Frauen und Mädchen

50 Jahre Frauenfußball - Prägende Persönlichkeiten (Teil IX)

Kathrin Nicklas (l.) bei der Siegerehrung der Ü 35-Frauenmeisterschaft des DFB © Getty Images

In der Serie "50 Jahre Frauenfußball – Prägende Persönlichkeiten" möchten wir außergewöhnliche Charaktere vorstellen, die den Frauenfußball besonders geprägt haben.

In Berlin kennen sie die meisten und darüber hinaus alle die sich im Frauenfußball auskennen: Kathrin Nicklas. Gebürtig aus Sangerhausen, Sachsen-Anhalt, lebt sie seit 1979 in Berlin und unterstützt seit Oktober 1990 den BFV.

Von der Leichtathletik zum Fußball

Seit frühester Kindheit liegen Nicklas besonders zwei Dinge am Herzen: Die Leichtathletik und der Fußball. Als sie sechs Jahre alt war, war der Fußball als Mädchen jedoch nahezu undenkbar. So führten sie Mittelstreckenläufe in der Leichtathletik ins Leistungszentrum und begleiteten sie bis zum Ende ihrer schulischen Laufbahn. Wie so oft ist eine gemeinsame Komponente verschiedener Sportarten dann der Ehrgeiz gewesen.

"Wir waren eine gemischte Gruppe aus Jungen und Mädchen und haben zum Aufwärmen immer Fußball gespielt. Da ich die Jüngste war, entwickelte sich bereits früh ein kämpferischer Ehrgeiz. Ich habe schnell gemerkt, dass der Fußball meine Leidenschaft ist. Auch in der Freizeit habe ich immer mit den Jungs gekickt. So hat es angefangen." Eine Leidenschaft bestärkt durch den sportinteressierten Vater, die sie im späteren leben weiter begleiten sollte.

Der Weg nach Berlin

Nach der Berufsausbildung ging sie 1979 für eine Stelle im Fecht-Verband der DDR nach Berlin. Als Ausgleich zum Job spielte sie Handball. 1981 nahm sie dann eine Kollegin mit zum Fußball bei der BSG Kabelwerk Oberspree. Auch wenn der Sprung zu Fußball infrastrukturell erst mit 20 gelang, sicherte sich die Sangerhauserin einen Platz in einer Mannschaft, die regelmäßig das Halbfinale der DDR-Bestenermittlung erreichte.

"Dort war dann leider immer Endstation, denn vor allem Potsdam, Jena, Rostock, Karl-Marx-Stadt , Aue und Dresden waren damals Hochburgen des Frauenfußballs", erinnert sich "Nicki" (wie sie liebevoll genannt wird). Im Zuge der Wende wurde der BSG Kabelwerk Oberspreedann vom 1. FC Union Berlin übernommen, der inzwischen eine gestandene Adresse im Frauen- und Mädchenfußball Berlins war. 

(Das erste und einzige Länderspiel der ]Frauenfußballnationalmannschaft der DDR 1990 in Babelsberg © SFV / NOFV)

Der Höhepunkt der Karriere

So spät sie auch in den Leistungsbereich des Fußballs eingetreten war, so rasant ging es weiter. So kam Kathrin Nicklas zur Ehre am 9. Mai 1990 beim einzigen Spiel der Frauenfußballnationalmannschaft der DDR, die erst 1989 gegründet wurden war, im Kader zu stehen. "Das ist ohne Zweifel der Höhepunkt meiner Karriere als Spielerin. Ich bin bis heute stolz darauf, es war ein unvergessenes Erlebnis, dabei gewesen zu sein", schwärmt sie vom historischen Spiel.

Auch oder gerade weil die heutige Berlinerin erst mit 20 zum Fußball kam, schaffte sie es bis zu ihrem 37. Lebensjahr im Fußball aktiv zu bleiben. 1997 bestritt sie dann ihr letztes Spiel ("Mein Körper immer wieder Zeichen gegeben, dass ich besser Schluss machen soll"). Aber ganz mit dem Fußball abzuschließen, dafür war Nicklas noch längst nicht bereit. Bereits während ihrer aktiven Laufbahn interessierte sie sich für die Trainertätigkeit und erwarb eine Lizenz.

Von der Spielerin zur Trainerin und Funktionärin

So wurde Nicklas bei den Eisernen nach ihrem aktiven Karriereende Trainerin der Frauenmannschaft. Von 1997 bis 2004 führte sie die Mannschaft mit Erfolg: 2001 gelang der Aufstieg in die NOFV-Regionalliga. Bereits seit 1984 engagierte sich die ehemalige Leichtathletin ehrenamtlich für den Frauen- und Mädchenfußball. Seit 2007 gehört sie den Gremien des DFB und des NOFV Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball an und ist nicht wegzudenken.

Seit 1990 ist Kathrin Nicklas beim Berliner Fußball-Verband (BFV) als Sachbearbeiterin tätig. Natürlich nicht ohne einen sportlich aktiven Part zu haben: Als Trainerin der weiblichen U 13-Auswahlmannschaft des Verbandes. "In dieser Funktion war es mir immer ein ganz wichtiges Anliegen, den jungen Spielerinnen das zu vermitteln, was ich durch den Sport Tolles erleben durfte", betont Nicklas.

(Kathrin Nicklas (r.) mit Sabine Mammitzsch (l.) und Eva Winkler 2015 © Getty Images)

Die Liebe zum Fußball 

Heute ist sie im Verband in erster Linie im Referat Events & Soziales tätig und weiterhin für den Ausschuss Frauen- und Mädchenfußball sowie den Jugendausschuss. Sie betreuet beispielsweise seit vielen Jahren beim DFB-Pokalfinale in Berlin die Kinder des Rahmenprogramms. "Für die Spielerinnen und Spieler der Berliner Vereine ist dies ein absolutes Erlebnis, natürlich auch für die Einlaufkinder ins Stadion", freut sie sich über die Tätigkeit.

"Absoluter Höhepunkt war das Eröffnungsspiel Frauen-WM 2011 im ausverkauften Berliner Olympiastadion, wo ich auch die Ballmädchen betreuen durfte sowie auch die Champions-League-Endspiele der Frauen und Männer 2015. Auch eine schöne Erinnerung für mich ist die Reise der Frauen-Nationalmannschaft 2010 nach Cleveland, wo ich als Delegationsleitung fungierte." Bis heute merkt man Kathrin Nicklas die Liebe und Leidenschaft zum Fußball in jeder Silbe an.

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