Regionalliga Nordost
NACHGEHAKT - Uluc hofft auf nötige Ruhe und Zeit für Alipour
Mit der Begegnung am Dienstagabend ist der 6. Spieltag Geschichte: Der FC Carl Zeiss Jena gewann verdient bei der BSG Chemie Leipzig mit 2:0. Jena bleibt an den Spitzenteams dran und Chemie weiter ohne Punkt in dieser Saison. Die Lage der Leutzscher spitzt sich also weiter zu.
Wir wollen weiter nachhaken und schauten bei den Pressekonferenzen in Erfurt, Chemnitz, Greifswald, Luckenwalde, Zwickau und beim BFC Dynamo sowie in Leipzig-Leutzsch vorbei: Wie gehen die sportlich Verantwortlichen mit Sieg und Niederlage um, wo sehen sie die Stärken und Schwächen ihrer Mannschaften, wo besteht Veränderungsbedarf?
Uluc-Elf liefert, Chemie reagiert zu spät
Dienstagabend, Leutzsch kocht – doch der FC Carl Zeiss Jena bleibt kühl. Der Favorit setzt sich vor 4.999 Zuschauern mit 2:0 durch und unterstreicht seine Ambitionen, während Chemie weiter auf den ersten Punkt wartet. Gäste-Trainer Volkan Uluc brachte die Lage präzise auf den Punkt: »Unter dieser Konstellation kann man hier in Leipzig eigentlich nicht besser Fußball spielen. Wir haben das Spiel dominiert, drei, vier Hochkaräter, zweimal Aluminium – einzig der Treffer hat zur Pause gefehlt.« Chemies Coach Adrian Alipour hielt nicht dagegen: »Wir haben 45 Minuten lang reagiert, ausschließlich gegen den Ball gearbeitet und hatten großes Glück, nicht in Rückstand zu geraten.«
Jena nahm die Partie von Beginn an in den Schraubstock, presste geordnet, schloss Umschaltwege, variierte zwischen sauberen Aufbauwinkeln und tiefen Läufen in die Halbräume. Die Leipziger liefen – und liefen hinterher. »Die Ruhe zu bewahren, nicht hektisch zu werden und im höchsten Tempo weiterzuspielen – das war die Halbzeitbotschaft«, erklärte Uluc. Chemie rettete das 0:0 in die Kabine, ohne Entlastung. Alipour hoffte dennoch: »Wenn es 0:0 steht, hoffst du auf den einen Konter, die eine Situation.« Die kam nicht. Stattdessen entschied Jena die Partie mit zwei Musterszenen, die die Qualitätsunterschiede freilegten.
Zunächst brach Kevin Lankford den Bann (52.). Jena hebelte die letzte Linie mit einem präzisen Ball, Lankford antizipierte besser, spritzte durch – und vollstreckte eiskalt. »Das zweite hat uns noch mal Ruhe gegeben«, sagte Uluc später – und seine Mannschaft lieferte. Der FCC blieb dominant im Gegenpressing, würgte Leipziger Ansätze früh ab und legte nach: Patrick Weihrauch schob nach kurz getaktem Steckpass abgeklärt ein (67.). Alipours Analyse war schonungslos: »Beim 0:1 verteidigen wir es nicht gut, beim 0:2 lassen wir Weihrauch im Rücken laufen. Da sieht man die Klasse, die Jena vorn hat.«
Erst jetzt löste Chemie die Fesseln. Die Außen schoben höher, der Ball lief mutiger, Zweikämpfe wurden aggressiver geführt. »Schade ist, dass wir erst beim 0:2 anfangen, befreit Fußball zu spielen«, haderte Alipour. Eine gute Gelegenheit war da, doch zwingende Wucht entwickelte die BSG auch in ihrer besten Phase nicht. Jena blieb strukturiert, schob im Block, verteidigte die Box mit klaren Zuordnungen und nahm Tempo aus den Leipziger Flankenläufen. »Wir haben nicht viel erlaubt«, bilanzierte Uluc, ohne zu überhöhen: »Hier ist mächtig Druck unterm Kessel, da kann immer einer durchrutschen – aber die Jungs haben das gut gemacht. Zu null, drei Punkte, wir sind sehr zufrieden.«
Bei allem sportlichen Kontrast blieb der Ton respektvoll. Uluc richtete explizit den Blick auf den Gegner: »Ich hoffe, dass Adrian hier die nötige Ruhe und Zeit bekommt. Es ist eine schwierige Situation – aber bewahrt man Ruhe, kommt man da raus. Geiler Verein, guter Club.« Alipour konterte mit Fakten: »Defensiv haben wir viel investiert, aber unser erster sauberer Durchbruch kommt zu spät. Verdienter Sieg für Jena.« Der Tenor: Chemie zeigte Haltung, hielt lange mit Herz und kollektivem Verschieben dagegen, doch im letzten Drittel fehlten Tempo, Genauigkeit und die berühmte erste saubere Aktion – Jena bekam genau das, was es brauchte.
Unterm Strich nahm der Favorit das Spiel an, ohne zu glänzen, und entschied es in den Momenten, die zählen. »Die Mannschaft musste nach dem Wochenende liefern – und sie hat geliefert«, sagte Uluc. Bei Chemie bleibt die Suche nach einem Stabilisator im Ballbesitzspiel und nach Mut vor der 60. Minute. Der Abend hinterließ klare Linien: Jena abgeklärt, effizient, defensiv sauber – Chemie aufopferungsvoll, aber zu passiv in Halbzeit eins und zu spät mit echter Überzeugung.
Leopold: Hacken uns die Beine selbst um
Ein abgeklärter FSV Zwickau hat das Derby gegen den ZFC Meuselwitz – dank Standardstärke und stabiler Restverteidigung – verdient mit 2:0 gewonnen. Matchwinner: Nils Somnitz, der erst vom Punkt traf und nach der Pause einen einstudierten Freistoß veredelte. Während Rico Schmitt eine »reife, seriöse Vorstellung« seines Teams sah, überwog bei Georg-Martin Leopold Frust: »Ich bin heute doppelt enttäuscht – einmal enttäuscht, einmal sehr enttäuscht.«
Meuselwitz startete energisch, legte die ersten Duftmarken und ließ die Führung liegen. »Wir haben die ersten zwei Monsterchancen des Spiels – zwei sehr klare Kopfbälle von Florian Hansch und Jan Hallasch«, haderte Leopold. Bis Minute 35 sei sein Team »ein ordentliches Auswärtsspiel« gefahren, mit klarer Ordnung und mutigen Tiefenläufen. Dann brach der Faden – selbstverschuldet. »Wir kriegen einen Freistoß zugesprochen, spielen vertikal – in die Füße des Gegners. Konter, Elfmeter, 0:1«, beschrieb der ZFC-Coach die Schlüsselszene nüchtern. Ein ähnlicher Ballverlust leitete nach der Pause den zweiten Gegentreffer ein: »Nicht wach beim Freistoß – und dann ist es schwer, zurückzukommen.«
Zwickau brauchte Anlauf, überstand die frühen Wackler – und fand in Struktur und Standards das Mittel der Wahl. Schmitts Dank ging zunächst auf die Ränge: »4.268 Zuschauer an einem Sonntagnachmittag, Ende August – ohne Gästefans. Das ist ein überragendes Statement.« Dann der Blick auf die Trainingsarbeit: »Kompliment an meinen Trainerstab. Beim 2:0 fällt das Tor aus einer Standardsituation, an der wir gearbeitet haben. Da braucht es Kreativität – und Mut.« Schon vor der Pause deutete der FSV das Muster an, dann griff es: Martens spielte den Tiefenlauf klug, Eixler wurde im Strafraum gestellt – Strafstoß. »Dass sich Max Somnitz in einer unruhigen Phase den Ball schnappt und eiskalt verwandelt, spricht für die Mannschaft«, lobte Schmitt.
Mit der Führung im Rücken zog Zwickau die Zügel an. »Wir hatten im Mittelfeld riesen Platz, den haben wir zunehmend besser genutzt«, so Schmitt. Nach Wiederbeginn setzten die Hausherren über linke Überladungen und Standards die Akzente; der zweite Streich folgte nach einem flach servierten Freistoß in den kurzen Raum, den Somnitz aus der Bewegung ins Eck schob. Meuselwitz reagierte, brachte frische Beine – doch der ZFCl blieb im letzten Drittel zu harmlos. Zwickau verteidigte die Box konsequent, gewann die ersten Kontakte, begrenzte Risiko. »Diese Druckphase – und was mir gefällt – wir arbeiten nach hinten. Da waren ein, zwei wichtige Blocks, Rückwärtssprints, alle gemeinsam«, ordnete Schmitt die Schlussviertelstunde ein.
Leopold monierte weniger Struktur als Haltung nach dem 2:0: »Bis Minute 80 hatten wir das Spiel aufgegeben oder uns zu wenig zugetraut. Ich hätte mir mehr Mut gewünscht – auch von den Jungs, die reinkommen. Selbst wenn du in der 88. den Anschluss machst, kann noch was gehen.« Sein Fazit fiel hart, aber konstruktiv aus: »Leistungsmäßig war das in Halbzeit eins okay. Wir hacken uns die Beine aber selbst um. Es wird ein schwerer Weg – schwerer als letztes Jahr –, aber wir müssen das Tor wieder häufiger treffen.«
Schmitt wiederum rahmte den Dreier im Wochenverlauf: »Gegen Jena mehr gelaufen, mehr Sprints als zuvor, bei Hertha in Führung gegangen – heute das nächste Stück Reife. Neun Punkte Ende August, zuhause Serie ausgebaut und zu null – top.« Dass das Publikum auch in der zähen Anfangsphase ohne Pfiffe blieb, strich er heraus: »Das hilft der Mannschaft enorm. Kritik ja – aber die Haltung auf den Rängen war stark.«
Unterm Strich siegte die klarere Idee: Zwickau kombinierte Kontrolle mit vertikalen Stichen und schlug bei ruhenden Bällen zu; Meuselwitz verpasste das Momentum der ersten halben Stunde – und verlor nach Rückstand Bindung an die Box.
Sander moniert »verschlafene« 45 Minuten
Ein Satz prägte die Pressekonferenz im Steigerwaldstadion: »Man muss das Spiel zweigeteilt sehen«, sagte Magdeburgs Coach Petrik Sander nach der 1:3-Niederlage in Erfurt – und traf damit den Kern. Vor 6.208 Zuschauern legte Rot-Weiß ein nahezu fehlerfreies erstes Drittel des Abends hin, traf dreimal durch Wolf, Ugondu und Aboagye – und verteidigte danach mit jener Entschlossenheit, die englische Wochen oft verlangen. »Wir wussten, dass wir heute auf eine Topmannschaft treffen«, betonte RWE-Trainer Fabian Gerber: »Es war keine normale Regionalliga-Partie, eher eine Mischung aus Zweiter Bundesliga und Regionalliga. Meine Mannschaft hat das in Halbzeit eins sensationell gemacht.«
Sander hatte gleich zu Beginn das Hauptproblem seiner U23 auf dem Zettel: »Wir wussten, dass wir gegen eine der umschaltstärksten Mannschaften der Liga spielen.« Genau in diese Zonen lief sein Team hinein. »Wir haben es zu einfach gemacht, gegen uns Tore zu erzielen«, haderte er. Die Thüringer dagegen setzten die Pressing-Trigger klug, erzwangen Fehler – und schlugen mit maximaler Effizienz zu. »Fast jeder Schuss war ein Treffer«, so Sanders bitteres Fazit zur ersten Hälfte, die für den FCM II »verschlafen« war.
Gerber legte den Fokus auf Disziplin und Kompaktheit. »Gegen eine Topmannschaft aus Magdeburg so diszipliniert zu agieren, alles wegzuverteidigen – ich kann mich an keine Chance in Halbzeit eins erinnern.« Gleichzeitig sprach er offen über die personellen Grenzen: »Wir laufen aktuell schon auf dem Zahnfleisch. ‘Schwarzi’ ist kurzfristig ausgefallen, ‘Robi’ hat kein Auge zugemacht, ‘Io’ hat sein erstes Spiel gemacht – überragend, aber noch nicht bei 100 Prozent. 20 sind möglich, wir hatten maximal 17 im Kader.« Umso höher wertete er das 3:0 zur Pause: »Verdientermaßen«, wie der Coach betonte.
Dass die Partie nach Wiederanpfiff noch einmal Fahrt aufnahm, lag für Sander in der Statik begründet: »Mit dem Tor entwickelt sich eine eigene Dynamik.« Seine Mannschaft war nun »dominanter, klarer«, unterband Erfurter Konter »auch auf Kosten von zwei Gelben Karten«. Der Anschluss zum 3:1 gab den »Bubis« Rückenwind – und nährte kurz Sanders Hoffnung: »Es gab eine unübersichtliche Situation im Strafraum, aus meiner Sicht ein Elfmeter. Dann kann so ein Spiel kippen – ist es aber nicht.« Schlussbilanz mit Handschlag: »Verdienter Sieg. Glückwunsch zu den drei Punkten. Wir lassen den Kopf nicht hängen – neun Punkte sind eine gute Ausbeute.«
Gerber wiederum ordnete die schwächere Erfurter Phase selbstkritisch ein: »Wir haben sie unnötig ins Spiel gebracht. Vorher können wir den Sack zumachen, stattdessen ein individueller Fehler im Zentrum – und dann wird’s eklig.« In der letzten halben Stunde sah er vor allem Mentalität: »Da hieß es über den Schweinehund gehen, kratzen, beißen, kämpfen und den Sieg nach Hause fahren.« Der Torwart parierte, die Viererkette hielt die Box, vorn fehlte die Präzision im Konter – aber der Plan, den Vorsprung zu verwalten, stand. »Erste Halbzeit überragend gespielt, zweite leidenschaftlich verteidigt«, bilanzierte Gerber und richtete den Blick nach vorn: »Jetzt Wunden lecken, regenerieren. Wir brauchen jeden Mann. Sechs Spiele, 15 Punkte – ich bin sehr zufrieden und stolz auf die Jungs.«
Einen Nachtrag hatte Sander noch – und der sorgte für ein Schmunzeln im Saal: »Ich möchte mit der Mär aufräumen, wir seien gespickt mit Zweitligaspielern. Aus dem Profikader war heute ein Feldspieler dabei, plus der dritte Torwart. Der Rest trainiert bei uns. Punkt.« Und zur Atmosphäre in Erfurt: »Dass Schiedsrichter mit Beifall verabschiedet werden, habe ich so auch noch nicht erlebt – sehr amüsant.«
Unterm Strich steht ein Abend, der beiden Trainern Futter für die Trainingswoche liefert – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Erfurt kann an die »überragende« Struktur der ersten 45 Minuten anknüpfen und seinen Reifeprozess im Verteidigen einer Führung fortschreiben. Magdeburg II nimmt die Lehre mit, Risiko und Restverteidigung in Balance zu bringen: »Aufbau, Ballzirkulation – alles gut«, sagte Sander, »aber unterm Strich zählt, was dabei herauskommt.« In Erfurt war das zu wenig. Die Punkte blieben dort, wo die Effizienz wohnte.
Volbert sah »bockstarke erste Halbzeit«
Die Zahlen lesen sich nüchtern, die Zwischentöne der Trainer weniger: 1:1 zwischen dem Chemnitzer FC und dem BFC Preussen – ein Remis, das Benjamin Duda und Daniel Volbert sehr unterschiedlich einordnen. »Fühlt sich für uns jetzt so nach dem Spiel natürlich nicht gut an. Wir sind bedient, enttäuscht, ernüchtert«, bilanzierte CFC-Coach Duda. Volbert wiederum sprach von einem »absolut in Ordnung« gehenden Punkt – und legte zugleich Widerspruch gegen die Rote Karte ein, die seinem Team die Schlussphase erheblich erschwerte.
Zunächst das Sportliche. Volbert sah »eine bockstarke erste Halbzeit« seiner Mannschaft: viel Ballbesitz, Ruhe im Aufbau, zwei bis drei klare Möglichkeiten – vor allem aber die gewünschte Spielkontrolle. »Für uns war klar: Wir müssen den Ball halten. Chemnitz ist im Umschalten brutal gut, im letzten Drittel eine der stärksten Mannschaften.« Der Plan ging bis zur Pause auf – auch, weil Chemnitzer Ansätze unvollendet blieben. Duda notierte »Schussmöglichkeiten, so will ich’s mal nennen«: Grimaldi früh, Marx per Kopf, kurz vor dem Wechsel eine 3-gegen-2-Situation. »Das sind Szenen, die du präziser, schärfer ausspielen musst.« Stattdessen schlug Preussen zu – nach Standard und Zuordnungsfehler: »Sehr ärgerlich, dass wir trotz klarer Aufgabenzuteilung mit einem Eckballgegentor 0:1 hinten liegen«, haderte Duda.
Nach Wiederbeginn kippte die Statik. Der CFC stellte um, erhöhte »Energie und Angriffsfrequenz«, drückte die Berliner tief – ohne zunächst zwingend zu werden. Dann die Szene, die den Ton der Pressekonferenz maßgeblich prägte: Rot gegen Mensah. Volbert verstand die Entscheidung nicht: »Die Schiedsrichterin muss mir ihre Idee der roten Karte erklären. Weder Chemnitzer Spieler noch Bank haben reklamiert, der Linienrichter hat den Wimpel nicht gehoben. Auf Bauchgefühl Rot zu zeigen, nervt mich unheimlich.« In Unterzahl verteidigte Preussen fortan mit Hingabe. Duda konzedierte das: »Sehr leidenschaftlich, opferungsvoll und dicht verteidigt.« Sein Urteil über die eigene Offensive blieb selbstkritisch: »Unzählige Eingaben und Flanken – aber in der Präzision den Abnehmer nicht gefunden. Außennetz Grimaldi, Außennetz Busic, Abschlüsse am Abwehrbein hängengeblieben.«
Erst in der Nachspielzeit fiel der überfällige Ausgleich – vom Punkt. »Wenn du es erst in der 96. Minute und durch Strafstoß schaffst zu treffen, wird offensichtlich, wo der Schuh drückte«, sagte Duda. Gleichzeitig lobte er Haltung und Resilienz: »Die Jungs haben alles versucht, gemacht, getan – und die dritte Niederlage in Folge verhindert.« Sein Blick nach vorn ist klar umrissen: »Im eigenen Ballbesitz vor allem im letzten Drittel an Abständen, Positionierung, Passqualität arbeiten. Entscheidungsfindung: freien Mann, Überzahlspieler sehen. Netto 30 Minuten Überzahl – da muss mehr raus.« In der anstehenden Pokalwoche gelte es, »zu sammeln, Dinge zu verbessern, Spieler in erster Reihe zu begleiten, stärker zu machen«. Dass aus drei Spielen der Englischen Woche nur ein Punkt steht, nennt er »zu wenig«.
Volbert rang unterdessen mit gemischten Gefühlen. Sportlich sei der Zähler »sofort unterschrieben« gewesen, zumal die zweite Hälfte »zu nervös« geraten sei: »Wir sind nicht mehr gut in die Räume gekommen, Passwinkel nicht angepasst – ein Lernprozess.« Emotional überwog die Sorge um Torwart Steffen Westphal: »Verdacht auf Nasenbein- und Kieferbruch – es sah nach einer runden Sache aus.« Seine erste Botschaft galt daher dem Gegner: »Großen Respekt vor den Chemnitzer Fans in der Kurve: sensibel mit der Situation umgegangen, geklatscht, keine blöden Kommentare. Vielen Dank dafür.«
In Richtung Team ordnete Volbert die Woche als Etappenerfolg ein: »Drei Spiele, drei Siege wären vermessen – aber der Schritt in die richtige Richtung war da. Heute haben wir gegen den Ball und mit dem Ball vieles gut gemacht, vorm Tor fehlt dann das zweite Tor – und mit Rot wird’s schwer.« Den Ärger über die Personalentscheidung will er dennoch nicht zur Ausrede machen: »Es ist, wie es ist. Wir nehmen den Punkt mit und lernen weiter.«
Duda schloss mit einer statistischen Selbstbeobachtung: »Bis jetzt haben wir jedes Spiel gewonnen, in dem wir in Führung lagen. Das ist nicht überzubewerten, aber ein Fakt.« Übersetzt: Stabil bleiben, auch mal mit 0:0 in die zweite Halbzeit gehen – dann über Fitness und »Angriffsfrequenz« die Wahrscheinlichkeiten drehen. Der späte Elfmeter hat Chemnitz Zeit gekauft. Die eigentliche Arbeit beginnt in dieser Woche – an den Basics, in den Details, an der Präzision.
SVB: Spitzengruppe im Blick, Abläufe automatisiert
Wer eine Reaktion des BFC Dynamo erwartet hatte, bekam eine Lehrstunde in Effizienz und Geschlossenheit serviert – vom SV Babelsberg 03. »Perfekte englische Woche: drei Spiele, drei Siege«, bilanzierte SVB-Coach Ronny Ermel nüchtern – und lobte das Gesamtpaket seines Teams: »Gegen den Ball, mit dem Ball sehr, sehr gut – ein Schritt in die richtige Richtung in der Weiterentwicklung. Vorm Tor eiskalt.« Der Matchplan saß, die Potsdamer setzten früh hoch an, raubten dem BFC die Ruhe im Aufbau – und schenkten zwischen Minute 25 und 28 gleich dreifach ein. Spätestens mit dem 0:4 vor der Pause war die Partie entschieden.
Ermel hob dabei ausdrücklich Struktur und Haltung hervor: »In der zweiten Halbzeit dann das souverän runtergespielt, verteidigt, mit Kontern Nadelstiche gesetzt und den BFC so weit wie möglich vom Tor weggehalten.« Die Serie – zuvor schon Erfolge gegen Chemie Leipzig und Greifswald – wirkte wie ein Katalysator: »Wir haben zwei, drei Serien gebrochen. Das gibt Selbstvertrauen, die Abläufe werden einfacher, weil sie klappen.« Dass er die Startelf über die Woche nahezu durchzog, war Programm: »Die Jungs marschieren. Sie sind willig, gierig, als Team sehr gut zusammengewachsen. Riesenkompliment ans Trainer- und Betreuerteam, das immer wieder den Daumen in die Wunde legt.«
Am anderen Ende stand ein BFC, dem die Partie nach dem Elfmeter zum 0:1 vollends entglitt. Dennis Kutrieb sparte nicht mit Klartext: »Ein absolut gebrauchter Tag. Bis zum 0:1 war es noch okay, aber mit dem Elfmeter sind wir komplett auseinandergefallen. Man merkt, dass die Mannschaft extrem verunsichert ist.« Besonders deutlich wurde er beim Schlüsselduell mit Babelsbergs Wirbelwind: »Wir hätten Didos ausschalten müssen. Haben wir nicht in den Griff bekommen. Der Junge hat ein überragendes Spiel gemacht – das zeigt, was Selbstvertrauen ausmacht.« Was folgte, war ein Doppelschlag, wie ihn auch der erfahrene Coach selten erlebt hat: »Direkt nach dem 0:1 der nächste Fehler, kurz darauf das 0:3 – so etwas habe ich im Fußball noch nicht erlebt. Das spricht für die Verunsicherung.«
Kutriebs Diagnose reichte über die 90 Minuten hinaus. Personell »laufen die Jungs auf dem Zahnfleisch«: »Wir haben die englische Woche mit elf, zwölf Spielern durchgespielt und einen von neun möglichen Punkten geholt – viel zu wenig. Zwei, drei hätten eigentlich eine Pause gebraucht, aber uns sind aktuell die Hände gebunden.« Gleichwohl warnte er vor der falschen Reaktion: »Die Aufgabe ist, nicht in wilden Aktionismus zu verfallen. In der Halbzeit wurde es lauter, ja – aber es geht darum, inhaltlich aufzubereiten: Was mache ich, wenn es nicht läuft? Dinge vereinfachen, klar im Kopf bleiben.« Der Trainer verknüpfte das mit einem kulturprägenden Hinweis: »Beim BFC Dynamo zu spielen heißt: Druck. Man möchte Spiele gewinnen – und wenn es nicht läuft, gibt’s Kritik. Das müssen besonders neue Spieler schnell lernen.«
Auch psychologisch will der BFC die Schrauben anziehen. Kutrieb schilderte eine Kabine »so tief« wie selten: »Die Jungs sind total geknickt, enttäuscht von sich selbst. Fußball ohne Selbstvertrauen ist ein schwieriges Pflaster.« Möglicher Ausweg: Rhythmus und ein Erfolgserlebnis. »Vielleicht kann uns das Pokalspiel helfen, um wieder Spur zu finden.« Inhaltlich bleibt die Devise simpel: »Wenn irgendwas kompliziert ist, muss ich es einfach machen: Zweikampf führen, gewinnen, einfachen Ball spielen – schon habe ich einen guten Job gemacht.«
Babelsberg dagegen tankt weiter Rückenwind. Ermels Team hat die Gewichte der Offensive nach dem Sommer smart verteilt – und verteidigt die Führungen zunehmend reif. »Leiden und verteidigen – das war unser Problem. Jetzt kriegen wir das hin. Mit Führung ist’s immer einfacher, weil das Selbstvertrauen überdurchschnittlich groß ist.« In Hohenschönhausen war beides zu sehen: erst der gnadenlose Zugriff, dann die abgeklärte Verwaltung.
Unterm Strich bleibt ein Ergebnis mit Signalwirkung. Für Babelsberg: Spitzengruppe im Blick, Abläufe automatisiert, Gier intakt. Für den BFC: eine schonungslose Momentaufnahme. Kutrieb fasst zusammen: »Wir werden im Trainerteam ruhig bleiben, inhaltlich ansetzen und gemeinsam rauskommen.« Die Richtung ist benannt – und sie führt nur über Grundlagen, Klarheit und ein erstes, dringend nötiges Erfolgserlebnis.
Schröder: Fleiß und Gier überraschen mich positiv
Der Hallesche FC setzt seine fehlerarme Serie fort und holt mit einem 2:0 in Greifswald den sechsten Sieg im sechsten Spiel – mit maximaler Effizienz und viel Disziplin. »Wir sind gut ins Spiel reingekommen und gehen sofort mit dem ersten Angriff in Führung«, ordnete HFC-Coach Robert Schröder ein. Der Wirkungstreffer nach kaum 20 Sekunden gab die Statik vor: Halle stand fortan tiefer, schloss die Halbräume, lauerte auf Ballgewinne – und brachte die Partie mit einem zweiten Nadelstich in der Nachspielzeit auf links zu Ende. »Ich bin total happy, wir fahren glücklich nach Halle zurück und sind froh über den mehr als gelungenen Saisonstart«, so Schröder.
Greifswald musste einem frühen Rückstand hinterherlaufen und fand die Lücke kaum. Markus Zschiesche verdichtete die Gemengelage in einem Satz: »Wenn man in der ersten Minute und in der letzten Minute die Tore kriegt, ist das aussagekräftig.« Der Trainer sprach von »Verunsicherung« nach dem frühen Fehler, lobte aber die Reaktion: »Die Jungs haben weitergemacht, wir haben uns gut reingearbeitet.« Im Ballbesitz fehlte gleichwohl die Durchschlagskraft. »Wir haben nicht den absoluten Weg durch Halles Deckung gefunden«, so Zschiesche, der zugleich die zweite Hälfte als Schritt in die richtige Richtung wertete: »Da wollten wir mehr Leidenschaft und Positivität reinpacken – das hat man auch gesehen.«
Schröder hob die Arbeit gegen den Ball hervor: »Wir waren in den Umschaltmomenten anfangs etwas schludrig, haben aber konsequent alles wegverteidigt. Ich kann mich an keine klaren Torchancen des GFC erinnern.« Zugleich verwies er auf die Belastung: »Am Ende einer englischen Woche waren wir ein bisschen müde.« In entscheidenden Zonen blieb Halle dennoch präsent – auch, weil Einzelduelle kippten. Exemplarisch nannte Schröder Burim Halili: »In der Balleroberungsphase sehr konsequent, sehr rigoros – er hat dazu beigetragen, dass wir die Null halten.« Das interne Duell um die Sechs kommentierte er mit einem Lächeln: »Hauchdünn. Wir haben 24 Spieler, da kann jeder spielen – ich hab die Qual der Wahl.«
Greifswalds Offensivmomente blieben rar. »Wir haben zwei nennenswerte Chancen: Dids Rechtsschuss und Macs Kopfball, den der Torwart hält«, bilanzierte Zschiesche. Dass das Momentum ausblieb, führt er auch auf die Personallage zurück: »Wir laufen am Ende der englischen Woche auf Zahnfleisch.« Auf den Flügeln fehlten Alternativen: »Wagner und Farr können immer laufen – da muss ich nicht überlegen zu wechseln. Aber wir haben aktuell auch keine Alternativen. Theo Harz hätte ich gern geschont, es ging nicht.« Die Liste der Angeschlagenen – »Rudinalo, Grace Bukake, Benjamina, Vogt« – skizzierte er als erklärenden Rahmen, ohne sich dahinter zu verstecken: »Es soll aktuell nicht sein. Wir werden in der großen Runde ehrlich ansprechen, was zu optimieren ist. Es geht nur zusammen.«
Sportlich blieb Halle kühl. Der Tabellenführer verknappte Risiken, verteidigte flache Hereingaben mit klaren Zuordnungen, überstand Standards robust – und setzte spät den Deckel drauf. »Dass es hinten raus mit so einem langen Ball ist und wir dann das 2:0 zu Ende spielen, nehme ich gern«, sagte Schröder, der den Torschützen Malek Fakhro eigens erwähnte: »Wenn man die Emotionen nach dem Tor sieht, spricht das Bände. Ich denke, das ist ein Dosenöffner für ihn.«
Zschiesche wiederum rang um die Balance zwischen Kritik und Zuversicht: »Wir helfen aktuell bei Toren mit, wie beim zweiten, wo wir den Ball nicht wegbekommen. Aber die Kabine ist intakt, die Mannschaft reibt sich positiv. Jetzt heißt es, das Spiel verdauen, ehrlich bleiben, Lösungen finden – und Verletzte zurückbekommen.« Der Tenor: strukturell in Ordnung, im letzten Drittel zu brav.
Unterm Strich steht ein reifer Auswärtsauftritt des Spitzenreiters, der seine Minimalprinzipien verlässlich abruft: frühe Präsenz, sauberes Zonenmanagement, punktuelle Stiche. »Fleiß und Gier dieser Mannschaft überraschen mich positiv – Woche für Woche an die Grenze«, sagte Schröder. Sechs aus sechs – nüchtern eingetütet. Greifswald bleibt im Suchmodus: Stabilität ja, Momentum nein.
Braune kritisiert Mentalität nach 0:3-Startschock
Ein Regionalliga-Duell, das Spannung versprach, war nach einer halben Stunde praktisch entschieden: Die VSG Altglienicke nutzte am Freitagabend die eklatante Anfangsschwäche des FSV Luckenwalde gnadenlos aus und siegte verdient mit 3:1. Jonas Nietfeld schnürte einen Doppelpack, der junge Julien Friedrich trug sich ebenfalls in die Torschützenliste ein. Für Luckenwalde blieb trotz ordentlicher zweiter Hälfte nur Ergebniskosmetik.
»Wir sind super ins Spiel gestartet, haben eine fantastische erste Halbzeit gespielt und das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten«, zeigte sich VSG-Coach Ersan Parlatan hochzufrieden. Schon nach sieben Minuten verwandelte Routinier Nietfeld einen Strafstoß zur Führung. Nur fünf Minuten später erhöhte Friedrich, der nachsetzte und den Ball entschlossen im Netz unterbrachte. Luckenwalde wirkte konsterniert, die Abwehr zu passiv, das Mittelfeld ohne Zugriff. In der 25. Minute war es erneut Nietfeld, der nach feinem Zuspiel eiskalt zum 0:3 vollstreckte.
Parlatan sah den Schlüssel in der Konsequenz seiner Elf: »Mit dem 3:0 im Rücken haben wir die Räume verengt und im Umschaltspiel noch zwei hundertprozentige Chancen liegen lassen. Das vierte Tor hätte das Spiel endgültig beruhigt, so blieb es gefährlich. Aber wie wir das Ergebnis verteidigt haben, war eine reife Leistung.« Besonders hob der Trainer hervor, wie sein Team nach dem 0:3 in Erfurt unter der Woche diesmal »spiegelverkehrt« agierte: konzentriert, effizient, stabil.
FSV-Trainer Michael Braune war nach Abpfiff hörbar bedient. »Wir hatten eine sehr schlechte Startphase, waren mental gar nicht auf der Höhe. Körperlich war es nicht das Problem, wir sind die 90 Minuten marschiert. Aber in den ersten 20 bis 30 Minuten waren wir schlicht nicht auf dem Platz«, analysierte der Coach schonungslos. Die Quittung: ein schnelles 0:3 und ein Spiel, das praktisch gelaufen war. »Es gibt nicht viele Mannschaften, die so etwas noch drehen. Wenigstens haben wir in der zweiten Halbzeit unser Gesicht gewahrt – aber das ist auch das Mindeste.«
Tatsächlich zeigte Luckenwalde nach der Pause ein anderes Gesicht. Mit den Einwechslungen von Bachmann, Schröder und König griff das Pressing besser, die Ordnung stimmte. In der 76. Minute belohnte sich das Team: Innenverteidiger Sofiene Jannene drückte den Ball nach einer Standardsituation über die Linie und erzielte seinen vierten Saisontreffer. Für einen Moment keimte Hoffnung auf. Doch nur neun Minuten später schwächte sich der FSV selbst, als Bachmann Gelb-Rot sah – die letzte Chance auf eine Schlussoffensive war dahin.
Braune fand deutliche Worte für die kommende Trainingswoche: »Wir müssen daraus lernen. Es geht um Basics wie Leidenschaft, die in den ersten 30 Minuten komplett gefehlt haben. Wir haben einen ordentlichen Saisonstart hingelegt, aber die Punkte sind nur eine Momentaufnahme. Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen alle die Ohren anlegen und Gas geben.«
Altglienicke brachte den Vorsprung in kontrollierter Manier über die Zeit und verbesserte sich mit zwölf Punkten auf Rang vier der Tabelle. Luckenwalde dagegen stagniert bei neun Zählern im Mittelfeld. Einmal mehr ragte Jonas Nietfeld heraus, der mit seinen Saisontoren fünf und sechs seine Bedeutung für die Parlatan-Elf untermauerte. Zudem überzeugte Friedrich mit bemerkenswerter Reife.
Für die VSG war es ein Sieg mit Signalwirkung, die prompte Antwort auf die Schlappe von Erfurt und der Beweis, dass die Mannschaft den Anschluss an die Spitzengruppe hält. Für Luckenwalde hingegen bleibt die bittere Erkenntnis: In dieser Liga reichen 30 Minuten Tiefschlaf, um eine Partie und mögliche Punkte kampflos aus der Hand zu geben.
Texte: Holger Elias (NOFV)
