Frauen und Mädchen

50 Jahre Frauenfußball - Prägende Persönlichkeiten (Teil II)

© FF USV Jena

In der Serie "50 Jahre Frauenfußball – Prägende Persönlichkeiten" möchten wir Persönlichkeiten vorstellen, die den Frauenfußball geprägt haben.

Nach Margit Stoppa (Teil I) möchten wir eine Persönlichkeit vorstellen, die den Thüringer Frauenfußball geprägt hat wie wahrscheinlich keine andere: Professor Werner Riebel.

Der 1937 in Schkölen (bei Naumburg an der Saale, Thüringen) geborene Sohn eines Bäckermeisters machte sein Abitur an der Heimoberschule in Droyßig. Seine große sportliche Leidenschaft galt anfangs der Leichtathletik. Als erfolgreicher Mehrkämpfer schloss er ein Lehramtsstudium ab. Es folgte später die Promotion B zum "Doktor der Wissenschaften" (Dr. sc.) an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. 

Implementation des Mädchenfußballs

Im Januar 1989 wurde Riebel zum ordentlichen Professor am Institut für Sportwissenschaften berufen, dem er bis 1992 angehörte. Nachdem anfangs die Leichtathletik sein Hauptätigkeitsschwerpunkt war, gründete er, gemeinsam mit dem damaligen Trainer Hugo Weschenfelder, im Rahmen seiner sportwissenschaftlichen Tätigkeit die Frauenfußballabteilung des Hochschulsports in Jena.

Als Manager war der Professor der Sportwissenschaften maßgeblich am Aufbau des Mädchenfußballs am Jeanaer Sportgymnasium beteiligt. Dabei diente nicht nur sein sportwissenschaftliches Fachwissen, sondern auch seine Erfahrung als Prorektor für Erziehung und Ausbildung. 1998 wurde die erste Fußballerin am Sportgymnasium aufgenommen und heute beherbergt die mittlerweile DFB zertifizierte "Eliteschule des Fußballs" bis zu 40 Spielerinnen.

Der Sozialpädagoge und Psychologe

Professor Werner Riebel sieht und sah sich selbst dabei mehr Sozialpädagoge, der die pädagogischen und psychischen Herausforderungen in den Blick nimmt. Für ihn ist und war es immer wichtig, ein harmonisches Klima innerhalb der Mannschaft sowie ein entsprechendes Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainerteam und zwischen den Spielerinnen zu haben. Ein Faktor der seine vehementen Relevanz im Fußballgeschäft in jüngster Vergangenheit deutlich darstellte.

Insbesondere der Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke zeigte der Fußballwelt, dass die Psychologie im Sport in den vergangenen Jahren vernachlässigt wurde. Speziell im Frauenfußball machte Werner Riebel diese früh als Fundament des Erfolges aus. Er führte Jena mit bis in die erste Liga. Mit und durch ihn war der USV Jena in Ostdeutschland viele Jahre die Nummer eins im Frauenfußball und nach Potsdam viele Jahre das Maß der Dinge.

Werner Riebel in seinem "Wohnzimmer" © FF USV Jena

Ein Lebenswerk für einen Verein und die Frauenfußballwelt

Der Höhepunkt des Vereins, den Riebel bis 2002 als Abteilungsleiter der Abteilung Frauen bis zu seiner Ausgliederung führte, war sicherlich das Erreichen des DFB-Pokalfinales 2010 in Köln vor 26 000 Zuschauern. Bis heute ist der USV Jena (mittlerweile FF USV Jena), dessen Vorstand Riebel noch bis 2016 angehörte, der einzige Vertreter Thüringens, der je in der Frauen-Bundesliga gespielt hat. 

Als stellvertretender Vorsitzender des neuen FF USV Jena umfassten Riebels Aufgaben Beschaffung von Ausbildungs- und Arbeits- und Studiumsplätzen, Unterstützung bei der Wohnungssuche, Unterstützung bei der Spieltagsorganisation und vieles mehr. Fast schon legendär sind seine Vorworte und Beiträge für Spieltags- und Saisonmagazine. Die Erfüllung der Bedürfnisse anderer und des Verein als Ganzen waren und sind stets sein Bedürfnis. 

Überregionales Engagement und dennoch an der Basis

Werner Riebel investierte nicht nur viel Zeit und Nerven in den Frauenfußball, sondern spendete auch seine Aufwandsentschädigung als Stadtrats- und Aufsichtsratsmitglied. Überhaupt war er sich nie zu schade, Personen aus seinem schier unerschöpflichen Netzwerk direkt um Hilfe und Unterstützung zu bitten. Noch heute sind ihm viele bekannte Spielerinnen dankbar für seine Hilfe, sein stets offenes Ohr und auch seine ehrlichen Worte (zB Anna Blässe).

Als Mitorganisator unterstützte er den DFB bei der Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2001 in Deutschland und erhielt 2007 die DFB-Verdienstnadel. Beschrieben wird er bis heute als Stabilitätsanker, gute Seele, Mädchen für alles – egal wie man ihn auch betiteln möchte, einfach "einmalig" für den FF USV Jena und den TFV. Bis heute pflegt er eine enge Freundschaft mit Frauenfußball Koryphäe Bernd Schröder und Hans Meyer und ist weit über Thüringen bekannt.

 

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