Regionalliga Nordost
Regionalliga Nordost: Zusammenfassung 11. Spieltag
FCM-Nachwuchs zerlegt Herthas Bubis mit 6:0
Das Nachholespiel vom Freitagabend (10.10.25): Magdeburgs U23 überrollte Hertha BSC II mit 6:0. Bereits nach 14 Minuten führte das Team 3:0, spielte über 90 Minuten offensiv variabel und diszipliniert. Millgramm traf doppelt, Krempicki glänzte mit einem Traumtor – ein magischer Abend für die FCM-Talente.
Die Begegnungen am Sonntag im Überblick: In einem turbulenten Spiel trennten sich Zehlendorf und Babelsberg 3:3. Die Berliner führten dreimal, doch Didoss rettete den Gästen mit seinem Doppelpack in der Nachspielzeit einen Punkt. Für Babelsberg war es ein moralischer Erfolg, für Hertha 03 ein bitter verlorener Sieg. - Lok Leipzig gewann das Spitzenspiel in Erfurt mit 2:0. Adetula traf nach 22 Sekunden, Abderrahmane erhöhte per Elfmeter. Erfurt zeigte Engagement, blieb aber offensiv wirkungslos und musste sich einer taktisch reifen Leipziger Mannschaft geschlagen geben. - Jena dominierte in Luckenwalde die erste Halbzeit und führte nach Butzens Treffer (23.) verdient, verlor aber nach Gelb-Rot gegen Weihrauch (40.) die personelle Balance. Der FSV übernahm nach der Pause klar die Kontrolle und erzwang in Minute 83 durch Joker Merke den Ausgleich, nachdem Liesegang zuvor spektakulär gegen Will pariert hatte. Jenas beeindruckende Zu-Null-Serie riss nach über 710 Minuten, das 1:1 fühlt sich für den bisherigen Spitzenreiter wie zwei verlorene Punkte an.
Am Sonnabend trafen aufeinander: Der Chemnitzer FC verpasste gegen Eilenburg trotz 2:1-Führung den Sieg. Nach Toren von Bozic und Grimaldi brachte Kallenbach die Gäste in der Nachspielzeit zurück. Bozic sah zuvor Rot – am Ende blieb Chemnitz nur ein bitteres 2:2. - Der Hallesche FC feierte nach vier sieglosen Spielen ein 1:0 gegen Meuselwitz. Damelang erzielte nach einer Stunde den einzigen Treffer. Trotz Unterzahl in der Schlussphase brachte Halle den Sieg über die Zeit und stoppte damit seinen Negativlauf.
Übersicht über die Freitagspiele: Der BFC Dynamo gewann am Tag der Deutschen Einheit sein Heimspiel gegen den FSV Zwickau mit 1:0. Putaro verwandelte in der 76. Minute einen Strafstoß zum goldenen Treffer, zuvor hatten beide Teams Aluminium getroffen. Zwickau vergab zahlreiche Chancen und musste seine Siegesserie reißen lassen. - Chemie Leipzig besiegte Altglienicke mit 3:0. Überragender Mann war Stanley Ratifo, der alle drei Treffer erzielte. Während Chemie mit großem Kampfgeist glänzte, enttäuschte die VSG mit harmlosen Offensivaktionen. - Der Greifswalder FC und der BFC Preussen trennten sich nach intensiven 90 Minuten mit 1:1. Vogt brachte die Hausherren kurz vor der Pause in Führung, Brandt glich per Freistoß in der Schlussphase aus. Beide Teams vergaben weitere Chancen, sodass die Punkteteilung am Ende leistungsgerecht ausfiel.
11. Spieltag - Die Tabelle
11. Spieltag der Regionalliga Nordost
Krempicki & Co. tanzen Hertha schwindlig
1. FC Magdeburg II – Hertha BSC II 6:0 (4:0)
Was für ein Gala-Abend in der Regionalliga Nordost! Die U23 des 1. FC Magdeburg schoss Hertha BSC II mit 6:0 (4:0) aus dem Heinrich-Germer-Stadion und präsentierte sich in einer Spiellaune, wie man sie selbst in der Zweitliga-Arena des Clubs zuletzt vergeblich gesucht hatte. Von der ersten Minute an stimmte alles: Tempo, Präzision, Zusammenspiel – und der unbedingte Drang zum Tor. Schon nach 14 Minuten war die Partie entschieden.
Petrik Sander, der erfahrene Coach der Magdeburger Nachwuchsprofis, dürfte gestaunt haben, mit welcher Konsequenz seine Elf den Gegner überrannte. Gleich der erste Angriff brachte das 1:0: Mergner flankte von der Grundlinie präzise auf Marusic, der aus kurzer Distanz einschob (7.). Nur fünf Minuten später war wieder ein Loch in der Hertha-Defensive – Baars startete perfekt in die Tiefe und vollendete cool ins lange Eck (12.). Kaum war der Jubel verklungen, stand es 3:0: Millgramm dribbelte über links, zog nach innen und traf flach ins Eck (14.).
Hertha BSC II, sonst bekannt für gepflegten Ballbesitzfußball, wirkte hilflos und desorientiert. Schon früh war klar, dass der Abend lang werden würde. Krempicki setzte mit einem Solo durch den Strafraum den Schlusspunkt unter eine einseitige erste Hälfte – 4:0 (37.). »Das war ein Tor, das man so wohl nur einmal im Leben sieht«, kommentierte Sander nach dem Abpfiff anerkennend.
Während Magdeburg wirbelte, bot Hertha BSC II eine erstaunlich konfuse Vorstellung. Weder das zentrale Mittelfeld noch die Viererkette fanden Zugriff, Torwart Mohwinkel rettete, was zu retten war – und musste dennoch sechs Mal hinter sich greifen. Nach der Pause blieb das Bild unverändert: Hertha versuchte, die Räume enger zu halten, doch Magdeburg spielte weiter mit Lust und Leichtigkeit.
Millgramm erzielte nach 51 Minuten seinen zweiten Treffer, als ein abgefälschter Schuss zum 5:0 im Netz landete. Auch danach blieb der FCM hungrig, drängte auf den nächsten Treffer, während Hertha kaum noch aus der eigenen Hälfte kam. Zajusch und Bytyqi belebten das Offensivspiel zusätzlich, Letzterer setzte mit seinem technisch sauberen Abschluss ins lange Eck den Schlusspunkt (78.).
»Wir wollten früh Tore machen und nie nachlassen – das ist uns gelungen«, sagte Verteidiger Julius Pfennig nach der Partie, der die Leistung seiner Mannschaft als »nahe am Optimum« bezeichnete. Und tatsächlich: Die jungen Magdeburger kombinierten wie aus einem Guss, pressten intelligent, schalteten nach Ballgewinnen blitzschnell um und demonstrierten eindrucksvoll, was moderner Offensivfußball leisten kann.
Für Hertha BSC II bleibt ein Abend zum Vergessen. Weder die Umstellungen zur Pause noch die Einwechslungen von Ünal und Zornic brachten Besserung. In keiner Phase hatte das Team Zugriff auf Spiel oder Gegner. Am Ende stand ein Resultat, das die Kräfteverhältnisse widerspiegelte: sechs Tore, zahlreiche Aluminiumtreffer und stehende Ovationen der 730 Zuschauer.
Magdeburgs U23 dagegen sendet ein deutliches Signal: Diese Mannschaft kann mehr als nur mithalten – sie spielt mit einer Selbstverständlichkeit, die in der Liga Seltenheitswert hat. Petrik Sander lächelte nach dem Schlusspfiff: »Das war eine Freude zuzusehen. Heute haben die Jungs gezeigt, was in ihnen steckt.«
Zuschauer: 730
Spielstätte: Avnet Arena, Magdeburg
Schiedsrichter: Franziska Wildfeuer – Tim Haubenschild, Fabien Schlecht
Tore: 1:0 (7.) Marusic, 2:0 (12.) Baars, 3:0 (14.) Millgramm, 4:0 (36.) Krempicki, 5:0 (51.) Millgramm, 6:0 (78.) Bytyqi
Mannschaftsaufstellungen:
1. FC Magdeburg II: Kruth – Pfennig (68. Pohl), Kamm, Mergner (46. Giesen), El-Zein, Vogler (60. Zajusch), Millgramm (51., 19. Tore), Trkulja, Marusic (60. Bytyqi, 7. Tor), Krempicki, Baars (60. Widmann)
Hertha BSC II: Mohwinkel – Berner (46. Hoffmann), Bruns (44. Gelb), Ogbaidze (39. Gelb), Ben-Hatira (46. Ünal), Bellomo (46. Zornic), Hussein (60. Gashi), Sherwood, Strasner, Ajvazi (60. Bagci), Telib
Didoss rettet Babelsberg in letzter Sekunde
Hertha 03 Zehlendorf – SV Babelsberg 03 3:3 (2:1)
Es war ein wildes, atemloses Fußballspiel mit sechs Toren, zwei Führungswechseln und einem Happy End für die Gäste: Der SV Babelsberg 03 entführte in letzter Sekunde einen Punkt aus Zehlendorf, wo Hertha 03 über weite Strecken das Geschehen bestimmte, aber am Ende zu offen agierte. George Didoss avancierte mit seinem Doppelpack zum Helden des Spiels – sein Treffer in der siebten Minute der Nachspielzeit besiegelte das 3:3 (2:1).
Die Partie begann mit hohem Tempo und zwei Teams, die den Ball laufen ließen. Zehlendorf suchte sofort die Tiefe, Keskin und Quiala setzten die Babelsberger Defensive früh unter Druck. Nach einer halben Stunde belohnten sich die Gastgeber: Keskin brach über links durch, legte quer, und Nasuhi-Noah Jones musste den Ball nur noch über die Linie drücken (26.). Die Führung wirkte wie ein Weckruf für die Gäste. Nur sieben Minuten später glich Müller nach einem Diagonalball von Zeiger eiskalt aus (33.). Babelsberg schien das Momentum auf seiner Seite zu haben, doch kurz vor der Pause schlug Zehlendorf zurück: Doll bereitete stark vor, Keller blieb vor Babke eiskalt und stellte auf 2:1 (45.).
Mit dieser Führung ging es in die Kabinen – verdient, weil Zehlendorf die klareren Aktionen hatte. Nach dem Seitenwechsel blieb das Niveau hoch. Keller verpasste das 3:1 nur knapp, während Babelsberg durch den eingewechselten Bürger mehr Zugriff im Zentrum bekam. Der Gast aus Potsdam drängte auf den Ausgleich, doch Didoss verzog zunächst aus 20 Metern. In der 72. Minute machte er es besser: Nach einem scharfen Querpass von Dahlke stand er goldrichtig und schob zum 2:2 ein.
Hertha reagierte mit frischem Personal – May und Yamada kamen für Stabilität und Tempo. Der Joker stach umgehend: Acht Minuten vor dem Ende dribbelte sich Iba May über rechts durch, zog in die Mitte und traf aus spitzem Winkel zum 3:2 (84.). Das Stadion an der Onkel-Tom-Straße bebte, die Gastgeber wähnten sich auf der Siegerstraße.
Doch Babelsberg gab sich nicht geschlagen. Trainer Zimmermann brachte mit Postelt und Georgiadi zusätzliche Offensivkräfte, und die Brandenburger warfen in der Schlussphase alles nach vorn. Als Zehlendorf in der Nachspielzeit eine Ecke nicht sauber klären konnte, landete der Ball erneut bei Didoss. Der Angreifer fackelte nicht lange und hämmerte den Ball aus kurzer Distanz zum 3:3 ins Netz (90.+7).
Während Babelsberg jubelte, sank die Hertha-Elf enttäuscht zu Boden. Es war ein Ergebnis, das beiden Seiten kaum weiterhalf: Zehlendorf verschenkte den möglichen Sprung ins obere Tabellendrittel, Babelsberg bleibt trotz Moral in der unteren Hälfte stecken.
Zuschauer: 786
Spielstätte: Stadion Lichterfelde, Berlin
Schiedsrichter: Luis Riedel – Philipp Jacob, Christian Schlömann
Tore: 1:0 (25.) Keskin, 1:1 (32.) Müller, 2:1 (45.+1) Keller, 2:2 (71.) Covic, 3:2 (83.) May, 3:3 (90.+6) Georgiadi
Mannschaftsaufstellungen:
FC Hertha 03 Zehlendorf: Dedidis – Smailovic, Wilton, Keskin (25. Tor, 65. Reimann), Wicht (80. May), Burda (80. Yamada), Schulz (38. Gelb), Keller (45.+1 Tor, 59. Wachs, 41. Gelb, 90.+5 Gelb), Doll (63. Gelb), Jones (65. Hebisch), Quiala
SV Babelsberg 03: Babke – Lang, Schätzle (72. Queißer), Müller (32. Tor, 84. Georgiadi, 75. Gelb), Covic (71. Tor), Schmidt, Perovic (46. Bürger), Didoss (78. Werbelow), Dahlke (72. Postelt, 21. Gelb), Zeiger, Kastenhofer
11. Spieltag der Regionalliga Nordost
Lok Leipzig triumphiert im Spitzenspiel
FC Rot-Weiß Erfurt – 1. FC Lok Leipzig 0:2 (0:2)
Der 1. FC Lok Leipzig hat sich eindrucksvoll im Titelrennen der Regionalliga Nordost zurückgemeldet. Nach dem Rückschlag in Jena präsentierten sich die Sachsen im Steigerwaldstadion eiskalt, taktisch diszipliniert und siegten vor 8.524 Zuschauern mit 2:0 beim FC Rot-Weiß Erfurt. Die Tore erzielten Adetula nach nur 22 Sekunden und Abderrahmane per Strafstoß (19.). Während Lok mit dieser Reifeleistung zurück an die Tabellenspitze sprang, blieb Erfurt trotz Bemühungen offensiv zu harmlos.
Es war der perfekte Start in ein Spitzenspiel, das zunächst viel versprach, sich dann aber zu einer Lehrstunde in Effizienz entwickelte. Kaum hatte Schiedsrichter Christoph Dallmann angepfiffen, kam der Ball zu Adetula, der von der Strafraumkante abzog – flach, präzise, unhaltbar. Nach 22 Sekunden stand es 0:1, und der Erfurter Matchplan war dahin, ehe er begonnen hatte. Der frühe Schock traf die Gastgeber tief, die zwar schnell versuchten, Kontrolle zurückzugewinnen, aber zu fahrig im Aufbau agierten.
Die beste Möglichkeit zum Ausgleich bot sich nach neun Minuten: Uzun legte quer auf Caciel, dessen Direktabnahme klatschte an die Latte – Pech für die Thüringer. Danach ließ Lok kaum mehr etwas zu. Die Leipziger standen kompakt, verschoben konsequent und nutzten ihre Momente im Umschalten. Als Arcalean im Strafraum von Ikene gehalten wurde, zögerte Dallmann nicht: Strafstoß. Abderrahmane verwandelte souverän zum 0:2 (19.). Es war der zweite Nadelstich in einer Phase, in der Erfurt zwar Feldvorteile, aber keine Zielstrebigkeit zeigte.
Trainer Fabian Gerber versuchte, sein junges Team lautstark zu pushen, doch jeder Angriff verlief im letzten Drittel im Sand. Felßberg, Fehler und Caciel suchten Lücken, fanden aber nur die aufmerksamen Von Piechowski und Stein. Lok agierte abwartend, lauerte auf Ballgewinne und hätte durch Adetula kurz vor der Pause sogar auf 3:0 erhöhen können. Erfurt blieb bemüht, doch symbolisch für das Spiel war Moritz’ Kopfball nach einer Ecke (42.), der weit über den Kasten segelte.
Nach dem Seitenwechsel war der Wille der Thüringer deutlich spürbar. Caciel prüfte Naumann (46.), Boboy zog aus der Distanz ab, und auch Wolf versuchte es mit Standards – ohne Erfolg. Lok verteidigte tief, überließ Erfurt den Ball und setzte über Abderrahmane und Siebeck gefährliche Konter. Die beste Gelegenheit zur Entscheidung vergab Siebeck, als er freistehend über das Tor hob (66.).
In der Schlussphase gingen den Gastgebern die Kräfte aus, und die Emotionen übernahmen. Fehler, Ikene und Boboy kassierten nacheinander Gelbe Karten, ehe Ikene nach einem Foul an Verkamp mit Gelb-Rot vom Platz musste (80.). Spätestens da war die Partie entschieden. Lok spielte die Überzahl abgeklärt herunter, hatte in der Nachspielzeit sogar noch Pech, als ein Pfostenschuss das 0:3 verhinderte.
So blieb es beim verdienten Auswärtssieg einer Leipziger Mannschaft, die wie ein Spitzenreiter auftrat – mit Effizienz, Kompaktheit und taktischer Reife. Erfurt dagegen zeigte zwar Engagement, doch ohne den gesperrten Ugondu fehlte es im Angriff an Durchschlagskraft und Struktur. Für Lok war es ein Statement-Sieg im Kampf um die Spitze, für Erfurt eine bittere Erinnerung daran, dass individuelle Klasse allein nicht reicht.
Zuschauer: 8524
Spielstätte: Steigerwaldstadion, Erfurt
Schiedsrichter: Christoph Dallmann – Florian Markhoff, Florian Strübing
Tore: 0:1 (1.) Adetula, 0:2 (19., Strafstoß) Abderrahmane
Mannschaftsaufstellungen:
FC Rot-Weiß Erfurt: Otto – Moritz, Schwarz (85. Gelb), Ikene (72. Gelb, 81. Gelb-Rot), Caciel, Wolf (67. Assibey-Mensah), Fehler (67. Durakov, 60. Gelb), Felßberg, Uzun, Boboy (85. Gelb), Adesida (78. Golubytskij)
1. FC Lokomotive Leipzig: Naumann – Stein (30. Gelb), Abderrahmane (19. Strafstoßtor), Adetula (1. Tor, 72. Kang), Ziane (89. Elsner), Siebeck, Arcalean (72. Maier), Čevis (72. Verkamp), Grözinger, Von Piechowski (90.+3 Gelb), Dombrowa (56. Zimmer, 25. Gelb)
11. Spieltag der Regionalliga Nordost
Kipppunkt Ampelkarte: Jena verliert Kontrolle
FSV 63 Luckenwalde – FC Carl Zeiss Jena 1:1 (0:1)
Jena dominierte eine Halbzeit lang, musste nach einer Ampelkarte gegen Weihrauch jedoch 50 Minuten in Unterzahl durchs Stadion der Luckenwalder ackern – und zahlte am Ende den Preis: Der eingewechselte Max Merke stocherte in Minute 83 den Abpraller zum 1:1 über die Linie und beendete damit die imposante Weiße-Weste-Serie von FCC-Keeper Liesegang nach über 710 Minuten. Für Luckenwalde fühlte sich der späte Ausgleich wie ein kleiner Sieg an, für den bisherigen Spitzenreiter wie ein unnötiger Punktverlust.
Jena trat von Beginn an auf wie eine Spitzenmannschaft: hoch positioniert, mit klarer Struktur im ersten Aufbau und viel Wucht über die rechte Seite. Frühe Standards setzten die Richtung; Lankfords scharf getretene Freistöße sorgten für stetigen Stress in der FSV-Box. Folgerichtig fiel die Führung: Talabidi schlug aus dem linken Halbfeld eine maßgenaue Flanke, am zweiten Pfosten schlich sich Rechtsverteidiger Butzen davon und drückte den Ball über die Linie – 0:1 (23.). Die bis dahin standfeste Luckenwalder Abwehr, zuletzt dreimal ohne Gegentor, war erstmals aufgerissen.
Der Spitzenreiter blieb am Drücker, doch das Spiel kippte an der Schwelle zur Pause. Weihrauch, schon verwarnt (17.) nach Schwalbe, ging in Minute 40 übermotiviert mit offener Sohle in Schleinitz – Gelb-Rot. Aus einer kontrollierten Auswärtsvorstellung wurde ein kräfteraubender Unterzahl-Kampf. Die letzten Minuten vor der Pause gehörten bereits dem FSV, der mit Rückenwind und langen Einwürfen erste Feldvorteile sammelte.
Nach dem Seitenwechsel drehte sich die Statik komplett. Luckenwalde schob die Abwehrlinie mutig an die Mittellinie, band die Außenverteidiger höher ein und suchte geduldig nach dem Durchbruch. Schneider (46.) und Caciel prüften früh die bis dahin makellose FCC-Defensive, die sich nun tiefer staffelte und auf Konter über Lankford und den fleißigen Seidemann lauerte. Gleich mehrfach konterte Jena sauber aus – die beste Szene erstickte Jannene mit klarem Stellungsspiel (55.), zudem rauschte Talabidis Kopfball nach ruhendem Ball knapp am Pfosten vorbei (86.).
Doch die Uhr lief gegen den Tabellenführer. Uluc reagierte, brachte Hoppe und Oduah, später Burmeister zur Entlastung der Flügel – ohne die Entschlossenheit der Hausherren zu brechen. Braune konterte von der Bank stärker: Doppelwechsel Will/Bachmann (61.) für mehr Präsenz im Strafraum, zum Schluss Merke und Meyer (81.) für den finalen Sturmlauf. Dass es den Lucky Punch brauchte, lag auch an Liesegang: Gegen Wills wuchtigen Kopfball nach Gollnacks Maßflanke parierte der Keeper großartig – doch Merke setzte nach und bugsierte den zweiten Ball über die Linie (83.). Der Ausgleich war vom Spielverlauf der zweiten Hälfte her verdient.
In der hektischen Schlussphase drückte der FSV sogar auf das 2:1. Seidel zwang Liesegang aus 20 Metern zu einer letzten Parade (90.), während Jena mit eingewechseltem Krämer und langen, klaren Befreiungsschlägen Zeit von der Uhr nahm. Nach vierminütiger Nachspielzeit war der Punkt für beide Teams eingehegt: Luckenwalde bestätigte die Formkurve und Moral, Jena musste mit zehn Mann Körner lassen – und erstmals seit Wochen wieder hinter sich greifen.
Unterm Strich: eine Partie mit zwei Gesichtern. Jena im ersten Durchgang reif, zielstrebig und mit sauberer Flügelmechanik; der FSV nach der Pause mit Ballbesitzübergewicht, höherem Pressing und besserer Strafraumpräsenz. Die Gelb-Rote Karte war der Wendepunkt, Merkes Wachsamkeit die Pointe.
Zuschauer: 1205
Spielstätte: Werner-Seelenbinder-Stadion, Luckenwalde
Schiedsrichter: Johannes Schipke – Max Goroncy, Laurenz Werner
Tore: 0:1 (22.) Butzen, 1:1 (83.) Merke
Mannschaftsaufstellungen:
FSV 63 Luckenwalde: Palmowski – Pollasch (80. Merke, 83. Tor, 90.+4 Gelb), Koplin (62. Bachmann), Schleinitz, Seidel, Jannene, Neumann (80. Meyer), Hathaway (46. Schneider), König (62. Will), Maciejewski (50. Gelb), Gollnack (45.+1 Gelb)
FC Carl Zeiss Jena: Liesegang – Reddemann, Lankford (73. Burmeister), Eshele (67. Hoppe, 45.+1 Gelb), Talabidi, Weihrauch (16. Gelb, 39. Gelb-Rot), Seidemann (67. Oduah), Fritz, Schau (90.+2 Krämer, 41. Gelb), Butzen (22. Tor), Hessel
11. Spieltag der Regionalliga Nordost
Später Ausgleich zerstört Chemnitzer Heimpläne
Chemnitzer FC – FC Eilenburg 2:2 (2:1)
Ein einziger Moment in der Nachspielzeit raubte dem Chemnitzer FC den greifbar nahen Heimsieg. In einem intensiven, phasenweise hitzigen Duell gegen den Abstiegskandidaten FC Eilenburg kassierten die Himmelblauen durch einen späten Treffer von William Kallenbach das 2:2 – und ließen damit zwei sicher geglaubte Punkte liegen.
Dabei hatte alles nach dem dritten Heimsieg der Saison ausgesehen. Nach einem unruhigen Beginn, in dem der CFC eiskalt erwischt wurde, fanden die Gastgeber schnell zu ihrem Rhythmus. Eilenburg startete forsch und nutzte gleich die erste Gelegenheit: Nach sechs Minuten war Pestel im Strafraum zur Stelle und schob nach einem unübersichtlichen Getümmel überlegt flach rechts unten ein – 0:1. Der frühe Rückstand wirkte wie ein Weckruf für die Elf von Benjamin Duda. Nur acht Minuten später besorgte Bozic den Ausgleich: Der Chemnitzer Mittelstürmer stieg nach einer punktgenauen Flanke am höchsten und köpfte zum 1:1 ein (14.).
Von da an spielte fast nur noch Chemnitz. Grimaldi, erneut Bozic und Alberico sorgten für ständigen Druck auf die Eilenburger Viererkette. Nach 28 Minuten hatte Bozic den Führungstreffer auf dem Fuß, doch sein fulminanter Schuss aus 17 Metern knallte an die Querlatte – ein Treffer mit Prädikat »Tor des Monats« blieb ihm verwehrt. Kurz vor der Pause fiel dann aber doch das verdiente 2:1: Nach feinem Kombinationsspiel über die linke Seite legte Bozic quer auf Grimaldi, der aus kurzer Distanz mühelos einschob (43.).
Nach dem Seitenwechsel bot sich das gleiche Bild – Chemnitz spielbestimmend, Eilenburg lauernd auf Fehler. Doch die Gäste blieben mit sporadischen Nadelstichen gefährlich. Mattmüller vergab frei vor Adamczyk die größte Möglichkeit (57.), nachdem Kosak kurz zuvor ebenfalls kläglich gescheitert war (48.). Auf der Gegenseite verpasste Alberico das 3:1, als Pieles glänzend reagierte (53.).
Dann kippte die Partie. In der 63. Minute gerieten Bozic und Eilenburgs Zaruba aneinander, der CFC-Stürmer trat nach – Rot. Chemnitz nun in Unterzahl, und doch blieb die Duda-Elf zunächst das aktivere Team. Mergel und Stockinger suchten weiter den Weg nach vorn, während Eilenburg trotz numerischer Überlegenheit kaum Lösungen fand. Erst in der Schlussphase übernahmen die Gäste zunehmend das Kommando, drängten Chemnitz tief in die eigene Hälfte.
Die Nachspielzeit brachte schließlich den bitteren Ausgang: Nach einer letzten Flanke herrschte Chaos im Strafraum, Kallenbach reagierte am schnellsten und jagte den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte (90.+4). Adamczyk war ohne Abwehrchance – der Lucky Punch war perfekt.
Chemnitz stand konsterniert auf dem Platz, während die Eilenburger jubelnd zum Gästeblock rannten. Für den CFC fühlte sich das Remis wie eine Niederlage an, zumal man lange das Spiel kontrolliert und die klareren Chancen gehabt hatte. Eilenburg dagegen nahm den späten Punkt mit, als wäre es ein Sieg.
Zuschauer: 4143
Spielstätte: eins-Stadion – An der Gellertstraße, Chemnitz
Schiedsrichter: Johannes Drößler – Marko Wartmann, Lars Albert
Tore: 0:1 (6.) Pestel, 1:1 (14.) Bozic, 2:1 (43.) Grimaldi, 2:2 (90.+3) Kallenbach
Mannschaftsaufstellungen:
Chemnitzer FC: Adamczyk – Bochmann, Erlbeck (46. Eppendorfer), Stockinger (77. Marx), Alberico, Pistol (33. Gelb), Grimaldi (43. Tor, 77. Damer), Müller F. (65. Mergel, 72. Gelb), Ekui (65. Walther, 87. Gelb), Bozic (14. Tor, 64. Rot), Müller T. (65. Mergel, 41. Gelb)
FC Eilenburg: Pieles – Zaruba (64. Gelb), Kosak (77. Henkel), Fischer, Kretzer, Niemitz (90.+2 Gelb), Aguilar (88. Schädlich), Pestel (6. Tor), Poser (46. Mattmüller), Schlicht, Mauer (77. Kallenbach, 45. Gelb, 90.+3 Tor)
11. Spieltag der Regionalliga Nordost
Damelang beendet Halles Durststrecke
Hallescher FC – ZFC Meuselwitz 1:0 (0:0)
Der Hallesche FC hat seine Negativserie beendet und sich mit einem knappen, aber verdienten 1:0-Heimsieg über den ZFC Meuselwitz in die Erfolgsspur zurückgekämpft. Vor 4.500 Zuschauern im Leuna-Chemie-Stadion avancierte Julien Damelang mit seinem Treffer in der 59. Minute zum Matchwinner eines intensiven, phasenweise zerfahrenen Spiels, das vom Kampf geprägt war und in dem die Gastgeber nach einer Gelb-Roten Karte in Unterzahl bestehen mussten.
Nach vier sieglosen Spielen in Folge war die Verunsicherung beim HFC spürbar, und so begannen die Hausherren zwar bemüht, aber wenig zwingend. Meuselwitz verteidigte kompakt, lauerte auf Umschaltmomente – und hatte die erste echte Chance: Pauling und Hansch setzten früh Akzente, doch Halles Keeper Müller war aufmerksam. Der HFC brauchte über eine Viertelstunde, um sich ins Spiel zu arbeiten. Hartmann und Elezi führten Regie im Zentrum, Damelang brachte über die linke Seite Dynamik ein. Nach Fakhros Kopfballablage verzog Damelang noch (17.), ehe Hartmann kurz darauf Sedlak prüfte (26.).
Die beste Möglichkeit vor der Pause hatte erneut Halle: Elezi zog aus der Distanz ab, doch ZFC-Schlussmann Sedlak lenkte den Ball reaktionsschnell über den Querbalken (42.). Meuselwitz blieb gefährlich, wenn es gelang, den Ball schnell durch die Mitte zu spielen. Trübenbachs Freistoß (34.) rauschte nur knapp am Pfosten vorbei, Pfeils akrobatischer Versuch wurde abgeblockt (31.). Zur Pause stand es leistungsgerecht 0:0 – mit Vorteilen für den HFC, aber ohne Zielgenauigkeit.
Nach dem Seitenwechsel erwischten die Gäste den besseren Start. Balde setzte Hansch in Szene, dessen Heber über Müller hinweg nur Zentimeter am Tor vorbeiging (47.). Kurz darauf verpasste Pauling freistehend die Führung, als er den Ball aus 14 Metern über den Kasten jagte (50.). Halle wankte kurz, doch dann drehte sich das Spiel. In der 57. Minute köpfte Hartmann nach Damelangs Flanke an den Pfosten – der Weckruf. Zwei Minuten später landete der Ball im Netz: Hauptmann zog aus der Distanz ab, Sedlak konnte den Ball nur abklatschen lassen, Damelang schaltete am schnellsten und staubte aus kurzer Distanz zum 1:0 ab (59.).
Mit der Führung im Rücken kontrollierte der HFC nun das Geschehen, ehe sich das Blatt erneut wendete. In der 75. Minute sah Landgraf nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte, Halle musste die Schlussviertelstunde in Unterzahl bestreiten. Meuselwitz witterte seine Chance und drückte. Pfeil (90.+4) und Schmökel (90.+1) kamen noch zu guten Kopfballmöglichkeiten, doch beide verfehlten knapp. Auf der Gegenseite hätte Elezi per Konter alles klar machen können, scheiterte aber an Sedlak (90.+2).
Am Ende stand ein mühsamer, aber moralisch wichtiger Sieg für die Gastgeber, die damit den freien Fall stoppen. Halle verdiente sich den Erfolg durch mehr Initiative und Leidenschaft, auch wenn das Offensivspiel weiterhin wenig Leichtigkeit ausstrahlte. Meuselwitz bot eine disziplinierte Vorstellung, blieb im Abschluss jedoch glücklos.
Zuschauer: 5127
Spielstätte: LEUNA-CHEMIE-STADION, Halle (Saale)
Schiedsrichter: Kai Kaltwaßer – Christoph Beblik, Julius Hanft
Tore: 1:0 (59.) Damelang
Mannschaftsaufstellungen:
Hallescher FC: Müller – Zaruba, Löhmannsröben (32. Gelb, 73. Halili), Fakhro (70. Polat), Hartmann (70. Baro), Stierlin (66. Gelb), Hauptmann, Becker, Landgraf (61. Gelb, 76. Gelb-Rot), Damelang (59. Tor, 79. Berger), Elezi
ZFC Meuselwitz: Sedlak – Rehder (17. Gelb, 81. Eckardt), Trübenbach, Kaymaz (40. Gelb, 89. Seidemann), Oke (89. Burghold), Pfeil, Keßler, Pauling, Balde, Hansch (72. Wurr), Schmökel
11. Spieltag der Regionalliga Nordost
Putaros Elfer beendet Serie des FSV
BFC Dynamo – FSV Zwickau 1:0 (0:0)
Am Feiertagnachmittag verwandelte sich das Sportforum Hohenschönhausen in eine Bühne für ein Traditionsduell, das von Intensität, Emotionen und ungenutzten Chancen geprägt war. Der BFC Dynamo stoppte mit einem späten 1:0-Erfolg durch einen Strafstoß von Marcello Putaro die Serie des FSV Zwickau, der zuvor dreimal in Folge gewonnen hatte.
Die Gäste von Trainer Rico Schmitt legten los wie die Feuerwehr. Bereits in der Anfangsviertelstunde tauchten die Westsachsen mehrfach gefährlich vor dem Berliner Tor auf. Nach einem Freistoß flog Eixlers Kopfball knapp vorbei (4.), kurze Zeit später setzten Breitenbücher (8.) und erneut Eixler (11.) die ersten Nadelstiche. Als Martens aus kurzer Distanz den linken Innenpfosten traf (17.), schien der Führungstreffer nur noch eine Frage der Zeit. Doch im Dynamo-Kasten stand ein Mann, der sich zum Turm in der Schlacht entwickelte: Jonas Ortegel. Immer wieder parierte er brenzlige Situationen, ob gegen Breitenbücher (15.) oder Eixler (24.), und hielt sein Team im Spiel.
Dynamo brauchte lange, um eigene Akzente zu setzen. Putaro tauchte einmal gefährlich im Strafraum auf (31.), scheiterte jedoch an FSV-Keeper Hiemann. In der 38. Minute hatten die Gastgeber dann ihrerseits Pech, als Knezevic’ Schuss an die Querlatte krachte. Die erste Halbzeit bot damit Chancen im Überfluss, doch Tore fielen nicht.
Nach der Pause blieb das Bild zunächst ähnlich. Zwickau kombinierte gefällig, vergab aber weiter: Breitenbücher drückte eine Hereingabe aus kurzer Distanz über das Tor (47.). Dynamo hingegen lauerte auf Umschaltmomente und profitierte von einem Fehler der Gäste. Zunächst klärte Ziemer noch in höchster Not auf der Linie, als der eingewechselte Fritzsche Hiemann bereits umkurvt hatte (59.). Doch der Innenverteidiger stand wenig später im Mittelpunkt der spielentscheidenden Szene: Nach einem Zweikampf mit Fritzsche im Strafraum zeigte Schiedsrichter Riemer auf den Punkt. Putaro trat an und verwandelte eiskalt unten links (76.).
Der Treffer setzte Zwickau unter Druck. Doch trotz weiterer Wechsel – unter anderem kamen Jacobi, Möbius und Zimmermann – fehlte im Angriffsdrittel die letzte Präzision. Versuche aus der Distanz (68., 77., 90.+4) blieben ungefährlich, auch eine Schlussoffensive mit Torwart Hiemann im Strafraum brachte keinen Ertrag. Dynamo verteidigte leidenschaftlich, zog geschickt Fouls und brachte den knappen Vorsprung über die Zeit.
Während die Berliner nach einer bislang enttäuschenden Saison ein Ausrufezeichen setzen konnten, haderte Zwickau mit der eigenen Chancenverwertung. Für die Westsachsen endete eine kleine Erfolgsserie, die sie bis auf Rang sechs geführt hatte. Dynamo hingegen schaffte durch den Dreier den Anschluss ans Tabellenmittelfeld.
Zuschauer: 2812
Spielstätte: Sportforum Stadion, Berlin
Schiedsrichter: Marcel Riemer – Florian Lukawski, Tobias Behm
Tore: 1:0 (76., Strafstoß) Putaro
Mannschaftsaufstellungen:
BFC Dynamo: Ortegel (90. Gelb) – Polte, Oellers, Breitfeld, Windsheimer (79. Pereira), Putaro (76. Tor), Gunte, Knezevic (90.+2 Sambale), Pestic (35. Gelb), Wrebiakowski (46. Fritzsche, 88. Gelb), Reincke
FSV Zwickau: Hiemann – Senkbeil, Dobruna (63. Zimmermann), Somnitz (88. Gelb), Martens (18. Gelb), Breitenbücher (62. Möbius), Startsev (80. Sezer, 65. Gelb, 87. Gelb), Sengersdorf (80. von Baer), Eixler, Ziemer, Haubner (71. Jacobi)
11. Spieltag der Regionalliga Nordost
Stürmerfest in Leutzsch: Ratifo trifft dreifach
BSG Chemie Leipzig – VSG Altglienicke 3:0 (1:0)
Die BSG Chemie Leipzig hat am Tag der Deutschen Einheit ein Ausrufezeichen gesetzt und im heimischen Alfred-Kunze-Sportpark vor 4.999 Zuschauern den favorisierten VSG Altglienicke mit 3:0 bezwungen. Überragender Akteur war Stürmer Stanley Ratifo, der alle drei Treffer erzielte und die Berliner Defensive fast im Alleingang zur Verzweiflung brachte. Während Chemie den zweiten Saisonsieg bejubeln durfte, offenbarte Altglienicke erstaunliche Ideenlosigkeit.
Von Beginn an war Chemie die aktivere Mannschaft. Mit hoher Intensität in den Zweikämpfen und schnellen Umschaltmomenten setzte das Team von Trainer Miroslav Jagatic den Gästen früh zu. Schon nach sieben Minuten brannte es erstmals im Strafraum der VSG, als Mäder im Gewühl abschloss und die Latte traf. Dieser Aluminiumtreffer sollte der Auftakt zu einer Reihe ungenutzter Möglichkeiten sein. Zwischen der 24. und 45. Minute landeten gleich zwei weitere Leipziger Versuche am Querbalken – zunächst ein Schuss von Kießling nach Ratifos Vorarbeit, später erneut der Mittelfeldmann aus kurzer Distanz.
In der 26. Minute fiel dann doch die verdiente Führung – wenn auch unter kuriosen Umständen. Nach einem Ballverlust von Kebe im Mittelfeld schickte Hoffmann den startenden Ratifo, der Klatte umkurvte, aber von einem Verteidiger angeschossen wurde. Der Ball trudelte Richtung Torlinie, ein Abwehrversuch kam zu spät. Schiedsrichter Rauschenberg entschied auf Tor – trotz heftiger Proteste der Berliner.
Altglienicke fand in der ersten Hälfte kaum Mittel gegen die aggressive Chemie-Defensive. Lediglich Sylla kam einmal zum Kopfball (22.), doch Horenburg im BSG-Tor blieb ungeprüft. Nach der Pause versuchten die Gäste mit zwei frischen Kräften – Johannes Manske und Louis Wagner kamen –, das Spiel zu drehen. Doch die Leipziger hielten nicht nur stand, sie setzten den entscheidenden Nadelstich.
In der 54. Minute gewann Lihsek im Mittelfeld den Ball, marschierte über den halben Platz und bediente im perfekten Moment Ratifo, der mit einem platzierten Schuss ins kurze Eck auf 2:0 erhöhte. Altglienicke wirkte nun geschockt und fand offensiv weiterhin nicht statt. Der dritte Leipziger Treffer war folgerichtig: Lisinski flankte von rechts, Ratifo stieg am langen Pfosten hoch und köpfte in der 71. Minute zum 3:0 ein. Spätestens jetzt war die Partie entschieden.
Chemie verteidigte in der Schlussphase kompakt, blockte auch die wenigen Abschlussversuche der VSG und hätte sogar durch den unermüdlichen Ratifo noch nachlegen können. Von einem Aufbäumen der Berliner war hingegen kaum etwas zu sehen. So feierte die BSG einen in dieser Deutlichkeit unerwarteten Erfolg, der vor allem auf Robustheit, mannschaftliche Geschlossenheit und die Kaltschnäuzigkeit ihres Torjägers zurückzuführen war.
Für Altglienicke, das bislang zu den stabilsten Teams der Liga gehörte, ist die Niederlage ein herber Dämpfer. Chemie hingegen schöpft neue Hoffnung im Abstiegskampf – getragen von einem Stanley Ratifo in Torlaune.
Zuschauer: 4999
Spielstätte: Alfred-Kunze-Sportpark Hauptfeld, Leipzig
Schiedsrichter: Chris Rauschenberg – Patrick Kluge, Nils Schröter
Tore: 1:0 (26.) Ratifo, 2:0 (55.) Ratifo, 3:0 (71.) Ratifo
Mannschaftsaufstellungen:
BSG Chemie Leipzig: Horenburg – Enke, Mäder (80. Griebsch), Seidel, Aliji, Wendt, Hoffmann (86. Hollenbach), Lihsek (68. Nadjombe), Lisinski, Ratifo (80. Timpelan), Kießling (86. Sanin, 53. Gelb)
VSG Altglienicke: Klatte – Kebe, Manske, Kizildemir (46. J. Manske), Nietfeld, Schickersinsky (69. Qenaj), Kapp, Saliger (46. Wagner), Rieder (58. Gelb), Sylla, Friedrich (78. Kardam, 74. Gelb)
11. Spieltag der Regionalliga Nordost
Brandts Freistoß kontert Vogts Treffer
Greifswalder FC – BFC Preussen 1:1 (1:0)
Ein später Treffer von Niklas Brandt bewahrte den BFC Preussen vor einer Niederlage beim ambitionierten Greifswalder FC. Vor 14 Uhr-Anstoßzeit entwickelte sich an der Ostsee eine intensive und temporeiche Partie, die beide Mannschaften mit offenem Visier führten. Am Ende stand ein leistungsgerechtes 1:1, das vor allem die Effizienz im Abschluss und die Standardsituationen in den Mittelpunkt rückte.
Greifswald startete schwungvoll in die Begegnung, suchte früh die Tiefe und hatte durch Atilgan und Benyamina bereits in der Anfangsphase klare Gelegenheiten. Der Ex-Dresdner Atilgan scheiterte mit einem Heber, den Preussen-Verteidiger in höchster Not von der Linie kratzten (11.), wenig später zwang Richardson Habel im Berliner Tor zu einer Parade. Auf der Gegenseite meldete sich Breitkreuz mit einem Kopfballversuch (24.) und einem Schuss (16.) zu Wort, doch insgesamt gehörte die erste halbe Stunde den Hausherren.
Zwischen Minute 32 und 39 brannte es lichterloh im Berliner Strafraum: Atilgan scheiterte zweimal an Habel, Benyamina zielte knapp vorbei, ehe Atilgan nach einer Ecke per Kopf die Latte traf. Das 1:0 schien nur eine Frage der Zeit – und fiel prompt. Nach Atilgans Pfostenschuss reagierte David Vogt am schnellsten und staubte aus kurzer Distanz zum verdienten Führungstreffer ab (42.). Mit diesem Resultat ging es auch in die Pause, wobei Greifswald den Vorsprung höher hätte ausbauen können.
Preussen-Trainer Daniel Volpert reagierte in der Halbzeit und brachte mit Hoch und Ramadan frische Kräfte. Das zahlte sich insofern aus, als die Gäste nun mehr Präsenz im Mittelfeld entwickelten und Greifswald tiefer in die eigene Hälfte drängten. Zwar blieb die Heimelf durch Benyamina gefährlich (50., 58.), doch zunehmend übernahmen die Berliner das Kommando. Mit den Einwechslungen von Maric und Adekunle erhöhte sich der Druck, die Standardsituationen häuften sich.
In der 70. und 79. Minute führte Preussen gleich zwei Ecken in Serie gefährlich aus, bevor der Ausgleich schließlich fiel. Einen Freistoß aus rund 20 Metern zirkelte Routinier Niklas Brandt in die Maschen (80.) – Jakubov im Greifswalder Tor hatte dabei das Nachsehen. Der Treffer belohnte die Gäste für ihren kämpferischen Aufwand und spiegelte die nun ausgeglichene Partie wider. In der hektischen Schlussphase sahen Hoch und Brehmer Gelb, während Brandt in der Nachspielzeit noch die große Chance zum Sieg vergab (92.), als sein Schuss knapp am rechten Pfosten vorbeistrich.
So blieb es beim 1:1, mit dem beide Teams leben können: Greifswald ärgerte sich über die verpasste Vorentscheidung vor der Pause, während Preussen dank einer Steigerung im zweiten Durchgang den Punkt als Erfolg verbuchen durfte.
Am kommenden Spieltag gastiert der Greifswalder FC beim BFC Dynamo – ein echter Härtetest im Titelkampf. Preussen empfängt parallel die formstarke VSG Altglienicke.
Zuschauer: 941
Spielstätte: Stadion, Greifswald
Schiedsrichter: Tim Gerstenberg – Henry Müller, Jakob Scheibner
Tore: 1:0 (42.) Vogt, 1:1 (80.) Brandt
Mannschaftsaufstellungen:
Greifswalder FC: Jakubov – Tomety-Hemazro (83. Montcheu), Kaizer, Farr (45.+2 Gelb), Hüther (72. Daedlow), Richardson (67. Gelb), Vogt (42. Tor), Wagner, Eglseder, Benyamina, Atilgan (72. Harz)
BFC Preussen: Habel – Kireski (53. Gelb), Brandt (80. Tor), Fontein (78. Gouano), Dikarev (68. Maric), Mensah (46. Ramadan), Breitkreuz, Frank (46. Hoch, 87. Gelb), Brehmer (88. Gelb), Stein, Meyer (68. Adekunle)
Texte: Holger Elias
Bitte beachten Sie: Die Fotos unseres Medienpartners Ostsport.tv sind mit der jeweiligen Videozusammenfassung auf Youtube verlinkt. Es öffnet sich ein externes Fenster.
