Offener Brief des DFB-Präsidenten an Babelsberg 03

Sehr geehrter Herr Horlitz,

Ihr offener Brief spricht ein Thema an, zu dem sich der DFB in seinem gesellschaftlichen Engagement in aller Deutlichkeit positioniert und vielfältig engagiert. Jede Form von Rassismus, Diskriminierung oder Antisemitismus darf keinen Platz in den Fußballstadien haben, auf und neben dem Rasen.

Dass ist eine Botschaft, die unter anderem auch vom Julius Hirsch Preis ausgeht, den wir in Erinnerung an den jüdischen Nationalspieler am 7. Oktober in Karlsruhe wieder verleihen. Für dieses Anliegen tritt in besonderem Maße auch der Vorsitzende des NOFV-Sportgerichts, Stephan Oberholz, ein. Er engagiert sich vielfältig im Kampf gegen Rechtsextremismus. Er ist Mitglied der AG Fairplay und Gewaltprävention und hat maßgeblich an dem Buch „Diskriminierungsverbote im Fußball“ mitgewirkt. Im Bereich des NOFV hat er verschiedene Initiativen gegen Rassismus und Rechtsradikalismus im Fußball gegründet. Mit ihm hat der NOFV einen Richter, der gerade auch in diesen Fragen mit hoher Sensibilität und Entschlossenheit vorgeht.

Zu berücksichtigen ist in ihrem konkreten Fall, dass diese Frage nicht Gegenstand der Urteilsfindung war. Im Spiel zwischen Energie Cottbus und ihrem Verein ist es zum wechselseitigen Abschuss von Raketen bzw. Einsatz von Pyrotechnik gekommen. Das Spiel musste unterbrochen werden und stand sogar kurz vor dem Abbruch. Aus diesen Gründen sind ihr Verein und Energie Cottbus verurteilt worden. Eine Anzeige rechtsextremistischer Vorgänge oder Parolen ist nach Auskunft der zuständigen Stellen bisher nicht erfolgt.

In Ihrem Offenen Brief führen sie die Vorgänge nun aus ihrer Sicht konkret aus und „zeigen“ damit die Vorkommnisse an. Herr Oberholz hat mir mitgeteilt, dass er diesen Offenen Brief und die darin erhobenen Anschuldigen auch ohne den formalen Eingang einer Anzeige durch ihren Verein zum Anlass nimmt, ein Verfahren einzuleiten. Er ist der festen Ansicht, dass derartige Anschuldigungen bzw. Hinweise nicht einfach im Raum stehen bleiben dürfen und möchte aus diesem Grunde eine sportgerichtliche Klärung des dargelegten Sachverhalts herbeiführen.

Ich hätte mir gewünscht, dass Babelsberg 03 den Vorgang direkt formal angezeigt und damit einer unmittelbaren Klärung zugeführt hätte. Gleichwohl begrüße ich die Entscheidung und das Handeln von Herrn Oberholz, diesen Vorgang zum Anlass für ein Verfahren zu nehmen. Die davon ausgehende Botschaft der unabhängigen Sportgerichtsbarkeit unterstütze ich nachdrücklich für den gesamten DFB: Jeder ist aufgerufen, jede Form von Rechtsextremismus und Antisemitismus anzuzeigen. Und die Sportrichter gehen jedem konkreten Hinweis konsequent nach.

 

Mit freundlichen Grüßen

Reinhard Grindel

 

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