Frauen und Mädchen

50 Jahre Frauenfußball - Prägende Persönlichkeiten (Teil IV)

© NOFV Elfie Wutke (l.) ehrt den Verein der sie und den sie so geprägt hat als Futsal-Regionalmeister (2020)

In der Serie "50 Jahre Frauenfußball – Prägende Persönlichkeiten" möchten wir außergewöhnliche Charaktere vorstellen, die den Frauenfußball besonders geprägt haben.

Nach Margit Stoppa, Werner Riebel und Jürgen Zelm möchten wir einen Menschen vorstellen, der im Frauenfußball von Sachsen-Anhalt und im NOFV bis hin zum DFB sowohl als Spielerin als auch Ehrenamtliche erfolgreich ist: Elfie Wutke.

Auf dem Bolzplatz groß geworden

Zur Zeit als Elfie Wutke noch die Schule besuchte war es für Mädchen und Frauen eher schwierig in einem Verein zu spielen. So war es auch in Möckern, wo sie aufwuchs. Auf dem Schulhof genoss sie aufgrund ihrer Fähigkeiten nicht nur das Privileg mit den Jungs mitspielen zu dürfen, sondern galt als eine der zwei Stärksten und durfte sich meist ein Team zusammenwählen. Nicht zuletzt weil sie erfolgreich im Mehrkampf war, war sie unter den Jungs sehr angesehen.

1992 war es dann soweit: Nachdem die Möckernerin ein Jahr in Magdeburg arbeitete, trat sie in einen Fußballverein ein. Von der SV Fortuna zum FSV Fortuna Magdeburg/Wolmirstedt bis hin zum Magdeburger FFC, trotz Veränderungen stets einem Verein treu, war die langjährige Spielführerin mit dabei. Bis heute ist sie mit 254 Einsätzen und 72 Toren Rekordspielerin des Magdeburger FFC und aus den Geschichtsbüchern des Vereins nicht wegzudenken.

Zur Führungskraft im Verein gereift

Auf der 10er Position war die flexible Spielerin Dreh- und Angelpunkt der Magdeburger Offensive. Nicht durch Zufall, denn in ihrer fußballerischen Laufbahn hat sie auf fast allen Positionen gespielt. Ein vehementer Vorteil gegenüber anderen Spielerinnen, wenn man sich in jede Position auf dem Platz hineinversetzen kann. "Nur im Tor habe ich nicht gespielt", sagt Wutke, wenn man sie fragt. Doch Führungskraft war sie nicht nur auf dem Platz.

Was spätestens mit ihrer Berufung in den Vorstand im Jahr 2000 offiziell wurde, war intern und darüber hinaus längst bekannt: Die Schlüsselspielerin engagiert sich und das mit Leidenschaft und Talent. So war es wenig überraschend, dass sie noch im selben Jahr den Vorsitz des Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball im Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) erhielt und im neu implementierten Ausschuss Vize-Präsidentin im Verband wurde.

(© GettyImages Elfie Wutke (M) ehrt den Meister der 2. Frauen Bundesliga Nord - 1. FC Lübars (2015))

Ein Karriereende das eher ein Karrierestart war

Als die damals 36-jährige die Fußballschuhe 2007 an den Nagel hängte, konnte sie bereits auf eine tolle fußballerische Laufbahn zurückblicken. Auch wenn das Ende möglicherweise etwas unbefriedigend war: Der Magdeburger FFC verlor das Aufstiegsspiel gegen Union Berlin 1:4. Vielleicht war das wieder eine Motivation weiter mit dabei zu sein. Nachdem sie 2004 bereits mit der silbernen Verdienstnadel des FSA ausgezeichnet wurde, ehrte sie die Stadt Magdeburg 2007.

Unter Margit Stoppa gehörte Wutke, nach ihrem aktiven Karrierende, auch dem Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball (AFM) des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) an, entwickelte den Frauenfußball über die Ländergrenze, bundesweit weiter. Seit 2018 Vorsitzende des NOFV Ausschusses, sitzt sie dem Ausschuss des DFB bei, war Staffelleiterin der 2. Frauen-Bundesliga Nord und ist Staffelleiterin der B-Juniorinnen Bundesliga Nord/Nordost. 

Nicht vom Fußballplatz zu kriegen

Heimisch fühle sie sich aber immer noch auf den Bolz- und Rasenplätzen. Ein bisschen bleibt ihr das auch erhalten, vorwiegend bei Ehrungen und Spielbeobachtungen. Auch wenn Elfie Wutke den aktuellen Stand im Frauenfußball als kritisch sieht "Die 2. Bundesliga ist das größtenteils noch Breitensport", mindert das keinesfalls ihren Enthusiasmus, im Gegenteil, sie weiß dass der Frauenfußball es immer schon schwer hatte.

Damit zufrieden ist sie aber genauso wenig wie sie sich für ihre Erfolge sonnen wollen würde - obwohl es angesichts des schweren Standes des Frauenfußballs beachtlich ist, wie sie ihn insbesondere im heimatlichen Flächenland geprägt hat. Eben das Paradebeispiel einer Spielmacherin und Führungsspielerin: Selbstlos, der Blick geht nach vorne, sie sucht Anspielstationen, sie unterstützt ihre Mitspielerinnen durch ihre Erfahrung, und kann ein Spiel entscheiden.

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