Bericht zum 20. Deutsch-Polnischen Trainersymposium

Vom 3.-5.November fand das Deutsch-Polnische Trainersymposium im Sportpark Rabenberg in Breitenbrunn / Erzgebirge mit 75 Trainern aus Polen und Deutschland statt.

Das 20. Jubiläumstreffen dieser traditionsreichen Veranstaltung, die auf der Grundlage der Vereinbarung des DFB mit dem Polnischen Fußballverband im Wechsel zwischen Polen und Deutschland seit 1998 jährlich durchgeführt wird, war durch die umsichtige Organisation der BDFL-Verbandsgruppenleitung in enger Zusammenarbeit mit dem Nordostdeutschen Fußballverband eine äußerst gelungene und niveauvolle Veranstaltung. Der Präsident des NOFV R. Milkoreit würdige in seinen Begrüßungsworten die gute organisatorische Vorbereitung dieses Symposiums (Dr. U. Zempel) und die große Tradition dieses Trainertreffens. Er dankte der Leitung der VG Nordost (F. Engel, Dr. U. Zempel, T. Heidemeier, T. Klemm) für ihre Verdienste bei der jahrelangen Organisation und Durchführung dieser internationalen Trainerfortbildung. In seinen Dank schloss er Heinz Werner, BDFL-Ehrenmitglied und langjähriger Vorsitzender der VG Nordost, für seine Verdienste um das Deutsch-Polnische Trainersymposium ein, der auf dem Rabenberg als Ehrengast weilte.

Den Teilnehmern wurde ein anspruchsvolles, interessantes Fortbildungsprogramm in Theorie und Praxis geboten. Das abendliche Zusammentreffen der beiden Delegationen mit einem umfangreichen Erfahrungsaustausch und die eigenen sportlichen Aktivitäten im Hallenfußball, Bowling oder Schwimmen rundeten die 3 Tage ab. Die jüngeren Trainerkollegen nutzten natürlich die Gelegenheit zu Gesprächen mit den prominenten Teilnehmern, den ehemaligen Erstliga- und Nationalspielern wie Dixie Dörner, Hansi Kreische, Erich Hamann u.a. Die Unterstützung von den Zweitligaclubs  SG Dynamo Dresden durch die zeitweise Anwesenheit der sportlichen Leitung (Sportdirektor R. Minge, Cheftrainer U. Neuhaus) und FC Erzgebirge Aue mit der Demonstrationsgruppe des Nachwuchsleistungszentrums (U16-U18) mit dem Sportlichen Leiter des NLZ C. Müller zeigte eine enge Anbindung zur Praxis.

Der Sportwissenschaftler Dr. Lothar Nieber verwies in seinen theoretischen Ausführungen über „Integratives Koordinationstraining“ auf die gewachsenen koordinativen Anforderungen im modernen Fußball, den Voraussetzungscharakter koordinativer Fähigkeiten für ein hohes technisch-taktisches Spielniveau und die Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten durch vielseitige, den „Kopf beanspruchende“ Trainingsanforderungen. So stellte er einige interessante praktische Übungen mit hohem koordinativen Anspruch im Video vor und forderte auch die Einbeziehung von mehr koordinativen Inhalten im athletischen Training.

Thomas Klemm, Lennart Clausen und Sabastian Mundruc demonstrierten mit den Jungs vom FC Erzgebirge Aue in einer 90 minütigen Trainingseinheit das Integrative Koordinationstraining auf dem Platz in beeindruckender Weise. Sebastian Mundruc referierte anschließend über das Integrative Koordinationstraining mit Torhütern.

Ralf Minge sprach in seinem zweigeteilten Vortrag  „Die Entwicklung und Ziele von Dynamo Dresden“ einerseits über die wirtschaftliche und sportliche Situation und andererseits über die Arbeit mit den Menschen, den Spielern, die im Mittelpunkt stehen. Dabei stellte er heraus, dass die Motivation eine Eigenleistung ist (beinhaltet Dürfen/Handlungsräume, Können/Kompetenz, Wollen/Eigenantrieb) und über die Notwendigkeit klarer Zielsetzungen (Ziel, an das du glaubst).

DFB-Trainer Guido Streichsbier stellte „Das sportliche Leitbild des DFB - Unser Weg“ in beeindruckender Form vor und referierte in einem 2. Vortrag über die „Arbeit mit den U-Nationalmannschaften am Beispiel der U20-Weltmeisterschaft in Neuseeland“. Dabei verwies er auf die Unterschiede zwischen nationalen und internationalen Spielanforderungen, auf die Notwendigkeit internationaler Wettkämpfe für die individuelle Profilierung der Spieler und zeigte die Zusammenarbeit DFB und Leistungszentren / Vereine auf.

Die Diplompsychologin Tanja Schuck-Weber (eine ehemalige Weltklasse-Kanutin) sprach über „Psychologische Phänomene im Fußball“. Sie stellte die kognitiven Prozesse, die Bedeutung der Wahrnehmung (auch Farbwahrnehmung) für den Fußballer, Aktiverungsprozesse und wichtige Kommunikationsregeln in den Mittelpunkt. Interessant waren auch ihre Ausführungen zur Thematik Zielsetzung und Motivation: „ohne Motivation keine Leistung und ohne Ziel keine Motivation“.

Frank Engel sprach über „Die Individualisierung als wesentliche Leistungsreserve“. Individualisierung ist dabei mehr als nur Training, es ist die Auseinandersetzung mit der Gesamtpersönlichkeit des Spielers. Der Spieler steht im Mittelpunkt, ihn zu analysieren und entsprechend seiner individuellen Strukturen und Voraussetzungen  zu verbessern, ist Hauptaufgabe der Trainer. Das wird leider stark vernachlässigt. Insbesondere in den unteren Jahrgängen des Nachwuchstrainings (unterhalb der U15) steht leider meist der schnelle mannschaftliche Erfolg im Vordergrund (wird überbetont) und die individuelle Ausbildung kommt zu kurz. Nachwuchstraining ist aber vorrangig Ausbildungstraining. Nicht Systeme sind der Erfolgsfaktor im internationalen Spitzenfußball, sondern die individuelle Klasse.

 

Der Videoanalyst Danny Röhl (RB Leipzig) informierte über „Einsatz und Stellenwert der Videoarbeit“ im Training, in der Spielvorbereitung und der Analyse des eigenen Spiels. Mit aktuellen Videoclips rundete er seine Ausführungen ab und zeigte die Möglichkeiten der modernen Technik auf.

Leszek Dulat (Leiter der Polnischen Delegation und des Niederschlesischen Trainerbundes)  hielt den polnischen Gastvortrag. Er sprach über die „Entwicklung des Polnisches Nachwuchsfußballs und seine Perspektiven“ und auch darüber, dass man viele Anregungen von der deutschen Seite übernommen hat. Dabei forderte er die notwendige Geduld mit den nach der Europameisterschaft 2012 eingeleiteten Maßnahmen (Schaffung von über 60 Kunstrasen- Kleinfeldern und hauptamtlichen Trainern in den Trainingszentren für die U9 - U12). Die Wirkung dieser Aktivitäten wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Auch auf viele Initiativen in der Traineraus- und -Fortbildung konnte er verweisen.

Am Samstag dem 18.November fand in Rostock die letzte Fortbildungsmassnahme der VG Nordost in Rostock statt. Wie immer durch Thomas Klemm umsichtig vorbereitet fanden die 50 Teilnehmer im Hotel Sportforum und beim FC Hansa sehr gute Bedingungen vor. Inhaltlich wurden vom Deutsch-Polnischen Trainersymposium die Blöcke zum Integrativen Koordinationstraining und zur Individualisierung (F. Engel) übernommen (anderer Zuhörerkreis). Nach den theoretischen Ausführungen von Dr. L. Nieber und der praktischen Demonstration von T. Klemm und S. Kerber mit den Spielern der U19-Regionalliga vom FC Hansa Rostock (Videoaufzeichnung L. Claussen) stellte sich die Experten-Gruppe  zum Integrativen Koordinationstraining einer intensiven, angeregten  Diskussionsrunde. DFB-Experte Norbert Vieth informierte die Teilnehmer abschließend in überzeugender Manier über den Informationsservice des DFB. Dabei zeigte er neben den Printmedien (Fußballtraining, DFB-Fachbücher) vor allem auch den Umgang mit den elektronischen Medien (Online-Portal und Training-Online, etc.) Ebenso wies er auf zukünftige Projekte hin.

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