Glückwunsch zum 70. !!

(c) gettyimages/DFB

Für Margit Stoppa ist heute ein ganz besonderer Tag. Die Vorsitzende des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball wird an diesem Mittwoch 70 Jahre alt. Stoppa ist eine wichtige Persönlichkeit im deutschen Frauenfußball. Seit über 40 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich auf vielfältige Weise und hat somit ganz entscheidenden Anteil an den vielen Erfolgen und der großartigen Entwicklung. Zudem ist sie Spielleiterin der Allianz Frauen-Bundesliga. Anlässlich ihres Ehrentags reist Stoppa mit DFB.de in die Vergangenheit und erinnert sich an ihre ersten Berührungspunkte mit dem Frauenfußball. Sie erklärt, warum DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg eine wichtige Person in ihrem Leben ist. Aber Stoppa blickt natürlich auch in die Zukunft.

Margit Stoppa über…

… ihr Leben mit dem Frauenfußball: Ich war schon als kleines Kind sehr sportlich. Mit meinem Bruder war ich auf der Straße kicken. Mein Vater hat ebenfalls Fußball gespielt und mich häufig mit zu den Begegnungen genommen. Da es zu dieser Zeit noch kein Mädchenfußball gab, habe ich zunächst an der Kinder- und Jugendportschule Leichtathletik betrieben, danach habe ich während des Sportstudiums Handball gespielt. Schon in dieser Zeit hatte ich immer wieder Berührungspunkte mit dem Fußball und habe in meiner Freizeit sehr gern mit Studenten Fußball gespielt. Auch im Training in der Leichtathletik und im Handball wurde gern zur Erwärmung gekickt. Beruflich bin ich dann nach Berlin gegangen. Hier habe ich mich erstmals einem Fußballverein angeschlossen. Mit Motor Köpenick wurde ich von 1975 - kleine Unterbrechung durch Schwangerschaft - bis 1982 mehrfach Berliner Meister.

… die Bedeutung des Frauenfußballs in ihrem Leben: Der Sport im Allgemeinen und der Fußball im Besonderen sind entscheidende Faktoren in meinem Leben. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nach meiner aktiven Zeit begann ich ehrenamtlich im DFV (Deutscher Fußball-Verband) der DDR zu arbeiten, zunächst in der AG Frauenfußball. Seit 1984 bin ich in verschiedenen Gremien und Verbänden tätig. Wenn ich nach meinem Beziehungsstatus gefragt werde, antworte ich, dass ich mit dem Fußball verheiratet bin. Meine berufliche Tätigkeit beendete ich zwei Jahre vor dem Rentenalter, um Zeit für die zahlreichen ehrenamtlichen Verpflichtungen zu haben. Zudem liefen die Vorbereitungen auf die WM der Frauen in Deutschland auf Hochtouren. Mit Unterstützung meiner "Vizemutter" und besten Freund/innen konnte ich als Mutter eines Sohnes meine beruflichen und ehrenamtlichen Aufgaben recht gut vereinbaren. Heute takte ich Termine möglichst so, dass ich ausreichend Zeit für die Betreuung meiner Enkeltochter habe.

… ihre Zusammenarbeit mit Hannelore Ratzeburg: Hannelore habe ich kennengelernt, nachdem die Mauer gefallen war. Sie hatte die Person gesucht, die für den Frauenfußball im Osten zuständig war und so sind wir erstmals in Kontakt gekommen. Für den Westteil Berlins war Hannelore Kloninger verantwortlich und wir haben uns dann zu dritt in Berlin getroffen. Danach hat die ganze Entwicklung rasant an Fahrt aufgenommen. Im Herbst 1990 wurde ich als damalige Vorsitzende der Kommission Frauenfußball in den DFB-Ausschuss für Frauenfußball kooptiert. Von 1998 bis 2007 war ich ihre Stellvertreterin. Auf dem Bundestag 2007 wurde Hannelore Ratzeburg als Vizepräsidentin und ich als Vorsitzende des neuen Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball gewählt. Ich denke, dass wir gemeinsam viele Dinge sehr gut auf den Weg gebracht haben. Wir haben uns kennen und schätzen gelernt und arbeiten vertrauensvoll zusammen.

… ihre Erinnerungen an die Zeit des Umbruchs während der deutschen Wiedervereinigung: Der Verbandstag des DFV der DDR Ende März 1990 brachte wichtige Entscheidungen im Frauenfußball der DDR: Gründung einer Frauen-Nationalmannschaft, Einführung der offiziellen Fußballmeisterschaft der Frauen (vorher DDR-Bestenermittlung) und Gründung einer eigenständigen Kommission für Frauenfußball. Der 9. November 1989 hatte auch sportpolitisch eine neue Ära eingeleitet. Im Herbst 1990 wurde die Einheit im Fußball vollzogen. Der DFV der DDR gründete sich als Regionalverband und trat als solcher dem DFB bei. Der Meister und der Vizemeister der damaligen DDR-Oberliga konnten im folgenden Spieljahr in der DFB-Bundesliga der Frauen spielen. Im regionalen Spielbetrieb der Frauen mussten wir Wege finden, um die Vereine von (West-)Berlin in die bestehende Liga zu integrieren.

… die Entwicklung der Allianz Frauen-Bundesliga in der jüngeren Vergangenheit: Seit 2007 bin ich die Spielleiterin der höchsten Spielklasse, die seit vier Spielzeiten Allianz Frauen-Bundesliga heißt. Von dieser Kooperation profitieren beide Seiten. Diese partnerschaftliche Zusammenarbeit funktioniert hervorragend und hat dem Frauenfußball in Deutschland noch einmal einen Schritt nach vorn gebracht. Die Vereine haben sich den wachsenden Anforderungen gestellt und arbeiten professioneller. Sportlich gesehen wird die Liga interessanter, das Niveau wird ausgeglichener, was das aktuelle Tabellenbild wiederspiegelt. Nicht glücklich bin ich mit der Zuschauerresonanz. Hier haben wir noch eine große Baustelle. Gleiches gilt für die mediale Aufmerksamkeit. Jedoch bedingt das eine das andere. Da sind wir noch nicht auf dem Level, das wir uns wünschen.

… Deutschlands als führende Nation im Frauenfußball: Dieser Einleitung kann ich mit dem Zusatz „als eine der führenden Nationen“ zustimmen. Die jüngsten Ergebnisse und Entwicklungen zeigen, dass andere Nationen aufgeschlossen haben. Das „Alleinstellungsmerkmal“ können wir nicht mehr beanspruchen. Die internationale Spitze ist breiter geworden. Die vermeintlich kleinen Nationen haben Mittel gefunden, um uns ein Konkurrent auf Augenhöhe zu sein. Es muss unser Ansporn sein, noch besser zu arbeiten und neue effiziente Wege für den Leistungsfußball zu erschließen.

… ihre emotionalsten Momente mit dem Frauenfußball: Als ich noch selbst Fußball gespielt habe, reiste ich mit der (Ost-)Berliner Auswahl zu einer Begegnung im Rahmen des Pressefestes der größten Auflagenzeitung Polens, der "Trybuna Ludu", 1975 nach Warschau. Vor ca. 80.000 Zuschauern im Stadion zu spielen, war ein einmaliges Erlebnis. Ein weiterer einschneidender Moment war für mich der Außerordentliche Bundestag 1990 in Leipzig, auf dem der Nordostdeutsche Fußballverband als fünfter Regionalverband in den DFB aufgenommen wurde.
Ich durfte bei WM und EM als Delegationsmitglied die Frauen-Nationalmannschaft und als Delegationsleiterin U-Mannschaften begleiten und mit ihnen Titelehrungen erleben. Für mich persönlich war es ein großer Moment, als ich beim DFB-Bundestag 2016 in Erfurt mit der Ehrennadel des DFB in Gold geehrt wurde. Da war ich schon sehr überrascht und stolz.

… die Zukunft des Frauenfußballs: Die Entwicklung des Frauenfußballs ist nicht aufzuhalten. Der Frauenfußball gewinnt zunehmend an sportpolitischer Aufmerksamkeit, die sportliche Breite wird dichter und auch strukturell hat der Frauenfußball sich erfolgreich entwickelt. Frauenfußball ist eine eigene Sportart, die Zukunft hat und Frauen zum Sporttreiben motiviert. FIFA und UEFA unterstützen mit Programmen und Förderungen diese Entwicklung. Der Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball des DFB hat sich mit diesen Herausforderungen und Möglichkeiten befasst und sieht in der Umsetzung auf regionaler und Landesebene eine große Chance.

... ihren 70. Geburtstag: In meiner Geburtsstadt Cottbus wohnen meine Verwandten, mein Bruder, quasi die Großfamilie. Meine älteste Tante und "Vizemutter" ist 96 Jahre, ihr Bruder und eine weitere Schwester sind über 90 Jahre alt. Sie alle sind nicht mehr gut zu Fuß, aber sehr interessierte sport- und fußballbegeisterte TV-Zuschauer. Daher werde ich mit meinem Sohn und Familie und mit meinen engsten Freund/innen zu ihnen reisen und in Cottbus feiern. Darauf freue ich mich sehr.

... ihre ganz persönlichen Wünsche: Natürlich – Gesundheit. Ich wünsche mir auch etwas mehr Zeit für mich. Die ist zuletzt etwas zu kurz gekommen. Das wird sich ab 2018/2019 etwas ändern. Dem Frauenfußball bleibe ich natürlich weiterhin sehr eng verbunden.

 

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