
Die letzten Minuten wurden zur Nervenprobe. Nach einer BFC-Ecke in der 90. Minute köpfte der eingewechselte Polte aus drei Metern über das Tor – eine Szene, in der Lok das Spielglück spürbar auf seiner Seite hatte. In der Nachspielzeit aber war es wieder Naumann, nicht das Glück, das den Sieg rettete: Fritzsche kam in der 90.+3 Minute links im Strafraum frei zum Schuss, doch der Lok-Keeper riss den rechten Arm hoch und verhinderte mit der nächsten Glanztat den Ausgleich. Auch eine letzte Ecke überstand Leipzig, weil Abderrahmane Reinckes Schusschance noch blockte.
So blieb es beim knappen, hart erarbeiteten 1:0 für Lok Leipzig. Der Spitzenreiter, personell sichtbar angeschlagen, zeigte keinen glanzvollen, aber einen erwachsenen Auftritt: wach im entscheidenden Moment, leidensfähig in der Defensive und getragen von einem Torhüter in Bestform. Der BFC bestätigte trotz der Niederlage seine gute Rückrundenform über weite Strecken, ließ aber die letzte Präzision und vor allem die Effizienz vermissen. Für Lok war dieser Abend mehr als ein Auswärtssieg – er war ein Charaktertest im Titelkampf, bestanden unter Flutlicht, Druck und Berliner Dauerwiderstand.
Zuschauer: 2911
Spielstätte: Sportforum Stadion, Berlin
Schiedsrichter: Johannes Schipke – Patrick Kluge, Marvin Tennes
Tor: 0:1 (21.) Adetula
Mannschaftsaufstellungen:
BFC Dynamo: Ortegel, Liebelt, Amadou, Fritzsche, Oellers, Breitfeld, Windsheimer, Putaro (64. Reincke), Gunte, Knezevic (68. Ho), Kuffour (86. Polte)
1. FC Lokomotive Leipzig: Naumann, Wilton, Verkamp (73. Kang), Abderrahmane, Adetula (87. Ziane), Siebeck, Zimmer, Elsner (73. McLemore), Čevis, Grözinger (52. Rühlemann), Kusic
Besondere Vorkommnisse: Gelbe Karten: Ortegel, Putaro, Knezevic (BFC Dynamo) – Naumann, Čevis (1. FC Lokomotive Leipzig)
--- 31. SPIELTAG - REGIONALLIGA NORDOST ---
Greifswald erzwingt den Befreiungsschlag
Greifswalder FC – VSG Altglienicke 1:0 (1:0)
Der Greifswalder FC hat im Kampf um den Klassenerhalt einen dringend benötigten Heimsieg eingefahren und die seit acht Ligaspielen ungeschlagene VSG Altglienicke mit 1:0 bezwungen. In einer Begegnung, die über weite Strecken von Greifswalder Entschlossenheit, Altglienicker Reaktion nach der Pause und mehreren Torwartparaden geprägt war, entschied Osman Atilgan die Partie in der 38. Minute im Nachschuss. Der GFC belohnte sich damit für eine engagierte erste Halbzeit, während die VSG nach dem Seitenwechsel zwar mehr Druck entwickelte, aber an der eigenen Ungenauigkeit und einem wachsamen Jakubov scheiterte.
Für Greifswald war die Ausgangslage eindeutig: Nach nur zwei Punkten aus den vorangegangenen fünf Spielen und dem letzten Sieg am 21. März gegen Meuselwitz brauchte die Mannschaft von der Ostsee im Volksstadion jeden Zähler, um im Abstiegskampf nicht weiter unter Druck zu geraten. Altglienicke kam mit der Empfehlung einer langen Serie ohne Niederlage, konnte mit einem Erfolg den sechsten Tabellenplatz festigen, fand aber zunächst nur schwer Zugriff auf eine Partie, in der der GFC vom Anpfiff weg die größere Dringlichkeit ausstrahlte.
Schon in der Anfangsphase zeigte Greifswald, dass es diesen Abend nicht verwalten, sondern erzwingen wollte. Atilgan zielte in der 5. Minute noch zu hoch, ehe Benyamina nur drei Minuten später die erste große Möglichkeit hatte: In einer Überzahlsituation lief der GFC aussichtsreich auf das Altglienicker Tor zu, doch VSG-Schlussmann Zwick blieb Sieger. Diese Szene setzte den Ton für die erste Halbzeit. Greifswald suchte konsequent den Weg in die Tiefe, brachte Tempo über die Außen und zwang die Berliner immer wieder zu Klärungsaktionen.
Auch Tomety-Hemazro scheiterte in der 13. Minute an Zwick, nachdem der GFC durch mehrere Ecken den Druck erhöht hatte. Altglienicke benötigte eine Viertelstunde, um erstmals offensiv sichtbar zu werden. Ibrahimi prüfte Jakubov in der 15. Minute, doch der Greifswalder Torhüter parierte sicher. Es blieb zunächst ein kurzer Berliner Gegenakzent in einer Phase, in der die Gastgeber mehr Ballnähe, mehr Zielstrebigkeit und mehr Präsenz in den gefährlichen Räumen entwickelten.
Der GFC blieb auch danach das aktivere Team. Nach einer Ecke in der 28. Minute und der Gelben Karte gegen Roßbach drei Minuten später verdichtete sich der Eindruck, dass Altglienicke zunehmend in Zweikämpfe und Rückwärtsbewegungen gezwungen wurde. Vogt setzte einen Abschluss in der 36. Minute über das Tor, doch die Greifswalder Führung lag zu diesem Zeitpunkt bereits in der Luft. Zwei Minuten später fiel sie folgerichtig – und doch in der Art eines typischen Abstiegskampf-Tores: Benyamina scheiterte zunächst an Zwick, Atilgan aber blieb hellwach, setzte nach und drückte den Abpraller zum 1:0 über die Linie.
Dieser Treffer war weniger ein Moment spielerischer Eleganz als ein Beleg für Entschlossenheit im Strafraum. Greifswald hatte die zweite Aktion, den berühmten Nachschuss, den halben Schritt mehr. Genau darin lag der Unterschied einer ersten Halbzeit, in der die Gastgeber nicht alles sauber ausspielten, aber fast immer den größeren Willen zeigten. Mit der knappen Führung ging es in die Pause.
Altglienicke reagierte zur zweiten Hälfte doppelt. Qenaj kam für Zografakis, Sylla für Rieder – und die Wechsel veränderten die Statik der Begegnung. Zwar hatte Greifswald unmittelbar nach Wiederbeginn durch Benyamina die erste Gelegenheit, dessen Kopfball in der 47. Minute über den Querbalken ging, doch danach wurde die VSG präsenter. Die Berliner fanden nun häufiger zwischen die Linien, hielten den Ball länger in der Greifswalder Hälfte und kamen über Standards in gefährliche Zonen.
Der GFC versuchte, die Partie über Ecken in der 54. und 56. Minute wieder nach vorn zu schieben, musste aber zugleich mehr verteidigen als vor der Pause. Besonders Qenaj entwickelte sich zum auffälligsten Altglienicker Offensivspieler. In der 59. Minute zwang er Jakubov zu einer Parade, später wiederholte sich dieses Duell noch einmal. Der eingewechselte Angreifer brachte Dynamik und Unruhe in die Berliner Angriffe, ohne allerdings den entscheidenden Abschluss zu finden.
Greifswalds Trainerbank reagierte mit Farr für Tomety-Hemazro, später mit Lämmel für Torschütze Atilgan sowie in der Schlussphase mit Eder und Kaizer für Eglseder und Daedlow. Die Wechsel zielten erkennbar darauf, Stabilität und frische Kräfte für die letzten Minuten zu gewinnen. Denn Altglienicke erhöhte mit zunehmender Spieldauer den Druck. Nietfeld kam in der 66. Minute zum Abschluss, anschließend folgten zwei VSG-Ecken, während Greifswald vor allem über Entlastungsangriffe durch Bokake und Benyamina gefährlich blieb.
In der 72. Minute musste Jakubov erneut gegen Qenaj halten. Diese Szene war sinnbildlich für die zweite Halbzeit: Altglienicke hatte nun das Chancenplus, fand aber keinen Weg, die Greifswalder Defensive endgültig aufzureißen. Der GFC verteidigte nicht immer unbedrängt, aber mit hoher Aufmerksamkeit, engen Abständen und der Bereitschaft, auch unsaubere Bälle kompromisslos aus der Gefahrenzone zu schlagen. Die Berliner brachten mit Schickersinsky, Kardam und später Saliger weitere Kräfte, doch die letzte Präzision fehlte.
Die Schlussphase blieb angespannt. Ibrahimi setzte in der 85. Minute einen Versuch über das Tor, Benyamina zwang Zwick in der Nachspielzeit noch einmal zu einer Parade, ehe Altglienicke in der 94. Minute durch Weik und eine letzte Ecke nochmals anklopfte. Greifswald überstand auch diesen Moment und durfte kurz darauf einen Sieg feiern, der tabellarisch wie mental Gewicht besitzt.
Durch das 1:0 tankte der GFC neues Selbstvertrauen im Abstiegskampf und zog nach Punkten mit Chemie Leipzig gleich, blieb jedoch aufgrund der weniger erzielten Tore zunächst auf Platz 16. Entscheidender als die Momentaufnahme war an diesem Abend aber die Botschaft: Greifswald kann enge Spiele wieder auf seine Seite ziehen. Altglienicke dagegen musste nach acht ungeschlagenen Ligaspielen eine Niederlage hinnehmen, weil die Mannschaft zu spät zwingend wurde und ihre besseren Phasen nach der Pause nicht in einen Treffer übersetzte.
Zuschauer: 829
Spielstätte: Stadion, Greifswald, Hansestadt
Schiedsrichter: Marko Wartmann – Matthias Lämmchen, Leon Maximilian Metz
Tor: 1:0 (38.) Atilgan
Mannschaftsaufstellungen:
Greifswalder FC: Jakubov, Tomety-Hemazro (57. Farr), Strietzel, Bokake Bolufe, Richardson II, Vogt, Daedlow (85. Eder), Wagner, Eglseder (85. Kaizer), Benyamina, Atilgan (73. Lämmel)
VSG Altglienicke Berlin: Zwick, Kebe, Zografakis (46. Sylla), Nietfeld, Roßbach (85. Saliger), Kapp, Türpitz, Rieder (46. Qenaj), Tallig (76. Kardam), Weik (64. Schickersinsky), Ibrahimi
Besondere Vorkommnisse: Gelbe Karten: Roßbach, Ibrahimi (VSG Altglienicke Berlin)
*****
Redaktion: Holger Elias (NOFV)
Bitte beachten Sie: Die Fotos unseres Medienpartners Ostsport.tv sind mit der jeweiligen Videozusammenfassung auf Youtube verlinkt. Es öffnet sich ein externes Fenster.
