Frauen und Mädchen

50 Jahre Frauenfußball - Prägende Persönlichkeiten (Teil VI)

Sabine Seidel (r.) als Trainerin mit Dr. Hans-Dieter Drewitz (DFB-Jugendausschussvorsitzender) 2003 bei der Deutschen Meisterschaft (Turbine Potsdam 1:0 FC Gütersloh) © Getty Images

In der Serie "50 Jahre Frauenfußball – Prägende Persönlichkeiten" möchten wir außergewöhnliche Charaktere vorstellen, die den Frauenfußball besonders geprägt haben.

Seit Jahrzehnten eine Institution im Frauen- und Mädchenfußball und in Brandenburg insbesondere dadurch bekannt, dass sie wie keine andere die Entwicklung bei Turbine und im Land mitgeprägt hat - Sabine Seidel.

Der Weg zum Fußball... führt nach Potsdam

Oft vergisst man welche langen Fahrten Frauen für ihre Leidenschaft im Leistungsfußball in Kauf nehmen. So war es auch bei der 13-jährigen Sabine Seidel, die 1970  auf Grund einer Zeitungsannonce dem ZFK Rossendorf beitrat. Eine Stunde fuhr sie von der heimat aus zu ihrem Verein nahe bei Dresden. Bei einem Freundschaftsspiel der BSG Motor Bautzen, zu der sie mehr als drei Jahre später gewechselt war, gegen Turbine Potsdam, wurde man auf sie aufmerksam.

Als Vereinskoryphäe Bernd Schröder, damaliger Trainer der Turbininnen, sie verpflichten wollte kam dem Zusammenschluss aber noch etwas in den Weg: Für zwei Jahre hatte Seidel sich zuvor als Kochsmaat bei der Handelsmarine der DDR verpflichtet. 1979 sollte es dann soweit sein: Es erfolgte der Wechsel zu Turbine Potsdam. Eine zukunftsträchtige Entscheidung, quasi ein Meilenstein im Leben der noch jungen, talentierten Fußballerin.

Erfolgsspielerin, Erfolgstrainerin und mehr

1981 gab es den ersten großen Erfolg: Die damalige BSG Turbine Potsdam gewann zum ersten Mal die DDR-Bestenermittlung. Das Endspiel fand im  Karl-Liebknecht-Stadion vor gut 3.000 Zuschauern statt. Sabine Seidel wurde zur besten Spielerin geehrt. "Das war das Größte, was ich bis dahin erlebt hatte." erinnert sie sich. Es folgte die Wiederholung 1982, 1983, 1985 und 1986. Bis der "Star des DDR-Frauenfußballs" verletzungsbedingt aufhörte.

Bereits vor 1980 trainierte Seidel, während ihrer spielerischen Laufbahn, die C- und B-Juniorenteams des FV Turbine 1955 Potsdam, ehe sie ab 1986 die Turbinen-Mädchenmannschaften aufbaute und bis Juni 2006 die Nachwuchsabteilung des 1. FFC Turbine Potsdam leitete. Auch in der Zeit holte sie fünf Titel: Deutscher Meister U17-Juniorinnen in den Jahren 2000, 2003, 2004, 2005 und 2006. Nebenbei engagierte sie sich ehrenamtlich im Landesverband.

(Seidel (o.l.) 1990 mit der ersten B-Mädchenaauswahl des NOFV beim Länderpokal in Duisburg © NOFV)

Auch in der Not eine Retterin aber auch Reisende mit dem DFB

Als Turbine Potsdam 1994/1995 erstklassig spielte, übernahm die Vereinsikone den Cheftrainer Posten im November 1994 und sicherte der Mannschaft den Klassenerhalt mit dem 6. Platz. Im Jahr 1996 wurde Seidel infolge ihres ehrenamtliches Engagements Vorsitzende im Ausschuss Frauen-/Mädchenfußball im Fußball-Landesverband Brandenburg. Darüber hinaus gehörte sie der AG für Frauen- und Mädchenfußball im NOFV an.

Gerne blickt Seidel auch auf die 17 Jahre mit den DFB-Teams zurück.Von 2002 bis 2019 reiste sie mit den U-Teams. "Bis auf Afrika habe ich jeden Kontinent bereist", resümiert die ehemalige Kid-Managerin. Gemeinsam mit Silvia Neid und Maren Meinert gab es viele Erfolge zu feiern: 2004 U 19 Weltmeister in Thailand; 2010 U 20 Weltmeister in Deutschland (!) 2014 U 20 Weltmeister in Kanada und U 19 Europameister 2002, 2006, 2007 und 2011.

Die Zukunft des Frauenfußballs

Seit gut 40 Jahren arbeitet Sabine Seidel nun bei der Stadt Potsdam und ist seit 2005 Standortverantwortliche für den Olympia-Stützpunkt Brandenburg, Standort Potsdam für Fußball weilbich und Verbandstrainerin des FLB. Sie ist sich bewusst darüber, dass ihr Verein nicht die finanziellen Mittel besitzt wie andere, aber eine Strahlkraft der vergangenen Erfolge gelte es zu nutzen. "Ich bin gespannt, ob das klappt" blickt sie auf die Kooperation mit Hertha BSC.

"Im Laufe der Jahre haben sich sehr viele Dinge positiv entwickelt haben. Das zeigen auch unsere Erfolge mit unseren Frauen-sowie Nachwuchsnationalmannschaften. Aber wir dürfen den Nachwuchs nicht aus den Augen verlieren. Dieser ist aus meiner Sicht extrem wichtig, denn ohne Breite gibt es keine Klasse." Blickt eine Spielerin, Trainerin, Funktionärin und sicherlich auch Ikone des Frauenfußballs gespannt in die Zukunft.

(Sabine Seidel 2019 als Kit-Managerin © Getty Images)

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